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Empörung nach dem Bremer „Tatort“ : Es gibt auch KFZ-Meister in der Familie

  • -Aktualisiert am

Man vesteht sich: Niels Bruno Schmidt als Rechtsanwalt Puvogel und Dar Salim als sein Mandant, Clan-Führer Hassan Nidal Bild: Radio Bremen/Jörg Landsberg

Der am Sonntag gezeigte Bremer „Tatort“ um einen kriminellen Kurden-Clan hat ein reales Vorbild: Die Hälfte aller Mitglieder der „Miris“ ist polizeibekannt. Die Diskussion nach dem Fernsehkrimi kocht hoch.

          Eine solche Debatte hat wohl selten ein „Tatort“ nach sich gezogen, wie die am Sonntag gelaufene Episode „Brüder“ von Radio Bremen. Sie handelt von einem kriminellen Clan mit kurdischen Wurzeln, von Einschüchterung, Angst und Ohnmacht. Der Bremer Innenstaatsrat (Staatssekretär) Holger Münch meint, der Film verbreite eine „falsche Botschaft“, die zur Stigmatisierung aller Angehörigen des hier dargestellten Familien-Clans beitrage. Stattdessen solle man auf positive Vorbilder setzen wie Kraftfahrzeugmeister oder Akademiker in dieser Großfamilie. Die „Bild“-Zeitung stellte derweil die Frage, ob dies ein Krimi gewesen sei oder eine Dokumentation. Der kleinste ARD-Sender freute sich, erstmals die Zehn-Millionen-Zuschauer-Grenze überschritten zu haben.

          Am Live-Blog von Radio Bremen während und nach der Sendung nahmen fast 50.000 Zuschauer teil. Die Reaktionen folgten im Groben vier Denkrichtungen: Für erstaunlich viele war das „der beste ,Tatort‘ je“, spannend und atmosphärisch dicht. Einige bemängelten inhaltliche Fehler - so habe Bremen keinen Containerhafen mehr. Manche sprachen von Klischees, die Vorurteile gegen „alle Ausländer“ bestärkten. Überwiegend aber, und nüchterner als sonst in Internetforen, wird der Mut von Radio Bremen gerühmt, einmal nicht auf politische Korrektheit zu setzen und Tabus zu brechen. Endlich hätten schon zu Beginn „ganz gewöhnliche Streifenpolizisten“ eine tragende Rolle gespielt. Ein Bremer berichtet, auch er sei von einem solchen kriminellen Clan bedroht und angegriffen worden, ihm habe aber der Mut gefehlt, zur Polizei zu gehen. Dies spiegele die Realität mehr, als man glauben möge, hieß es - überforderte Polizisten und vor allem zu wenige; und kein Respekt mehr vor ihnen und die Machtlosigkeit, dem entgegenzustehen.

          In Bremen gibt es wie in Berlin und anderen Großstädten reale Vorbilder: die unter dem Namen „Miris“ geläufige kurdische Volksgruppe der Mhallamiye aus der Türkei und Libanon, die mit 2600 Menschen in 31 Großfamilien in Bremen lebt. Staatsrat Münch verweist darauf, dass seit 2010 die Zahl der Kriminellen aus dieser Gruppe zurückgehe - 816 Fälle hatte die Polizei 2012 erfasst. Die Polizei habe, sagte Münch, der bis vor zwei Jahren Polizeipräsident in Bremen war, die Auswüchse in den Griff bekommen. Der Leiter des Landeskriminalamts ist da schon konkreter: Jedes zweite Clanmitglied sei polizeibekannt, fünfzig gelten als Intensiv- oder Schwersttäter. 2012 sei jeder sechste Mhallamiye einer Straftat bezichtigt worden - Körperverletzungen, Rauschgifthandel, Raub, Bestechung, Nötigung. Ein düsterer „Tatort“ zu einem düsteren Thema.

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