Home
http://www.faz.net/-gqz-71zcd
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Facebook als Datensammler Für eine Handvoll Daten mehr

Nur Informatiker können wirklich verstehen, was Facebook mit den persönlichen Daten treibt. Gesichtserkennung, Zwangsadresse, Gruppenverhalten: die Intransparenz hat System.

© action press Vergrößern In Sergio Leones Klassikerwestern „The Good, the Bad, and the Ugly“ behielt Clint Eastwood in seiner Rolle den Durchblick bis zuletzt. Bei Facebook muss man im Showdown hingegen mehr als ein, zwei Figuren im Auge behalten.

Ein Selbstversuch: einen Facebook-Account erstellen. Name, E-Mail-Adresse, Geburtsdatum und Geschlecht. Es folgt die Bestätigungs-Mail. Los geht es mit Schritt eins: Freunde finden. Der erste Versuch von Facebook, sich mit den anderen Netzwerken zu vernetzen, indem es die Kontakte des neuen Nutzers in anderen Programmen scannt und importiert. Schritt zwei: Heimatort und Ausbildung und Schritt drei: das Profilfoto. Diese Schritte kann man überspringen, doch um Facebook richtig nutzen zu können, muss man die Angaben tätigen.

All das haben Abermillionen von Nutzern längst hinter sich und werden von Facebook doch immer wieder mit neuen Einstellungen, die einen immer transparenter machen, überrascht. Beinahe täglich stellt sich die Frage: Was gibt es Neues? Woran muss ich jetzt schon wieder herumschrauben? Der neueste Dreh: Facebook zeigt an, wer sich was in einer Facebook-Gruppe angesehen hat. Und wie immer wird das von dem Sozialnetzwerk als tolle Sache verkauft: „Das Häkchen“, heißt es da, „unter den einzelnen Beiträgen zeigt, wie viele Gruppenmitglieder ihn gesehen haben. Auf diese Weise bleibst du auf dem aktuellen Stand der Gruppenaktivitäten.“ Jeder, ist zu lesen, „der den Gruppenbeitrag sehen kann, sieht das Häkchen“. Doch will ich das? Dass alle sehen, was ich mir angesehen habe?

Das Datennetz wird immer dichter

Apropos ansehen: Die Gesichtserkennungsfunktion von Facebook ist schon lange ein heißdiskutiertes Thema, für Datenschützer ist sie ein Unding. Und auch die von Facebook vor einiger Zeit zwangsweise verordnete Nutzer-Mail-Adresse stößt auf Fragen. Wieso brauche ich die? Und warum muss ich mich anstrengen, um sie zu verbergen?

Tina Kulow, die Sprecherin von Facebook Deutschland, begegnet solchen Fragen freundlich, aber ganz in dem gewohnte Facebook-Tonfall: alles prima, alles transparent. Facebook, sagt sie auf Anfrage, informiere „umfassend und sehr ausführlich über Änderungen auf der Plattform. Zudem erhalten wir jeden Tag sehr viele Kommentare, die wir ernst nehmen, diskutieren und die in das Produkt einfließen.“ Doch stehen wirklich die Wünsche der Nutzer hinter all den Funktionen? Oder ist es nicht eher das Bemühen, Facebook als Werbeplattform aufzustellen?

Die Gesichtserkennungsfunktion sorgt dafür, dass die markierten Bilder eines Nutzers mit anderen, unmarkierten Aufnahmen verglichen werden. Sollte eine Übereinstimmung mit dem Gesicht des Nutzers vorhanden sein, werden die Bilder den Freunden des Nutzers vorgeschlagen, die diese dann auf Vorschlag des Systems namentlich markieren können. Diese Informationen werden von einer großen Datenbank aufgenommen und verwertet. So kann die Datenbank beim Hochladen von neuen Bildern immer mehr Informationen und Markierungen miteinander vergleichen - das Datennetz wird immer dichter.

