Home
http://www.faz.net/-gsb-75hjm
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
Bibliothek

Erschreckende Statistik Wie viele Amerikaner sterben durch Schusswaffen?

Stichtag 14. Dezember 2012: Ein Twitter-Aktivist und das Online-Magazin „Slate“ zählen Schusswaffen-Opfer seit dem Amoklauf von Newtown. Das Ergebnis ist bedrückend.

© Slate.com Vergrößern Das große Problem in kleinen Puzzleteilen: Todesgrafik aus dem Magazin „Slate“

Laut der Summe der entsprechend ausgefüllten Leichenscheine starben im Jahr 2011 in Deutschland 431 Menschen infolge eines tätlichen Angriffs. Dies ist die offizielle Zahl des Statistischen Bundesamts in Wiesbaden. Wie viele dieser Menschen durch eine Schusswaffe starben, wurde statistisch nicht erhoben. Nur für die Suizide ist die Zahl von 309 Todesfällen durch Schusswaffen 2011 bekannt. Aber interessant sind diese Zahlen eigentlich nur für Politiker, medizinisches Fachpersonal oder Hobbystatistiker.

Für Amerika gilt bekanntlich anderes. Doch obwohl sich die halbe Welt für die Opferzahlen mit Schusswaffen Getöteter und sogar für einzelne Schicksale interessiert, gibt es kaum Zahlen über den tödlichen Schusswaffengebrauch in Amerika. Die jüngsten vom zuständigen Center for Disease Control offiziell veröffentlichten Zahlen sind die des Jahres 2010. Aufarbeitungen in Graphen und Vergleichen gibt es nur für die Jahre bis 2006. Die derzeitige Debatte über neue Waffengesetze wäre kaum vernünftig zu führen, gäbe es nicht zahllose private Initiativen und Nonprofitorganisationen, die im gemeinschaftlichen Einsatz gegen die amerikanische Waffenlobby die bisherigen Zahlen neu auswerten und sich gegenseitig dabei helfen, aktuelle Zahlen zu erheben.

Seit Newtown werden mehr Daten gesammelt

Beim Anschlag auf Präsident Ronald Reagan wurde 1981 sein Assistent James Brady schwer verletzt. Der nie vollständig genesene Brady engagiert sich seither für neue Waffengesetze. Die nach ihm benannte „Brady Campain“ veröffentlichte nach dem Amoklauf in der Grundschule in Newtown am 16. Dezember des vergangenen Jahres ein 64 Seiten langes Dokument, das alle amerikanischen Amokläufe aufführt, bei denen seit 2005 drei oder mehr Menschen verletzt oder getötet wurden. Aufgelistet werden kurze Beschreibungen der Taten, die Opferzahlen, die Nachrichtenquellen der Informationen und das Datum. Die 64 Seiten beeindrucken allerdings nur durch ihre Masse, ihr Datenbestand lässt sich kaum sinnvoll lesen und nur schlecht weiterverwenden.

22670326 © AP Vergrößern Amerikaner bei einem Treffen der „National Rifle Association“

Dieser Aufgabe stellt sich nun eine weitere Initiative. Beginnend mit dem Amoklauf in Newtown, twittert ein anonymer Aktivist („@GunDeaths“) jede Nachricht über Todesfälle durch Schusswaffen. Das zur „Washington Post“ gehörende Online-Magazin „Slate.com“ nahm sich des rasant wachsenden Datenbestands an und beantwortet die Frage: „Wie viele Menschen starben seit dem Amoklauf in Newtown am 14. Dezember 2012 durch Waffengewalt?“ Die Seite veröffentlichte eine stets tagesaktuelle Graphik, die die Todesfälle summiert. Sie lassen sich, nach Altersstufen und Geschlecht gefiltert, aufrufen und auf einer Karte abbilden. Jeder Todesfall wird durch eine kleine Figur dargestellt, hinter der sich Einzelheiten sowie ein Link zur Nachrichtenquelle finden lassen.

Das Bild bedrückt auf den ersten Blick und im Detail. Es beginnt mit den zwanzig erschossenen Grundschülern in Newtown und ordnet die weiteren Schussopfer nach Datum. Der Zähler stand bei Redaktionsschluss bei 409. Darunter sind sechs weitere Kinder. Zwei Zweijährige und ein Dreijähriger erschossen sich beispielsweise in der Weihnachtszeit, als sie mit den Waffen ihrer Väter beziehungsweise Onkel spielten.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Ferguson Stadt ohne Vertrauen

In der Kleinstadt Ferguson erlebt Amerika die Angst vor der namenlosen Polizeikugel. Und die Ermittlungen führen reflexhafte Vorurteile und böse Assoziationen vor, die jeder Schwarze in dem Land aus seinem Alltag kennt. Mehr

19.08.2014, 17:38 Uhr | Politik
Fall Michael Brown „Wir bringen sie dazu, uns zu fühlen“

Der Tod von Michael Brown hat Ähnlichkeiten mit dem von Trayvon Martin, der vor zweieinhalb Jahren in Florida erschossen wurden. In einem offenen Brief an Browns Familie spricht Martins Mutter nun ihr Beileid aus und wirbt für ihren „Kampf für Gerechtigkeit“. Mehr

19.08.2014, 19:44 Uhr | Politik
Ebola in Westafrika Das Virus hat das Zentrum der Ölindustrie erreicht

Nigeria hatte Ebola bislang mehr oder weniger unter Kontrolle. Der erste Todesfall außerhalb der Metropole Lagos ereignete sich nun ausgerechnet in der Hafenstadt Port Harcourt – wo eine Epidemie die gesamte Ölindustrie zum Stillstand bringen könnte. Mehr

28.08.2014, 17:54 Uhr | Gesellschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 03.01.2013, 16:44 Uhr

Weltenklang

Von Helmut Mayer

Fernsprechen ist mit der fatalen Verbreitung von Mobiltelefonen eine enervierende öffentliche Angelegenheit geworden. Bleibt einzig noch die Hoffnung, dass in Zukunft wirklich mehr getippt als laut erzählt wird. Mehr 1