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Facebook als Datensammler Für eine Handvoll Daten mehr

Nur Informatiker können wirklich verstehen, was Facebook mit den persönlichen Daten treibt. Gesichtserkennung, Zwangsadresse, Gruppenverhalten: die Intransparenz hat System.

© action press Vergrößern In Sergio Leones Klassikerwestern „The Good, the Bad, and the Ugly“ behielt Clint Eastwood in seiner Rolle den Durchblick bis zuletzt. Bei Facebook muss man im Showdown hingegen mehr als ein, zwei Figuren im Auge behalten.

Ein Selbstversuch: einen Facebook-Account erstellen. Name, E-Mail-Adresse, Geburtsdatum und Geschlecht. Es folgt die Bestätigungs-Mail. Los geht es mit Schritt eins: Freunde finden. Der erste Versuch von Facebook, sich mit den anderen Netzwerken zu vernetzen, indem es die Kontakte des neuen Nutzers in anderen Programmen scannt und importiert. Schritt zwei: Heimatort und Ausbildung und Schritt drei: das Profilfoto. Diese Schritte kann man überspringen, doch um Facebook richtig nutzen zu können, muss man die Angaben tätigen.

All das haben Abermillionen von Nutzern längst hinter sich und werden von Facebook doch immer wieder mit neuen Einstellungen, die einen immer transparenter machen, überrascht. Beinahe täglich stellt sich die Frage: Was gibt es Neues? Woran muss ich jetzt schon wieder herumschrauben? Der neueste Dreh: Facebook zeigt an, wer sich was in einer Facebook-Gruppe angesehen hat. Und wie immer wird das von dem Sozialnetzwerk als tolle Sache verkauft: „Das Häkchen“, heißt es da, „unter den einzelnen Beiträgen zeigt, wie viele Gruppenmitglieder ihn gesehen haben. Auf diese Weise bleibst du auf dem aktuellen Stand der Gruppenaktivitäten.“ Jeder, ist zu lesen, „der den Gruppenbeitrag sehen kann, sieht das Häkchen“. Doch will ich das? Dass alle sehen, was ich mir angesehen habe?

Das Datennetz wird immer dichter

Apropos ansehen: Die Gesichtserkennungsfunktion von Facebook ist schon lange ein heißdiskutiertes Thema, für Datenschützer ist sie ein Unding. Und auch die von Facebook vor einiger Zeit zwangsweise verordnete Nutzer-Mail-Adresse stößt auf Fragen. Wieso brauche ich die? Und warum muss ich mich anstrengen, um sie zu verbergen?

Tina Kulow, die Sprecherin von Facebook Deutschland, begegnet solchen Fragen freundlich, aber ganz in dem gewohnte Facebook-Tonfall: alles prima, alles transparent. Facebook, sagt sie auf Anfrage, informiere „umfassend und sehr ausführlich über Änderungen auf der Plattform. Zudem erhalten wir jeden Tag sehr viele Kommentare, die wir ernst nehmen, diskutieren und die in das Produkt einfließen.“ Doch stehen wirklich die Wünsche der Nutzer hinter all den Funktionen? Oder ist es nicht eher das Bemühen, Facebook als Werbeplattform aufzustellen?

Die Gesichtserkennungsfunktion sorgt dafür, dass die markierten Bilder eines Nutzers mit anderen, unmarkierten Aufnahmen verglichen werden. Sollte eine Übereinstimmung mit dem Gesicht des Nutzers vorhanden sein, werden die Bilder den Freunden des Nutzers vorgeschlagen, die diese dann auf Vorschlag des Systems namentlich markieren können. Diese Informationen werden von einer großen Datenbank aufgenommen und verwertet. So kann die Datenbank beim Hochladen von neuen Bildern immer mehr Informationen und Markierungen miteinander vergleichen - das Datennetz wird immer dichter.

Gesichter zeigen und markieren

Auch wenn viele nicht wirklich wissen wie: Man kann die Funktion abschalten. „Sollten die Menschen auf Facebook Markierungsvorschläge nicht nutzen wollen, haben sie ganz einfach die Möglichkeit, diese Funktion in ihren Privatsphäre-Einstellungen auszuschalten“, sagt die Facebook-Sprecherin Tina Kulow. Die von dem System aufgenommenen Daten von voneinander vernetzten Bildern, die in Verbindung mit der Funktion gespeichert wurden, sollen nach der Entscheidung, die Gesichtserkennung zu deaktivieren, komplett gelöscht werden - sagt Facebook.

Doch ist der Ausstieg aus der Gesichtserkennung mit Arbeit verbunden (das ist allerdings nichts gegen die E-Mail-Adresse). Bei der Neueröffnung eines Facebook-Accounts erscheint über der Pinnwand ein Kasten, der den Nutzer über die Gesichtserkennung informiert. Wobei - mit der Information ist das so eine Sache. Man muss sich die „Markierungsvorschläge für Fotos“ ansehen und die „Einstellungen“ bearbeiten. Dann muss man in den Einstellungen zu seiner Privatsphäre unter „Chronik und Markierungen“ deaktivieren, dass „Freunde“ Fotos mit dem eigenen Namen versehen können.

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Veröffentlicht: 10.08.2012, 09:20 Uhr

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