http://www.faz.net/-gqz-760p1

El País sitzt falschem Foto auf : Blamabel und voyeuristisch

Grober Schnitzer bei „El País“: Die Zeitung bringt ein Bild, auf dem Hugo Chávez im kubanischen Krankenhaus zu sehen sein soll. Tatsächlich ist es von 2008 und zeigt einen anderen Mann. Es fehlen Mitarbeiter.

          Das vierspaltige Foto auf der Titelseite ist zum Gruseln: Es zeigt den Kopf und die nackte Schulter eines älteren Mannes, auf dem Operationstisch liegend, der nach Hugo Chávez aussieht, dem Präsidenten von Venezuela. Lebt er? Stirbt er? Der Mund ist weit geöffnet, weil Schläuche darin verschwinden. Die Augen sind geschlossen. Im Hintergrund eine Figur mit weißen Handschuhen. Das wird das Krankenhaus in Havanna sein, sagt man sich, wo sie Chávez jetzt zum vierten Mal operiert haben.

          Nähere Informationen gibt es nicht, und man hätte Grund, das ärgerlich zu finden. Aber dann war das Chávez-Regime ja noch nie für seine Transparenz bekannt. Seit die Krebserkrankung des venezolanischen Präsidenten vor anderthalb Jahren diagnostiziert wurde, hat die Öffentlichkeit immer nur in dem Maß an seinen Behandlungsterminen in Kuba teilgenommen, wie Chávez es für opportun hielt. Das Schlimme an diesem Foto ist dreierlei: Erstens: Es stammt vermutlich aus dem Jahr 2008 und zeigt nicht Chávez. Zweitens: Es wurde von „El País“ veröffentlicht. Drittens: Das Foto hätte auch im Fall seiner Echtheit unserem Wissen über Chávez’ Krankheit nichts hinzugefügt, denn es bedient nur Voyeurismus und Sensationsgier.

          Draufgetappt wie eine kranke Kuh

          Alles zusammen ergibt eine beträchtliche Blamage, die den Ruf von Spaniens meistverkaufter Tageszeitung noch weiter untergräbt. Es fällt schwer, den Patzer nicht mit den kürzlich erfolgten Massenentlassungen in Verbindung zu bringen. Es fehlen: 129 Leute. Es fehlt offenbar auch der frühere professionelle Anspruch. „Weltrechte bei Ediciones El País. Nachdruck verboten“, steht dort, wo sonst die Bildquelle zu finden ist. Sehr geheimnisvoll! Da wird es jemanden geben, der mit seinem Mobiltelefon ein klandestines Foto geschossen hat.

          Aber wer? „El País war nicht in der Lage, eigenständig die Umstände zu verifizieren, unter denen die Aufnahme entstanden ist, ebenso wenig wie den genauen Zeitpunkt und den Schauplatz. Die politischen Besonderheiten Kubas und die Informationsbeschränkungen, die das Regime auferlegt, haben es unmöglich gemacht.“ Falsch! Jemand hat diese Beschränkungen simuliert, um „El País“ aufs Glatteis zu führen. Und die Zeitung ist draufgetappt wie eine kranke Kuh. Im Internet stand das fatale Foto nur eine halbe Stunde. Doch als die Auslieferung der Printausgabe zurückgerufen wurde, waren die Abonnementexemplare schon verteilt. Wir werden es gut aufbewahren. Papier hat ein Gedächtnis.

          Paul Ingendaay

          Europa-Korrespondent des Feuilletons in Berlin.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Pflegekräfte am Limit Video-Seite öffnen

          Hohe Belastung : Pflegekräfte am Limit

          Es fehlen zwischen 60.000 und 100.000 Pflegekräfte in Deutschland. Im Durchschnitt betreut eine Pflegekraft im Krankenhaus rund 13 Patienten. Zeit für Zuwendung bleibt da nur selten.

          Topmeldungen

          Abgelehnte Asylbewerber steigen im Februar 2015 am Baden-Airport in Rheinmünster (Baden-Württemberg) im Rahmen einer landesweiten Sammelabschiebung in ein Flugzeug.

          Nach Rückführung : Nigerianer kehrt trotz Einreiseverbots zurück

          Ein Mann wehrt sich mit Gewalt gegen seine Rückführung gemäß Dublin-Abkommen. Dann wird er doch noch nach Frankreich ausgeflogen – und ist zwei Tage später wieder in Deutschland. Was lief da schief?

          Immer mehr Müll : Die Plastiklawine rollt jetzt rückwärts

          Seitdem China die Grenzen für Plastikmüll aus dem Ausland geschlossen hat, herrscht große Not. Wohin nur mit dem ganzen Abfall? Die neuesten Zahlen lassen nur eine Option zu.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.