http://www.faz.net/-gqz-7xec3

Facebooks digitaler Assistent : Du bist im Begriff, etwas Dummes zu tun

Würde der Facebook-Assistent schon warnen? Hiesige Medienprominenz beim ausgelassenen Selbstporträt im März in Baden-Baden Bild: Picture-Alliance

Die Sorglosigkeit, mit der private Dinge in den Sozialen Netzen preisgegeben werden, ist unheimlich. Nicht minder unheimlich ist die Vorstellung einer Maschine, die das gezielt verhindern soll. Ein Facebook-Forscher hat sie befeuert.

          Yann LeCun schwärmt: Das wäre doch was – eine Art digitaler Assistent, der uns bei Facebook vor Dummheiten bewahrt. Wenn wir uns angetrunken bei einer Party fotografiert hätten und im Begriff seien, die Fotos im Sozialen Netzwerk zu veröffentlichen, so das eindrucksvolle Beispiel, würde sich sozusagen eine Hand auf unsere Schulter legen und uns fragen, ob wir wirklich wollen, dass unsere Mutter und unser Chef uns so sieht.

          Das klingt nach einer kühnen Vorstellung. Schließlich müssen dieser Assistent und seine Bilderkennnung hochgerüstet sein, um den Zustand der Fotografierten erkennen und als nicht präsentabel einordnen, um einen von ihnen als den Nutzer identifizieren und ansprechen zu können, der gerade das Bild veröffentlichen will. Es klingt nicht abwegig, wenn man weiß, wer Yann LeCun ist: Seit einem Jahr leitet der Forscher der New York University das Facebook Artificial Intelligence Research Lab, das Fachmagazin „Wired“ nennt ihn einen Guru des maschinellen Lernens.

          Und es klingt unheimlich, wenn man überlegt, wozu dieses Programm noch in der Lage sein könnte: Reagiert es auf Verzerrungen des Gesichts, auf Abweichungen von dem als „normal“ errechneten und abgespeicherten Gesicht jedes Nutzers? Was ist mit Momenten der Begeisterung, des Triumphs, mit Gähnern oder anderen Grimassen - sind auch die schon eine Warnung wert? Wie viele Gesichter müssen auf einem Gruppenbild von der Norm abweichen, um den digitalen Assistenten zu wecken? Wird er auch bei Grimassen von durch Facebook identifizierten „Freunden“ aktiv, sind auch gänzlich Fremde ein Problem? Was überhaupt liest die Maschine alles aus einem solchen Bild und wen weist sie noch darauf hin? Was liest sie überhaupt? Vor welchen vermeintlichen Dummheiten könnte sie uns noch bewahren wollen?

          Ein solches Programm könne auch Alarm schlagen, wenn Unbefugte auf Facebook Fotos veröffentlichen, die man lieber nicht von sich im Netz sähe, erläutert Yann LeCun. Nicht weniger, sondern mehr Kontrolle über die eigenen Daten gebe ein solches Programm den Facebook-Nutzern, behauptet er. Und übergeht dabei nach Art des Hauses geflissentlich, dass bei dem Eingriff des Assistenten nicht nur sensible Bilder vor den Blicken anderer geschützt werden, sondern auch sensible Daten anfallen, die niemand gern in dem Datensatz sehen würde, den Facebook von jedem seiner Nutzer sammelt.

          Quelle: FAZ.NET

          Weitere Themen

          China setzt auf Gesichtserkennung Video-Seite öffnen

          Totale Kontrolle : China setzt auf Gesichtserkennung

          In China müssen die Menschen damit leben, dass ihr Gesicht in der Öffentlichkeit permanent gefilmt, gescannt und ausgewertet wird. Gesichtserkennung hat inzwischen alle Bereiche des öffentlichen Lebens erfasst.

          Topmeldungen

          Jamaika-Sondierung : Zwölf Themen, sie zu binden

          Jetzt wird es ernst: Am Nachmittag beginnen die Jamaika-Sondierungen in großer Runde, mit allen Parteien. Die zentralen Punkte für eine Einigung sind identifiziert – von den Bäumen runter sind die Unterhändler deshalb aber noch lange nicht.

          Chinas Präsident Xi Jinping : Der Große Vorsitzende

          Nur Wirtschaftsmacht war gestern. Jetzt will Chinas Präsident Xi Jinping das Land zur Weltmacht führen. In Chinas KP herrscht ein Klima der Angst.

          TV-Kritik: „Maybrit Illner“ : Wo ist die Mitte?

          Gestern Abend wurde deutlich, was FDP, Grünen und CSU bisher bei ihren Sondierungsgesprächen noch fehlt: Eine verbindende Idee. Die CDU kommt bekanntlich schon länger ohne Ideen aus.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.