http://www.faz.net/-gqz-76bf4
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 05.02.2013, 15:06 Uhr

Facebook plant Ortungsdienst Wo bist du? Ich bin hier!

Nur den Anschluss nicht verpassen: Facebook arbeitet an einem Freundefinder im wirklichen Leben. Fest im Blick die Nutzerdaten für die Vermarktung standortabhängiger Werbung.

von Stefan Schulz
© AFP Aufrüstung bei der mobilen Nutzung: Facebook arbeitet an seinen Apps

Facebook wird im März eine neue App für Mobiletelefone vorstellen. Sie wird es Nutzern des sozialen Netzwerks ermöglichen, ständig und automatisch ihren Aufenthaltsort mitzuteilen, so dass sie unter anderem über Freunde in der Nähe informiert werden können, wenn auch diese ihre Bewegungsdaten an Facebook übermitteln. Noch ist es eine Vermutung, von der die Nachrichtenagentur Bloomberg vom Hörensagen erfuhr. Dass es eine derartige App von Facebook geben wird, kann jedoch als sicher gelten, schließlich will Facebook den Anschluss an die Konkurrenz nicht verlieren.

Seit inzwischen vier Jahren ermöglicht es beispielsweise Google Kunden mit Android-Telefonen, ihre Aufenthaltsorte zu offenbaren, um Freunde zu finden und Einsicht in die eigene Bewegungsstatistik zu erhalten. Der „Google Latitude“ genannte Service ist in Googles Karten-App fest verbaut und in rund 500 Millionen Geräten verfügbar. Ebenso stellte Apple einen ähnlich funktionierenden Service namens „Find My Friends“ mit dem iPhone 4S im Oktober 2011 vor. Auch Apple verbaute die Funktionalität inzwischen in mehreren hundert Millionen Geräten.

Standortabhängige Werbung im Blick

Diese Lücke im eigenen Angebot möchte Facebook nun schließen. Das soziale Netzwerk versucht das nicht zum ersten Mal. Im August 2010 stellte Facebook den Dienst „Facebook Places“ vor. Nutzer konnten damit in Orte „einchecken“, sie bewerten und empfehlen. Hin und wieder gab es Cafés und Läden, die diese Promotion durch ihre Kunden mit Preisermäßigungen und Sonderaktionen belohnten. Erfolgreich funktionierte das System aber nicht. Facebook stellte den Dienst ein Jahr später wieder ein und gab sich damit „Foursquare“ geschlagen. Das standortbezogene soziale Netzwerk erfand nämlich schon 2009 viele der Funktionen und betreibt seinen Dienst bis heute erfolgreich. Facebook gelang es nicht, es nachzuahmen.

Dabei blieb es. Facebook führte seitdem nur Orte als Merkmal in Statusmeldungen ein und ermöglichte es seinen Nutzern, Nachrichten und Statusmeldungen mit GPS-Koordinaten zu versehen. Dass das nicht reiche, um auch im mobilen Internet zu bestehen, behaupten Analysten seit Jahren. In einem Gespräch mit ihnen gab Facebook-Gründer Mark Zuckerberg den Kritikern in der vergangenen Woche recht. Alle Entwicklungen konzentrierten sich von nun an auf mobile Anwendungen, sagte Zuckerberg. Die neue Sensibilität für Standorte liegt auf der Hand: Im Erfolgsfall wird Facebooks Datenschatz dadurch noch umfangreicher und standortabhängige Werbung zu einem Verkaufsargument für Facebooks Nutzerdaten.

Mehr zum Thema

Dass für den Nutzen der Benutzer aber nicht zwangsläufig riesige Datenbanken mit Bewegungsprofilen von Hunderten von Millionen von Menschen gefüttert werden müssen, bewies das in Berlin entstandene Projekt „aka-aki“ im Jahr 2008. Die App nahm per Bluetooth Kontakt zu Handys in nächster Umgebung auf, ohne dass eine Internetverbindung und Datenbankanbindung notwendig war. Doch das Prinzip zahlte sich nicht aus. Im vergangenen Jahr löste sich die junge Firma auf.

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Digitale Assistenten Google will die Wohnung steuern

Amazon hat mit dem digitalen Assistenten Echo einen Überraschungserfolg gelandet. Jetzt präsentiert Google seine Kampfansage an das Online-Kaufhaus. Mehr Von Roland Lindner, New York

18.05.2016, 20:35 Uhr | Wirtschaft
Mountain View Google setzt auf sprachgesteuerte Web-Suche und Geräte-Kontrolle

Google hat ein neues System zur sprachgesteuerten Internet-Suche und Geräte-Kontrolle vorgestellt. Konzernchef Sundar Pichai stellte die neuen Produkte am Mittwoch auf einer Entwicklerkonferenz in Kalifornien vor. Mit Google Home, einer Kombination aus Sprach-Fernbedienung und Lautsprecher, sowie dem damit verbundenen Google Assistant will der Internet-Riese Amazon Konkurrenz zu machen. Mehr

19.05.2016, 13:52 Uhr | Technik-Motor
Spekulation um neues Gerät Auch Apple will mit uns reden

Es ist nur Spekulation, aber eine erwartbare: Nach Amazon und Google will nun auch Apple ein Gerät auf den Markt bringen, dem wir zu Hause unsere Wünsche zurufen. Wozu eigentlich? Mehr Von Marco Dettweiler

25.05.2016, 12:11 Uhr | Technik-Motor
Für hohe Ansprüche Apple in der Kunst

Apple-Produkte haben sich zu einem beliebten Werkzeug von Künstlern und Filmemachern entwickelt, nicht nur durch clevere Vermarktung. Dank hochauflösender Displays und zugeschnittenen Apps erfüllen sie deren Ansprüche. Mehr

08.05.2016, 02:00 Uhr | Technik-Motor
Musik-Streamingdienst Spotify gewinnt mehr Nutzer - und wird billiger

89 Millionen Menschen hören rund um die Welt Musik mit Spotify. Doch der Konkurrent Apple ist dicht auf den Fersen. Nun wird der Dienst günstiger - zumindest für einige. Mehr

24.05.2016, 10:43 Uhr | Wirtschaft
Glosse

Kunst am öffentlichen Rhein

Von Andreas Rossmann

Der Künstler Markus Lüpertz hat am Duisburger Rheinhafen eine Skulptur aufgestellt, und nur ein Bundeskanzler war Zeuge. Das war doch früher einmal anders. Mehr 6