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Korruption in der ARD : Betrogen und bestochen

Steht unter Anklage: Der frühere MDR-Unterhaltungschef Udo Foht. Bild: dpa

Udo Foht war Abteilungschef beim MDR und so etwas wie der Pate des ARD-Unterhaltungsfernsehens. Jetzt muss er vor Gericht. Die Anklage wirft ihm Betrug, Untreue und Bestechlichkeit vor. Es geht um viel Geld.

          Der ehemalige Unterhaltungschef des Mitteldeutschen Rundfunks, Udo Foht, muss sich vor Gericht verantworten. Das Landgericht Leipzig hat am Dienstag die Anklage gegen ihn zugelassen – wegen Betrugs in dreizehn Fällen, Steuerhinterziehung in fünf Fällen sowie wegen Untreue und Bestechlichkeit in je einem Fall. Anklage war gegen Foht schon 2013 erhoben worden. Er soll laut Staatsanwaltschaft in den Jahren 2008 bis 2011 mit den ihm zur Last gelegten Betrügereien einen Schaden von 250000 Euro verursacht haben.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Der Untreue ist Foht angeklagt, weil er mit einem der Betrogenen vereinbart haben soll, dass dieser 41900 Euro, die er an Foht zahlte, anschließend dem MDR für eine Produktion in Rechnung stellte, obwohl beide gewusst hätten, dass es für diese Mehrforderung keinen Grund gab. Foht soll in seiner Eigenschaft als MDR-Unterhaltungschef die Rechnung angewiesen haben. Den Vorwurf der Bestechlichkeit erhebt die Staatsanwaltschaft mit Blick darauf, dass Foht demjenigen, mit dem er die Umwegüberweisungen vereinbarte, zusätzliche Aufträge zukommen lassen wollte.

          Einen selbständigen Autor soll Foht über Jahre hinweg beruflich und finanziell begünstigt haben. Er habe diesem meist auf Umwegen über verschiedene Produktionsfirmen Geld zukommen lassen. 2009 und 2010 habe der Autor, als es auf diese Tour nicht weiterging, gedroht, Fohts finanzielle Schiebereien auffliegen zu lassen und „die berufliche Existenz des Unterhaltungschefs“ zu vernichten, wenn er nicht weitere Aufträge bekomme. Die Anklage richtet sich daher auch gegen den Autor und gegen dessen Rechtsanwalt. Der Anwalt soll die Drohung an Foht übermittelt, 50000 Euro kassiert und an seinen Mandanten weitergegeben haben. Ihnen wirft die Staatsanwaltschaft Erpressung beziehungsweise Beihilfe dazu vor. Das Verfahren gegen die beiden wurde abgetrennt. In den Jahren 2006 bis 2009 soll Udo Foht darüber hinaus falsche Steuererklärungen abgegeben haben, wodurch ein Steuerschaden von 14000 Euro entstanden sei.

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          Ein Termin für die Hauptverhandlung vor der Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Leipzig steht noch nicht fest. Die Staatsanwaltschaft hat Beschwerde eingelegt, weil das Landgericht einen der zahlreichen Vorwürfe gegen Foht zur Verhandlung ablehnte. Über die Beschwerde entscheidet das Oberlandesgericht. Die Leipziger Staatsanwaltschaft beschäftigt sich seit Jahren mit den Ermittlungen gegen Udo Foht. In das von ihm entworfene Finanzierungsgeflecht waren mehrere Produzenten eingebunden, insbesondere solche, die Volksmusiksendungen für die ARD erstellen. In einem Fall hatte sich Foht von einem Produzenten für eine Sendung des SWR als Berater anheuern lassen und dafür zehntausend Euro kassiert.

          Der Fall Foht reiht sich ein in die Phalanx kapitaler Betrügereien, die es in den vergangenen Jahren im öffentlich-rechtlichen Rundfunk gab, etwa in den Fällen des ehemaligen Sportchefs des Hessischen Rundfunks, Jürgen Emig, des ehemaligen MDR-Sportchefs Wilfried Mohren oder des früheren Herstellungsleiters des Kinderkanals Kika, Marco K., der einen Schaden von 8,2 Millionen Euro verursachte und 2011 zu einer Haftstrafe von fünf Jahren und drei Monaten verurteilt wurde. Der Mitteldeutsche Rundfunk hatte den schon seinerzeit unter Betrugsverdacht stehenden Udo Foht im Herbst 2011 zunächst fristlos entlassen und sich dann vor dem Arbeitsgericht auf eine ordentliche Kündigung zum 31. Dezember 2011 verständigt. Der Sender zahlte Fohts Gehalt für vier Monate nach, wollte ihm ein „wohlwollendes und qualifiziertes“ Arbeitszeugnis ausstellen, sich aber auch Schadensersatzforderungen vorbehalten. Man habe Schadensersatzansprüche tituliert und inzwischen 60000 Euro an Forderungen eingetrieben, heißt es auf Anfrage beim MDR. Der Gerichtsverhandlung sehe man positiv gestimmt entgegen.

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