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Facebooks „Like“-Button Bringe alle deine Freunde zu uns

27.04.2010 ·  Auf Facebook verrät der „Like“-Button, was die Nutzer mögen. Nun will das Unternehmen diese Funktion auf jeder Internetseite verankern - und damit so viele Daten sammeln wie noch nie.

Von Friederike Haupt
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Kurz bevor Facebook-Gründer Mark Zuckerberg in der vergangenen Woche so tat, als bringe er der Welt ein neues Wunder, wurde das Lied „All these things that I’ve done“ gespielt. Wer auch immer bei der Facebook-Entwickler-Konferenz „f8“ für die Musikauswahl zuständig war, er hatte gute Arbeit geleistet. Denn erstens peitschte der Song der „Killers“ die ohnehin schon aufgeregten Massen auf. Und zweitens hätte Zuckerberg, von seinen Fans „Zuck“ genannt, hinter der Bühne allen Grund zum Grinsen gehabt, als die Zeile „While everyone’s lost, the battle is won“ erklang. So würde er es gleich auf der Bühne natürlich nicht ausdrücken. Aber die Richtung, die stimmte. „Es steckt viel Zauber in all den Details“, sagte er schließlich, als er das Wunder vorgestellt hatte. Das klang netter.

Was Zuckerberg und sein Team entwickelt haben, um Facebook mächtiger zu machen, betrifft nicht weniger als das ganze Internet. Zuckerberg sagte, es sei das „transformativste Ding, das wir je für das Internet gemacht haben“, aber natürlich soll das Internet vielmehr etwas für Facebook tun. Um nämlich Ordnung hineinzubringen in das Chaos aus Links, Bekanntschaften und Vorlieben, möchte Zuckerberg alle Daten miteinander verbinden. Dadurch werde das Internet sozialer, personalisierter und schlauer, sagte er, der in Kapuzenpulli und Jeans auftrat, als ginge es hier nicht um das große Geld und eine Revolution. Dabei klingt zunächst harmlos, was er in San Francisco präsentiert: Um „Social Plugins“ ging es vor allem. Das sind Programme, die in eine andere Software integriert werden, wie etwa solche, mit denen man auf Internetseiten Musik hören kann.

Versteckter Nutzen eines Freundschaftsdiensts

Bei Facebook aber geht es nicht um Musik, sondern um Daten. Darum, was jemand gerne liest, mit wem er befreundet ist, wie oft er sich einloggt, welche Werbung bei ihm erfolgreich sein dürfte. Um solche Daten zu sammeln, gibt es auf Facebook den „Like“-Button. Gefällt einem die Statusanzeige eines Freundes („Bin im Urlaub“), eine Freundschaft zweier Bekannter oder eine Ankündigung, kann man auf diese Schaltfläche klicken und seinen Freunden zeigen, dass man sich dafür begeistert. Das soll nun auf jeder Internetseite möglich sein, die bereit ist, das anzubieten. Schon seit einiger Zeit ermöglichen viele Betreiber ihren Besuchern, Freunde via Facebook auf Gelesenes aufmerksam zu machen. Doch damit fließen die Daten nur von externen Seiten zu Facebook, nicht aber zurück. Das wird nun anders.

Und damit sehr verlockend für jeden, der von der Datenmacht des Konzerns profitieren will. Dazu gehört die „Washington Post“, die auf ihrer Internetseite die neuen Plugins eingebaut hat. Dort kann man sich mit seinem Facebook-Login anmelden und Artikel lesen, für die man sich sonst erst bei der Zeitung registrieren müsste. „Veröffentliche Inhalte auf deiner Pinnwand“, heißt es, ein Pfeil symbolisiert das Tauschgeschäft: „Bringe deine Freunde hierher.“ Gefällt einem ein Artikel der Zeitung, kann man das zeigen, indem man den „Like“-Button drückt. Das ist sehr nützlich für die „Washington Post“, weiß sie doch so, welche Artikel besonders aufgenommen werden – und von wem. Musste sie sich bisher mit Klickzahlen zufriedengeben, erfährt sie nun, welcher Leser was gut findet. Weil das Plugin zu Facebook gehört, übermittelt es alle Benutzerdaten an die „Washington Post“ – Klarnamen, Wohnorte und Interessen.

