Jetzt ist es offiziell: Der Verlag Gruner + Jahr stellt die „Financial Times Deutschland“ inklusive aller dazugehörigen Marken, Titel und Onlineaktivitäten ein. Das teilte der Verlag am Freitagmorgen mit. Die Wirtschaftszeitung soll am 7. Dezember zum letzten Mal erscheinen. Über die Titel „Impulse“ und „Börse Online“ werden noch Verkaufsverhandlungen geführt. Das Magazin „Capital“ soll in einer kleinen Redaktion von Berlin aus fortgeführt werden. Auch das Magazin „Business Punk“ soll weiterhin bestehen, ebenso die Corporate-Publishing-Einheit „Facts & Figures“.
Insgesamt sind von der Einstellung der „FTD“ 364 Mitarbeiter betroffen - 258 der Gruner + Jahr-Wirtschaftsmedien in Hamburg, 42 in Frankfurt und vierzehn in weiteren Außenbüros. In „angrenzenden Verlagsbereichen“ seien rund fünfzig Mitarbeiter unmittelbar oder mittelbar von der Einstellung der „FTD“ betroffen, teilte der Verlag weiter mit.
„Tageszeitungen sind unter Druck, im Wirtschaftssegment ganz besonders. Die Financial Times Deutschland schreibt seit ihrer Gründung im Jahr 2000 Verluste. Vor diesem Hintergrund sehen wir keinen Weg, die Financial Times weiter zu betreiben“, sagte Julia Jäkel, die im Vorstand von Gruner + Jahr für das Deutschland-Geschäft zuständig ist. „Die FTD“, sagte sie, „war eines der ambitioniertesten journalistischen Projekte der vergangenen Dekade. Es geht ein bedeutendes Kapitel deutscher Publizistik zu Ende. Gruner + Jahr und seine Gesellschafter haben sich 12 Jahre lang mit Leidenschaft und Ausdauer für diesen Titel stark gemacht. Die Financial Times Deutschland verkörpert herausragenden, vielfach preisgekrönten Journalismus.“
Der Vorstand von Gruner + Jahr hatte die Einstellung beschlossen, der Aufsichtsrat mit den Gesellschaftern Bertelsmann (74,9 Prozent) und der Jahr-Familie (25,1 Prozent) hatte der Einstellung zugestimmt. Gleichwohl wurden bis Donnerstag Verkaufsverhandlungen über die „FTD“ geführt, die jedoch zu keinem positiven Ergebnis führten. Den betroffenen Mitarbeitern wurde die schlechte Nachricht am Freitagvormittag bei einer Betriebsversammlung überbracht.
Die zuständige Betriebsrätin Maike Rademaker warf der Verlagsführung am Freitag Versagen im Umgang mit den Mitarbeitern vor, seit die ersten Gerüchte über eine Schließung aufkamen: „Wir haben alles nur aus der Presse erfahren“, sagte sie.
Die „FTD“-Mitarbeiter trugen am Freitag lachsfarbene Trauerschleifen am Revers. In der Freitagsausgabe der Zeitung ist die zweite Seite gefüllt mir Solidaritäts-Zuschriften von Lesern.
Rein wirtschaftlich
Klaus Fleissner (industrius)
- 23.11.2012, 23:28 Uhr
Um einzelne gute Journalisten ist es schade, aber diese naive
Euro-Gläubigkeit wie unter Politikern?
Hugh Greene (hughgreene)
- 23.11.2012, 22:21 Uhr
Verdammt! Das rührt an meinen FTD-Abschiedschmerz.
Torsten Klier (TorstenKlier)
- 23.11.2012, 20:57 Uhr
Auch der Lachs hat nichts gebracht
thomas ackermann (chefmixer)
- 23.11.2012, 16:00 Uhr
Diesmal schade
Stefan Uhlig (printul)
- 23.11.2012, 15:20 Uhr