http://www.faz.net/-gqz-8lvmh

Facebooks illegaler Datendeal : Alle raus aus Whatsapp!

Angeblich ist Whatsapp ja zum Übermitteln von Nachrichten da. Unter Facebooks Ägide geht es aber um etwas ganz anderes. Bild: dpa

Bei Facebook und Whatsapp hat man nicht verstanden. Zwar hat Hamburgs Datenschutzchef Johannes Caspar den Firmen das Datenabfischen untersagt. Doch die Nutzer werden ausgetrickst. Ein Kommentar.

          Der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar macht Nägel mit Köpfen. Er hat eine Verwaltungsanordnung erlassen, die Facebook untersagt, Daten von deutschen Whatsapp-Nutzern einzukassieren und zu speichern. Schon gespeicherte Daten muss Facebook löschen. Doch was macht der Konzern, dessen Gründer Mark Zuckerberg den großen Altruisten und Menschheitsretter gibt? Er schert sich keinen Deut um die hiesige Rechtsordnung und macht die Löschung schon erhobener Daten so gut wie unmöglich.

          Denn wer der Speicherung seiner Daten rechtzeitig zu der von Whatsapp gesetzten Frist widersprochen hat, die am vergangenen Sonntag ablief, kann seinen Account nicht mehr löschen, es sei denn – er stimmt den neuen Geschäftsbedingungen des Nachrichtendienstes zu, die – und da schnappt die Falle zu – die Datenweitergabe erlauben.

          Facebook macht einfach weiter

          Nachträglich kann man der Datenweitergabe auch nicht widersprechen. So berichtet es das Computermagazin „Chip“, einen Tag nachdem der Datenschutzbeauftragte Caspar dem Whatsapp-Mutterkonzern Facebook eine rechtliche Grenze aufgezeigt hat. Für die scheint sich der Konzern, der meint, er erfülle die datenschutzrechtlichen Anforderungen in Europa, aber nicht im mindesten zu interessieren. Facebook handelt vielmehr nach dem Motto: Wer die Daten hat, der hat sie und gibt sie nicht wieder her.

          Deutlicher kann sich der Konzern gar nicht selbst desavouieren und verdeutlichen, wie nötig eine neue, wie in der F.A.Z. angeregte Digitalgesetzgebung ist: Er legt es auf eine Machtprobe an und fordert den Staat heraus. Den Nutzern, die nicht wollen, dass von ihren Smartphones alle Daten abgefischt werden, auch die von Dritten, die weder bei Facebook noch bei Whatsapp sind, bleibt nur eins: Sie müssen ihren Whatsapp-Account deaktivieren. Dann wird er – angeblich – nach dreißig Tagen gelöscht. Es wird Zeit, das zu tun, auch wenn niemand weiß, wie viele Daten sich Facebook via Whatsapp schon gesichert hat und wo diese inzwischen gelandet sind. Man gebe die Daten an den Mutterkonzern weiter, um die „Erlebnisse mit Werbung und Produkten auf Facebook zu verbessern“, teilte Whats-app mit. Auf diese Erlebnisse darf man gespannt sein.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Beale Street ist überall

          Vor den Kongresswahlen : Beale Street ist überall

          Was tun, wenn die Demokratie unterzugehen droht? Die New Yorker lesen, gehen ins Kino und ins Museum. Vor allem afroamerikanische Künstler stehen im Fokus.

          Topmeldungen

          Schlechte Stimmung im Kreml: Russlands Präsident Wladimir Putin.

          FAZ Plus Artikel: Sinkendes Vertrauen : Russischer Putin-Verdruss

          In manchen Regionen sind dem Kreml in diesem Jahr die Fäden regelrecht entglitten. Auch das Vertrauen der Russen in ihren Präsidenten hat dadurch einen nicht unerheblichen Schaden genommen.
          Giuseppe Conte (links), Ministerpräsident von Italien, hält eine Rede bei einer Veranstaltung der Fünf-Sterne-Bewegung.

          Haushaltspolitik in Rom : Italienischer Test

          Man hat den Eindruck, dass das Links-Rechts-Bündnis in Rom derzeit seinen Spielraum an den Finanzmärkten austestet. Politisch lässt sich das Leben knapp über Ramschniveau ja auch bestens ausschlachten. Ein Kommentar.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.