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Aktualisiert: 11.12.2014, 17:03 Uhr

Facebooks digitaler Assistent Du bist im Begriff, etwas Dummes zu tun

Die Sorglosigkeit, mit der private Dinge in den Sozialen Netzen preisgegeben werden, ist unheimlich. Nicht minder unheimlich ist die Vorstellung einer Maschine, die das gezielt verhindern soll. Ein Facebook-Forscher hat sie befeuert.

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© Picture-Alliance Würde der Facebook-Assistent schon warnen? Hiesige Medienprominenz beim ausgelassenen Selbstporträt im März in Baden-Baden

Yann LeCun schwärmt: Das wäre doch was – eine Art digitaler Assistent, der uns bei Facebook vor Dummheiten bewahrt. Wenn wir uns angetrunken bei einer Party fotografiert hätten und im Begriff seien, die Fotos im Sozialen Netzwerk zu veröffentlichen, so das eindrucksvolle Beispiel, würde sich sozusagen eine Hand auf unsere Schulter legen und uns fragen, ob wir wirklich wollen, dass unsere Mutter und unser Chef uns so sieht.

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Das klingt nach einer kühnen Vorstellung. Schließlich müssen dieser Assistent und seine Bilderkennnung hochgerüstet sein, um den Zustand der Fotografierten erkennen und als nicht präsentabel einordnen, um einen von ihnen als den Nutzer identifizieren und ansprechen zu können, der gerade das Bild veröffentlichen will. Es klingt nicht abwegig, wenn man weiß, wer Yann LeCun ist: Seit einem Jahr leitet der Forscher der New York University das Facebook Artificial Intelligence Research Lab, das Fachmagazin „Wired“ nennt ihn einen Guru des maschinellen Lernens.

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Und es klingt unheimlich, wenn man überlegt, wozu dieses Programm noch in der Lage sein könnte: Reagiert es auf Verzerrungen des Gesichts, auf Abweichungen von dem als „normal“ errechneten und abgespeicherten Gesicht jedes Nutzers? Was ist mit Momenten der Begeisterung, des Triumphs, mit Gähnern oder anderen Grimassen - sind auch die schon eine Warnung wert? Wie viele Gesichter müssen auf einem Gruppenbild von der Norm abweichen, um den digitalen Assistenten zu wecken? Wird er auch bei Grimassen von durch Facebook identifizierten „Freunden“ aktiv, sind auch gänzlich Fremde ein Problem? Was überhaupt liest die Maschine alles aus einem solchen Bild und wen weist sie noch darauf hin? Was liest sie überhaupt? Vor welchen vermeintlichen Dummheiten könnte sie uns noch bewahren wollen?

Ein solches Programm könne auch Alarm schlagen, wenn Unbefugte auf Facebook Fotos veröffentlichen, die man lieber nicht von sich im Netz sähe, erläutert Yann LeCun. Nicht weniger, sondern mehr Kontrolle über die eigenen Daten gebe ein solches Programm den Facebook-Nutzern, behauptet er. Und übergeht dabei nach Art des Hauses geflissentlich, dass bei dem Eingriff des Assistenten nicht nur sensible Bilder vor den Blicken anderer geschützt werden, sondern auch sensible Daten anfallen, die niemand gern in dem Datensatz sehen würde, den Facebook von jedem seiner Nutzer sammelt.

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