Home
http://www.faz.net/-gqz-74jn2
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Einstellung der „FTD" Trauer in Lachsrosa

Von der Einstellung der Wirtschaftszeitung „Financial Times Deutschland“, die der Verlag Gruner + Jahr nun offiziell verkündet hat, sind 364 Mitarbeiter betroffen. Der Betriebsrat übt heftige Kritik an der Informationspolitik des Verlages.

© dpa Die Mitarbeiter kamen mit lachsfarbenen Trauerschleifen zur Betriebsversammlung.

Jetzt ist es offiziell: Der Verlag Gruner + Jahr stellt die „Financial Times Deutschland“ inklusive aller dazugehörigen Marken, Titel und Onlineaktivitäten ein. Das teilte der Verlag am Freitagmorgen mit. Die Wirtschaftszeitung soll am 7. Dezember zum letzten Mal erscheinen. Über die Titel „Impulse“ und „Börse Online“ werden noch Verkaufsverhandlungen geführt. Das Magazin „Capital“ soll in einer kleinen Redaktion von Berlin aus fortgeführt werden. Auch das Magazin „Business Punk“ soll weiterhin bestehen, ebenso die Corporate-Publishing-Einheit „Facts & Figures“.

Insgesamt sind von der Einstellung der „FTD“ 364 Mitarbeiter betroffen - 258 der Gruner + Jahr-Wirtschaftsmedien in Hamburg, 42 in Frankfurt und vierzehn in weiteren Außenbüros. In „angrenzenden Verlagsbereichen“ seien rund fünfzig Mitarbeiter unmittelbar oder mittelbar von der Einstellung der „FTD“ betroffen, teilte der Verlag weiter mit.

„Tageszeitungen sind unter Druck, im Wirtschaftssegment ganz besonders. Die Financial Times Deutschland schreibt seit ihrer Gründung im Jahr 2000 Verluste. Vor diesem Hintergrund sehen wir keinen Weg, die Financial Times weiter zu betreiben“, sagte Julia Jäkel, die im Vorstand von Gruner + Jahr für das Deutschland-Geschäft zuständig ist. „Die FTD“, sagte sie, „war eines der ambitioniertesten journalistischen Projekte der vergangenen Dekade. Es geht ein bedeutendes Kapitel deutscher Publizistik zu Ende. Gruner + Jahr und seine Gesellschafter haben sich 12 Jahre lang mit Leidenschaft und Ausdauer für diesen Titel stark gemacht. Die Financial Times Deutschland verkörpert herausragenden, vielfach preisgekrönten Journalismus.“

Gruner und Jahr Wirtschaftsmedien - Im Vorstand des Verlages wird über die Zukunft der Wirtschaftstitel "Financial Times Deutschland", Capital, Impulse und Börse Online beraten. Sachaufnahme der aktuellen Ausgaben. © Wresch, Jonas Vergrößern Die „FTD“ wird eingestellt, die Zukunft von „Impulse“ und „Börse-Online“ ist noch offen

Der Vorstand von Gruner + Jahr hatte die Einstellung beschlossen, der Aufsichtsrat mit den Gesellschaftern Bertelsmann (74,9 Prozent) und der Jahr-Familie (25,1 Prozent) hatte der Einstellung zugestimmt.  Gleichwohl wurden bis Donnerstag Verkaufsverhandlungen über die „FTD“ geführt, die jedoch zu keinem positiven Ergebnis führten. Den betroffenen Mitarbeitern wurde die schlechte Nachricht am Freitagvormittag bei einer Betriebsversammlung überbracht.

Die zuständige Betriebsrätin Maike Rademaker warf der Verlagsführung am Freitag Versagen im Umgang mit den Mitarbeitern vor, seit die ersten Gerüchte über eine Schließung aufkamen: „Wir haben alles nur aus der Presse erfahren“, sagte sie.

Mehr zum Thema

Die „FTD“-Mitarbeiter trugen am Freitag lachsfarbene Trauerschleifen am Revers. In der Freitagsausgabe der Zeitung ist die zweite Seite gefüllt mir Solidaritäts-Zuschriften von Lesern.

Quelle: miha./FAZ.NET.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Spiegel muss sparen Das Magazin und das Minus

Schlechte Nachrichten für den Spiegel, die nicht im Spiegel stehen: Der Verlag muss dauerhaft einen zweistelligen Millionenbetrag einsparen. Es sollen Stellen abgebaut werden. Das könnte auch die Redaktion treffen. Mehr Von Michael Hanfeld

17.06.2015, 18:12 Uhr | Feuilleton
Sparpolitik Briten sind gegen den deutschen Sparkurs

In London nimmt die Kritik am deutschen Sparkurs zu: Denn die "German Austerity" gefährde die Eurozone und darunter leide auch die Wirtschaft in Großbritannien. "Die Leute verstehen Deutschland nicht", sagt Quentin Peel, Kolumnist bei der führenden Wirtschaftszeitung Financial Times. Die deutsche Wirtschaftspolitik ist aus Sicht vieler britischer Kommentatoren völlig falsch. Mehr

21.01.2015, 18:21 Uhr | Wirtschaft
Burda-Konferenz DLD Vom Stern in die Digitalgalaxis

Dominik Wichmann war Chefredakteur des Stern. Nun geht er zu Burda. Was macht er da? Bunte oder Focus übernimmt er nicht. Er kümmert sich vielmehr um die digitale Revolution. Mehr Von Martin Gropp

17.06.2015, 12:43 Uhr | Feuilleton
Tarifkonflikt Unbefristete Streiks bei der Post

Die Gewerkschaft Verdi hat die Mitarbeiter der Deutschen Post zu bundesweiten Streiks aufgerufen. Die Post ist damit das erste Mal seit ihrem Börsengang vor 15 Jahren von unbefristeten und bundesweiten Streiks betroffen. Mehr

09.06.2015, 10:48 Uhr | Wirtschaft
Griechenlands Schuldenkrise Amerikas Angst vor dem Grexit

Wenn es in Europas Währung Schwierigkeiten gibt, macht sich Amerika Sorgen – von der Regierung bis zum Investor. Mancher zweifelt gleich an der ganzen Währungsunion. Mehr Von Alexander Armbruster

29.06.2015, 15:41 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 23.11.2012, 10:40 Uhr

Glosse

Alpilsbachel

Von Gerhard Stadelmaier

„35 Euro für ein Fünf-Liter-Fässle“ vom guten Schwarzwälder Gebräu zahlt der chinesische Bierliebhaber gern. Die Aussprache des „Alpirsbachers“ stellt die fernöstliche Kundschaft allerdings vor einige Schwierigkeiten. Mehr 2 1