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Fall Boßdorf/Seppelt Druck von der ARD-Basis

Die Kritik an der Absetzung des ARD-Schwimmreporters Hajo Seppelt reißt nicht ab, insbesondere jene an der Rolle, die der umstrittene Sportkoordinator Hagen Boßdorf dabei spielte.

Ab Montag tagen die Intendanten der ARD in Straßburg - und sie kommen wohl nicht umhin, sich dabei mit der Absetzung des Schwimmreporters Hajo Seppelt und der Rolle des Sportkoordinators Hagen Boßdorf zu beschäftigen. Nach dem Redakteursausschuß von Seppelts Heimatsender RBB und einer am Montag in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erscheinenden Solidaritätserklärung namhafter Sportfunktionäre, Politiker, Wissenschaftler und Journalisten haben sich nun auch die Redaktionsvertretungen von NDR und WDR geäußert.

Das WDR-Papier bittet den Intendanten Fritz Pleitgen, die Hintergründe der Absetzung Seppelts aufzuklären, und läßt die Skepsis daran erkennen, daß Boßdorfs offizielle Begründung, der Vorgänger Seppelt solle sich nun verstärkt um Doping-Themen kümmern, den wahren Hintergrund der Personalentscheidung benennt. Auch sei Boßdorfs Rolle in diesem Kontext zu prüfen. Verwiesen wird auf die Vorwürfe der Kollegen vom RBB, Boßdorf habe sich um das Thema Doping zuwenig gekümmert und der dopingbelasteten Radsportszene zu nahe gestanden. "Schon allein ein nicht schlüssig ausgeräumter Verdacht in diese Richtung wäre ein gewaltiger Imageschaden für die ARD."

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„Ständigen Desinformation“

Schärfer äußert sich der Redakteursausschuß des NDR und hält Boßdorf seine Stasi-Kontakte und Schleichwerbung in einer von ihm verantworteten Biathlon-Sendung vor. Man unterstütze Seppelt und die Forderung nach seiner Wiedereinsetzung als Schwimmreporter. Zusammenfassend heißt es: "Kritischer Journalismus muß in der ARD auch weiterhin möglich sein." Boßdorf selbst behauptete gestern in einem Interview im RBB Inforadio, es sei von Anfang an geplant gewesen, daß Seppelt an einem Doping-Spezial zum Beginn der Tour de France mitwirken solle. Dem widersprechen ARD-Mitarbeiter, die das Sendungskonzept kennen. Auch RBB-Sportchef Hans-Jürgen Pochmann zeigte sich der F.A.Z. gegenüber "sehr irritiert" von der "ständigen Desinformation" Boßdorfs. Nicht nur die ARD-Basis wartet nun gespannt, welche Signale aus Straßburg ertönen.

Quelle: F.A.Z., 19.06.2006, Nr. 139 / Seite 46

 
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