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El País sitzt falschem Foto auf : Blamabel und voyeuristisch

Grober Schnitzer bei „El País“: Die Zeitung bringt ein Bild, auf dem Hugo Chávez im kubanischen Krankenhaus zu sehen sein soll. Tatsächlich ist es von 2008 und zeigt einen anderen Mann. Es fehlen Mitarbeiter.

          Das vierspaltige Foto auf der Titelseite ist zum Gruseln: Es zeigt den Kopf und die nackte Schulter eines älteren Mannes, auf dem Operationstisch liegend, der nach Hugo Chávez aussieht, dem Präsidenten von Venezuela. Lebt er? Stirbt er? Der Mund ist weit geöffnet, weil Schläuche darin verschwinden. Die Augen sind geschlossen. Im Hintergrund eine Figur mit weißen Handschuhen. Das wird das Krankenhaus in Havanna sein, sagt man sich, wo sie Chávez jetzt zum vierten Mal operiert haben.

          Nähere Informationen gibt es nicht, und man hätte Grund, das ärgerlich zu finden. Aber dann war das Chávez-Regime ja noch nie für seine Transparenz bekannt. Seit die Krebserkrankung des venezolanischen Präsidenten vor anderthalb Jahren diagnostiziert wurde, hat die Öffentlichkeit immer nur in dem Maß an seinen Behandlungsterminen in Kuba teilgenommen, wie Chávez es für opportun hielt. Das Schlimme an diesem Foto ist dreierlei: Erstens: Es stammt vermutlich aus dem Jahr 2008 und zeigt nicht Chávez. Zweitens: Es wurde von „El País“ veröffentlicht. Drittens: Das Foto hätte auch im Fall seiner Echtheit unserem Wissen über Chávez’ Krankheit nichts hinzugefügt, denn es bedient nur Voyeurismus und Sensationsgier.

          Draufgetappt wie eine kranke Kuh

          Alles zusammen ergibt eine beträchtliche Blamage, die den Ruf von Spaniens meistverkaufter Tageszeitung noch weiter untergräbt. Es fällt schwer, den Patzer nicht mit den kürzlich erfolgten Massenentlassungen in Verbindung zu bringen. Es fehlen: 129 Leute. Es fehlt offenbar auch der frühere professionelle Anspruch. „Weltrechte bei Ediciones El País. Nachdruck verboten“, steht dort, wo sonst die Bildquelle zu finden ist. Sehr geheimnisvoll! Da wird es jemanden geben, der mit seinem Mobiltelefon ein klandestines Foto geschossen hat.

          Aber wer? „El País war nicht in der Lage, eigenständig die Umstände zu verifizieren, unter denen die Aufnahme entstanden ist, ebenso wenig wie den genauen Zeitpunkt und den Schauplatz. Die politischen Besonderheiten Kubas und die Informationsbeschränkungen, die das Regime auferlegt, haben es unmöglich gemacht.“ Falsch! Jemand hat diese Beschränkungen simuliert, um „El País“ aufs Glatteis zu führen. Und die Zeitung ist draufgetappt wie eine kranke Kuh. Im Internet stand das fatale Foto nur eine halbe Stunde. Doch als die Auslieferung der Printausgabe zurückgerufen wurde, waren die Abonnementexemplare schon verteilt. Wir werden es gut aufbewahren. Papier hat ein Gedächtnis.

          Paul Ingendaay

          Europa-Korrespondent des Feuilletons in Berlin.

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