Aufteilung des Datenkuchens

Neben dem „Like“-Button gibt es einige andere neue Funktionen, die Internetseiten mit Facebook verbinden und von Betreibern kostenlos übernommen werden können. Ein „Activity Feed“ aktualisiert ständig, wer was empfohlen hat. Das „Recommendation“-Plugin zeigt dem Nutzer auf ihn zugeschnittene Empfehlungen an, während die „Like-Box“ darüber informiert, wie viele und welche Menschen diese Seite mögen. Alles läuft darauf hinaus, möglichst viele personalisierte Daten zu sammeln. Und dadurch, dass Facebook anderen ein Stückchen vom Datenkuchen anbietet, sammeln diese emsig Daten für Facebook. Wer nicht mitmacht, wird mitansehen müssen, wie ihn die Konkurrenz dank genauerer Kundenkenntnis abhängt.

Die Plugins helfen Facebook und den Partnern, Nutzern personalisierte Werbung zu präsentieren und dabei die Interessen ihrer Freunde einzubeziehen. Mag etwa ein junger Mann einen bestimmten Turnschuh und bekundet das auf der Seite des Anbieters mit dem „Like“-Button, könnte Facebook auf der Profilseite eines Freundes von ihm für genau dieses Produkt werben – die Chance ist nicht gering, dass beide einen ähnlichen Geschmack haben. Das Argument, man könne sich aus der Sache heraushalten, indem man den „Like“-Button nicht benutzt, wird durch solche Möglichkeiten entkräftet. Und da Facebook ohnehin Daten von Menschen sammelt, die dort gar nicht angemeldet sind (Facebook weiß alles über uns: Das soziale Netzwerk sammelt nicht nur Daten über seine Mitglieder), werden die Vorlieben aller ausgeforscht. An Google, dem Altmeister der umfassenden Datensammlung, könnte Facebook bald vorbeiziehen.

Schleichende Ausspionierung

Dabei macht es sich das Unternehmen zunutze, dass nur wenige die Tragweite dessen begreifen, was vor sich geht. Als „Frosch-koch-Methode“ bezeichnet Reiner Jung, Informatiker an der Universität Kiel, die Taktik Zuckerbergs. Wie ein Frosch im nur langsam heißer werdenden Wasser wehrten sich auch die Nutzer kaum gegen die schleichende Ausspionierung. „Vorratsdatenspeicherung für jedermann“ nennt der Wissenschaftler die Möglichkeit für jeden Betreiber einer Internetseite, auf die Facebook-Daten seiner Besucher zuzugreifen. Dabei nütze es dem Unternehmen, dass es für viele Menschen den „sozialen Tod“ bedeute, die Mitgliedschaft bei Facebook zu beenden. Man könne nicht à la Ministerin Aigner „mit den Füßen“ abstimmen, solange es kein anderes Netzwerk gebe.

Auch den Hinweis von Kennern, mit Blockierprogrammen die neuen Facebook-Plugins außer Gefecht zu setzen, hält Jung für wenig alltagstauglich. Sicher gebe es Filter: „Aber die kann meine 21 Jahre alte Nichte nicht mal installieren.“ Für manche solcher Hilfsmittel, über die in Internetforen diskutiert wird, brauche man „ein halbes Informatikstudium“. Vom Data-Mining, also der systematischen Auswertung von Daten durch den Einsatz von Algorithmen, wüssten die Nutzer erst recht wenig.

Der Informatiker sieht vor allem das Menschenbild, das hinter Facebooks Vorgehensweise steht, kritisch. Die Freiheit, sich entscheiden zu können, werde vielen durch die ständige Manipulation genommen. Dadurch, dass schrittweise neue Möglichkeiten zur Datenaggregation eingeführt würden, bleibe der große Widerstand aus. Vor den Konsequenzen warnt Jung eindringlich. Nicht nur für die Werbung, auch für Voraussagen über Verhaltensweisen von Menschen könnten die Daten taugen. Das könnten sich zum Beispiel Versicherungen oder Arbeitgeber zunutze machen.

Auf der Seite der „Washington Post“ ist in ganz kleiner Schrift zu lesen: „Sogar wenn du bei Network News auf washingtonpost.com bist, bist du eigentlich bei Facebook.“

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