Gesichter zeigen und markieren

Auch wenn viele nicht wirklich wissen wie: Man kann die Funktion abschalten. „Sollten die Menschen auf Facebook Markierungsvorschläge nicht nutzen wollen, haben sie ganz einfach die Möglichkeit, diese Funktion in ihren Privatsphäre-Einstellungen auszuschalten“, sagt die Facebook-Sprecherin Tina Kulow. Die von dem System aufgenommenen Daten von voneinander vernetzten Bildern, die in Verbindung mit der Funktion gespeichert wurden, sollen nach der Entscheidung, die Gesichtserkennung zu deaktivieren, komplett gelöscht werden - sagt Facebook.

Doch ist der Ausstieg aus der Gesichtserkennung mit Arbeit verbunden (das ist allerdings nichts gegen die E-Mail-Adresse). Bei der Neueröffnung eines Facebook-Accounts erscheint über der Pinnwand ein Kasten, der den Nutzer über die Gesichtserkennung informiert. Wobei - mit der Information ist das so eine Sache. Man muss sich die „Markierungsvorschläge für Fotos“ ansehen und die „Einstellungen“ bearbeiten. Dann muss man in den Einstellungen zu seiner Privatsphäre unter „Chronik und Markierungen“ deaktivieren, dass „Freunde“ Fotos mit dem eigenen Namen versehen können.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Integrations-Test Facebook baut WhatsApp ein

Mit der Facebook-App kann man jetzt auch Status-Updates per WhatsApp verschicken. Schließt Facebook jetzt WhatsApp mit seinen traditionellen Apps zusammen? Mehr Von Patrick Bernau

06.04.2015, 11:36 Uhr | Wirtschaft
Wien Datenschützer wollen gegen Facebook klagen

Facebook will die österreichische Sammelklage von 25.000 Nutzern wegen mangelnden Datenschutzes seinerseits verhindern. Das Online-Netzwerk argumentierte am Donnerstag, das Landesgericht Wien sei gar nicht für das von einem Studenten angestrengte Verfahren zuständig. So will Facebook einen möglicherweise langen Prozess mit offenem Ausgang abwenden. Mehr

10.04.2015, 12:43 Uhr | Wirtschaft
Ärger mit sozialem Netzwerk Unzufriedene Nutzer klagen gegen Facebook

Stunde der Wahrheit für Facebook: Zehntausende unzufriedene Nutzer haben sich für eine Sammelklage gegen das Netzwerk zusammengeschlossen. Heute nun entscheidet ein Gericht in Wien, ob es den Fall annimmt. Ein Prozess könnte das Unternehmen empfindlich treffen. Mehr Von Martin Gropp

09.04.2015, 07:28 Uhr | Wirtschaft
Porträts aus Daten Der Computer als Pinsel

Der spanische Künstler Sergio Albiac nutzt Daten aus dem Internet - beispielsweise Tweets, Facebook, SMS oder Informationen der Ortungsdienste - die er in selbstgeschriebene Computerprogramme einspeist. Die generieren aus den Daten Porträts realer Personen. Der Künstler übersetzt Datenmengen in Kunstwerke, die zum Teil wie selbstgemalt wirken. Mehr

18.02.2015, 16:45 Uhr | Feuilleton
Vernetzt und ausgespäht Das Auto als Datenstaubsauger

Schon jetzt ist das Auto bestens vernetzt. Doch wohin fließen die Daten? Aus dem Netz ins Auto oder auch zurück zum Hersteller? Das gibt das Fahrzeug über seinen Nutzer an Dritte weiter. Mehr Von Michael Spehr

10.04.2015, 10:25 Uhr | Technik-Motor
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 10.08.2012, 09:20 Uhr

Selfie, nein danke

Von Verena Lueken

Trendwende: Während die Filmdiven vergangener Tage alles daran setzten, um nicht mehr fotografiert zu werden, lichten sich heutige Stars gerne selbst ab. Das Filmfestival in Cannes will dem jetzt Einhalt gebieten. Mehr 1