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Facebook zensiert Adam : Das digitale Feigenblatt

  • -Aktualisiert am

Eckehard Bambergers Vorbild: Michelangelos Adam ist für Facebook zu anzüglich Bild: Picture-Alliance

Bilder aus der Sixtinischen Kapelle können nicht allzu anstößig sein. Sollte man meinen. Bei Facebook allerdings fiel ein nachgemalter Adam Michelangelos prompt der Zensur zum Opfer.

          Was in der Sixtinischen Kapelle entblättert wird, gilt noch lange nicht als sittsam. Zumindest nicht für ein amerikanisches Netzwerk. Facebook sperrte nun die Werbeanzeige eines religionsphilosophischen Buches. Es warb mit einer leicht abgeänderten Fassung eines der berühmtesten Werke Michelangelos: „Die Erschaffung Adams“. Dessen offen dargestelltes Geschlechtsteil scheint dem Netzwerk zu anrüchig zu sein.

          Wie Eckehard Bamberger, Autor von  „Psalm 1 - Die Wege Gottes und der Menschen“, auf der Website zum Buch mitteilt, antwortete Facebook persönlich, aber lapidar auf seinen Protest: „Deine Werbeanzeige wurde abgelehnt, weil das Bild nicht unseren Werberichtlinien entspricht. Werbeanzeigen dürfen keine übermäßig sexualisierten Bilder einsetzen, den Eindruck von Nacktheit erwecken, viel Haut bzw. Dekolleté zeigen oder sich unnötigerweise auf bestimmte Körperteile konzentrieren. Dies gilt auch für die Bilder auf deinen Seiten.“

          Michelangelos Adam aus dem Vatikan scheint ihn wohl in einer zu „expliziten bzw. zweideutigen Position oder Handlung, die übermäßig anstößig oder sexuell provokant“ ist, zu zeigen. Seltsam nur, dass just dieses Werk den hauseigenen Sittlichkeitskontrollen in Rom bislang entgangen ist. Folgt man Dan Brown, soll Papst Pius IX. 1857 allen männlichen Skulpturen innerhalb des Vatikans die Geschlechtsteile mit dem Hammer abgeschlagen haben.

          Erst kürzlich machte der Schriftsteller Thomas Glavinic auf die strengen Richtlinien Facebooks aufmerksam. Mit einem Komplettnacktfoto von ihm protestierte er gegen Zuckerbergs Richtlinien, die zwar künstlerische Darstellungen zensieren würden, Gewaltdarstellungen allerdings nicht.

          Dem Autor Eckehard Bamberger hingegen war es nicht um Protest oder Provokation zu tun. Er verteidigte seine Buchwerbung: Sie habe nichts mit Pornografie zu tun. Und nutzt die so erlangte Aufmerksamkeit für seine Schrift.

          Anstatt mit der Rigidität der digitalen Möglichkeiten ein solches Foto gleich zu sperren oder mit der des 19. Jahrhunderts auf steinerne Genitalen einzuschlagen, könnte man sich ein Vorbild an Daniele da Volterra nehmen, einem Schüler Michelangelos: Der sogenannte Hosenmaler versah die anstößigen Blößen im Vatikan kurzerhand mit einem dekorativen Feigenblatt.

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