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Verhaftete NSA-Mitarbeiterin : Willkommen im Land des unbegrenzten Misstrauens

  • -Aktualisiert am

Wurde vermutlich durch ein Wasserzeichen überführt: die mutmaßliche Whistleblowerin Reality Leigh Winner. Bild: Reuters

Leaks gehören in Amerika inzwischen fast zum Alltag. Wieder droht einer Whistleblowerin eine lange Haftstrafe. Wikileaks-Gründer Julian Assange fordert Informantenschutz – mit ungewöhnlichen Mitteln.

          Mit der Verhaftung der fünfundzwanzig Jahre alten Reality Leigh Winner, die für einen Auftragnehmer der amerikanischen Geheimdienste arbeitete und geheime Erkenntnisse der NSA über den Versuch russischer Hacker, auf die Daten amerikanischer Wähler zuzugreifen, an die Website „The Intercept“ weitergeleitet haben soll, hat Präsident Donald Trump seine Ankündigung wahr gemacht, mit aller Härte gegen „Leaker“ vorzugehen, die seine Regierung seit seinem Amtsantritt unter Druck setzen.

          Seit Wochen veröffentlichen „Washington Post“ und „New York Times“ beinahe täglich Interna aus dem Oval Office, mit denen sie offenbar von ranghohen Offiziellen versorgt werden: Trumps Wutanfall bei einem Telefonat mit dem australischen Premierminister, geheime Treffen seines Sicherheitsberaters Michael Flynn mit russischen Offiziellen, Details aus Trumps Entlassungsgespräch mit dem FBI-Direktor James Comey, Trumps Weitergabe geheimer Informationen an russische Politiker, seine peinlichen Prahlereien mit vertraulichen Informationen – im Weißen Haus geschieht kaum etwas, ohne dass davon am nächsten Tag in der Zeitung zu lesen ist.

          „Post“ und „Times“ und dem Sender MSNBC, der allabendlich die neuesten Offenbarungen durchgeht, hat das einen großen Publikumszuwachs beschert. Trump selbst reagiert mit den gewohnten Diskreditierungsversuchen gegen die Medien: Alles Lüge, tweetete er über Veröffentlichungen von Interna aus dem Weißen Haus. Da keine namentlichen Angaben zu Quellen gemacht wurden, so Trump, sei es „sehr gut möglich, dass diese Quellen nicht existieren, sondern frei erfunden sind“.

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          Dass Reality Leigh Winner als vermeintliche Informantin dingfest gemacht wurde, ist dem Umstand geschuldet, dass bei der Wiedergabe eines NSA-Dokuments bei „The Intercept“ das Wasserzeichen der Kopie zu erkennen war. Somit war es für das FBI ein Leichtes, die Spur zu verfolgen. Was den Wikileaks-Gründer Julian Assange auf die aberwitzige Idee brachte, ein „Kopfgeld“ von zehntausend Dollar auszusetzen, um den Namen des Reporters öffentlich zu machen, der für die Leichtfertigkeit verantwortlich sei – damit dieser gefeuert werde. „The Intercept“ entgegnete, es seien weder die Angaben des FBI belegt, wie man auf Reality Leigh Winner gekommen sei, noch seien die Vorwürfe gegen sie bewiesen.

          Der Filmemacher Michael Moore hat derweil die Website „Trumpileaks“ ins Leben gerufen, über die „patriotische Amerikaner“ in Regierung, Justiz und Wirtschaft mit ihm in Kontakt treten sollen, die „von den Verbrechen, Lügen und sonstigen Verfehlungen“ des amerikanischen Präsidenten wüssten. Da man sich bei „Trumpileaks“ auch über die fragile Kommunikationsleitung Whatsapp melden kann, wirkt der Aufruf freilich eher so, als wolle sich Moore über Informanten, die ihre Existenz riskieren, lustig machen.

          Informationen aus dem innersten Kreis

          So sind die Dinge an der Enthüllungsfront eskaliert. Angefangen hatte es – jenseits der spannenden Frage, ob und, wenn ja, wie Russland Einfluss auf die amerikanische Präsidentschaftswahl genommen hat, mit Indiskretionen aus dem Weißen Haus quasi von Trumps Amtsantritt an. Im Januar rief die „New York Times“ zu einer neuen Strategie im Umgang mit dem 45. Präsidenten auf: geschlossener Widerstand gegen Spaltungsversuche des Weißen Hauses. Die „Washington Post“ fügte ihrer Ausgabe das etwas theatralische Motto hinzu: „Democracy Dies in Darkness“.

          Die Ansage war klar: Man lasse sich von einem erklärten Feind der Presse nicht einschüchtern, sondern werde für Aufklärung sorgen. Wie sich zeigt, finden die Journalisten ausgerechnet in Trumps innerem Zirkel Verbündete, die regelmäßig Informationen an die Presse geben. Es sei „die vielleicht aufregendste Zeit im Journalismus, die die meisten von uns durchlebt haben“, sagte der Chefredakteur des Fachblatts „Columbia Journalism Review“, Kyle Pope, angesichts der Lecks im Weißen Haus.

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