11.01.2007 · Alle hatten erwartet, dass Günther Jauch im Sommer bei der ARD als Nachfolger von Sabine Christiansen antritt. Jetzt überraschte der Fernsehmoderator mit der Erklärung, er werde keine Polit-Talkshow für die ARD moderieren. Im exklusiven Interview mit der F.A.Z. nennt Jauch die Gründe für seine Absage.
Alle hatten erwartet, dass Günther Jauch im Sommer bei der ARD als Nachfolger von Sabine Christiansen antritt. Jetzt überraschte der Fernsehmoderator mit der Erklärung, er werde keine Polit-Talkshow für die ARD moderieren. Im exklusiven Interview mit der F.A.Z. nennt Jauch die Gründe für seine Absage.
Alle hatten erwartet, dass sie im nächsten Sommer bei der ARD als Nachfolger von Sabine Christiansen antreten. Jetzt haben Sie abgesagt. Warum?
Es geht nicht um die Sendung am Sonntagabend selbst. Der Vertrag war schon komplett ausverhandelt, als die ARD mit Nachforderungen kam. Die Begehrlichkeiten wurden immer größer, dass ich mich immer stärker, auf längere Sicht sogar exklusiv an die ARD binde. Darauf möchte ich mich nicht einlassen. Und dann sollte auch noch die redaktionelle Zuständigkeit verändert werden. Als die Forderung kam, mich mit der Sendung den Chefredakteuren der ARD zu unterwerfen, habe ich mir gesagt: Jetzt ist es gut.
Aber ist das so schlimm, sich mit den Informationschefs der ARD, vor allem mit dem Politik-Koordinator Thomas Baumann in München, abzusprechen?
Ich möchte meine innere Freiheit und meine äußere Unabhängigkeit bewahren und die sähe ich durch eine solche Konstruktion eingeschränkt. Das wollte ich nicht, obwohl ich mit dem ARD-Chefredakteur Thomas Baumann sogar seit 25 Jahren persönlich befreundet bin.
Könnte es sein, dass Ihr Engagement für die ARD auch aus deren eigenen Reihen tot geredet wurde? Es hat sich schließlich in den letzten Wochen einer nach dem anderen - Intendanten und Gremienvorsitzende - mit Bedenken gemeldet.
Das habe ich zunächst für eine Begleitmusik gehalten, die man bei der ARD in Kauf nehmen muss. Doch hatte ich dann schon den Eindruck, dass sich auch etliche Profilneurotiker zu Wort melden, die ihren Namen einmal in der Zeitung gedruckt sehen wollen. Und ich denke, das öffentliche Lamento hat auch einige ARD-Verantwortliche beeindruckt. Und bei all den Indiskretionen und Nachforderungen habe ich mir gedacht: Wie wird das dann eigentlich mit der Sendung? Kann ich die so frei und unabhängig gestalten, wie ich es mir wünsche?
Also ging es nicht, wie man auch denken könnte, um Geld, um die Höhe Ihres Honorars?
Nein, überhaupt nicht. Ich bin der ARD in dieser Frage sehr weit entgegengekommen. Wir sind in dem finanziellen Rahmen geblieben, wie ihn die Sendung von Sabine Christiansen hat.
Und es ist auch nicht an der Frage gescheitert, ob Sie weiterhin Werbung betreiben dürfen?
Nein. Ich habe mir jedoch nicht in den Vertrag schreiben lassen, dass ich keine Werbung machen darf. Ich habe meinen Verhandlungspartnern gesagt: Sie werden in diesem Punkt keine Probleme mit mir haben. Und genauso wäre es gewesen: Ich habe alle meine bestehenden Werbeverträge gekündigt und keine neuen mehr angenommen. Ich hätte die politische Talkshow im Ersten am Sonntagabend wirklich sehr gerne gemacht.
Dann sind Sie ja schon ziemlich in Vorleistung gegangen. Fühlen Sie sich nicht von der ARD düpiert?
Nein, meine Gespräche mit den Intendanten Jobst Plog, Fritz Pleitgen und dem Programmdirektor Günter Struve verliefen reibungslos. Als wir den Vertrag fertig ausverhandelt hatten, waren alle zufrieden. Es ist schade, dass nun nichts daraus wird.
Aber was reizt Sie denn an der Sonntagabendtalkshow im Ersten? Bei „Stern TV“ haben sie alle Freiheiten, die man sich als Produzent und Moderator nur wünschen kann. Bei der ARD wird aus allen Richtungen an Ihnen gezogen.
Ich hätte die Sendung, wie gesagt, sehr gerne gemacht, und zwar als ausschließlich politische Sendung. Es wäre nicht darum gegangen, für die ARD eine Kopie von „Stern TV“ zu fabrizieren. Darum ging es nie. Doch ich hätte den Politikbegriff in der Sendung etwas erweitert. Politik heißt für mich nicht in erster Linie Parteipolitik. Die Parteien wirken an der politischen Willensbildung mit, aber sie sollten sie nicht monopolisieren. Ich hätte die Sendung gesellschaftspolitisch angelegt, mit einem breiten Themenspektrum. Themen wie Schule, Armutsdebatte oder Steuergerechtigkeit - das alles können Sie sehr kompetent jenseits von ausschließlich parteipolitischem Geklingel und Geklüngel diskutieren. Ich würde natürlich aber auch die CSU-Landrätin Gabriele Pauli einladen, die ich gestern in „Stern TV“ zu Gast hatte, um mit ihr und anderen über ihre Partei und über Edmund Stoiber zu reden.
Wie geht es denn jetzt weiter? Sie haben ja Verträge mit RTL über „Stern TV“, „Wer wird Millionär?“ und weitere Engagements.
Auch wenn das jetzt etwas komisch und wie aus einer anderen Zeit klingt, als man sich noch per Handschlag verständigte: Für meine Aktivitäten bei RTL gibt es bis auf „Stern TV“ keine vertraglichen Verbindungen. Der Vertrag für „Stern TV“ läuft bis zum Sommer 2008. Alles andere mache ich auf Zuruf. Ich könnte RTL nächste Woche erklären: Ich möchte mit „Wer wird Millionär?“ aufhören. Genauso könnte es der Sender tun. Das ist nicht die schlechteste Art, pfleglich miteinander umzugehen. Das funktioniert aber nur, weil wir wissen, dass wir uns aufeinander verlassen können. Ich werde bei RTL bleiben.
Respekt, Herr Jauch
Hape Etzold (hpmoetzi)
- 11.01.2007, 15:34 Uhr
Ja, ja, die Politik und die Rundfunkräte
Frank Herrmann (FHe)
- 11.01.2007, 15:56 Uhr
Herr Etzold
manuel vaid (mvaid)
- 11.01.2007, 16:02 Uhr
Die interessanteste Frage...
TOBIAS RÜGER (t.ruger)
- 11.01.2007, 16:28 Uhr
Herr Jauch ist NICHT korrupt! Bravo!
norbert doerre (ndoerre)
- 11.01.2007, 17:05 Uhr