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Eine unheimliche Erfolgsgeschichte : Das unterdrückte Lachen von Heidi Klum

„Dubisses neecht”: Heidi Klums Gnadenlosigkeit ist angesichts ihrer Unzulänglichkeiten fast schon wieder lustig Bild: dapd

In Amerika veralbert sie Kinder mit versteckter Kamera. Und das mit phantastischen Quoten. Der Kosmos Klum ist stets eine Mischung aus Rührseligkeit und Sadismus. Warum ist sie noch mal so erfolgreich – und so unerträglich?

          Da wundert sich Amerika über seine Einwanderer: Erst die chinesischstämmige Amy Chua mit ihrem Buch „Die Mutter des Erfolgs“, in dem sie den Amerikanern erklärt, dass Glück und Selbstbestimmung eine Fiktion des Westens seien und bei der Kindererziehung nur unglaubliche Härte, Drohungen und Terror helfen. Und dann die aus Bergisch Gladbach herübermigrierte Heidi Klum: Auch sie befasst sich jetzt öffentlich mit Kindern, aber ganz anders; seit dem ersten Februar hat sie eine neue Fernsehsendung in den Vereinigten Staaten, die „Seriously Funny Kids“ heißt und mit phantastischen Quoten gestartet ist.

          Niklas Maak

          Redakteur im Feuilleton.

          Man bekommt dort kleine Filmchen zu sehen, in denen drei- bis sechsjährige Kinder Sachen sagen, die sie nicht sagen sollen („verdammt“), ein Kindergartenkind fragt, ob Seal gute Tricks beherrsche. Oh ja, sagt Klum. In einem Einspieler sieht man dann Kinder in einem Restaurant, sie denken, dass sie Hühnchen zu essen bekommen; der Koch fragt, ob es schmeckt, die Kinder sagen ja, und dann verrät er ihnen, dass sie gerade Froschschenkel essen. Im Prinzip funktioniert die Sendung wie „Verstehen Sie Spaß“, nur dass hier zur Abwechslung Kleinkinder die Opfer sind. Ein kleines Mädchen, wurde schon im Vorfeld der Show von dem Magazin „People“ berichtet, dem Heidi Klum zum Spaß sagte, sie sei immer „die weltweit bestgekleidete Frau“, bekam kurz danach einen Anruf; ein Journalist sagte dem Mädchen „Wir setzen Heidi übrigens auf das Cover als die am schlechtesten gekleidete Person der Welt. Du musst es ihr sagen.“ Das kleine Mädchen bekam einen Nervenzusammenbruch.

          Im Kosmos Klum

          Ja: Es gibt auch viele harmlose Gags hier, und natürlich ist es lustig, wie tapsig sich Kinder anstellen, wenn sie versuchen, die Welt zu begreifen; die Sendung zeichnet sich aber im Kern dann doch durch die entschlossene Mischung aus Rührseligkeit und Sadismus aus, die man sonst nur von Schäferhundzüchtern der ganz üblen Sorte kennt. Wer wissen will, auf was für eine Welt die so vergackeierten und ihres Urvertrauens beraubten Kinder mit diesen Späßen vorbereitet werden, bekommt die Antwort im Deutschen Fernsehen ab 3. März bei der nächsten Staffel der Sendung „Germany’s Next Topmodel“, dem anderen Schreckensplaneten im Kosmos Klum, der vorführt, wie man etwas älteren Mädchen falsche Hoffnungen und dann aus ihnen emotionale Wracks macht.

          „Seriously Funny Kids”, eine Art „Verstehen Sie Spaß?” - nur sind die Opfer Kleinkinder

          „Neele, Hanna, kommt bitte nach vorne?“ Das ist die Stimme der strafenden Lehrerin. Das ist keine Kandidatenkür, sondern eine öffentliche Hinrichtung. „Für eine von euch ist Germany’s Next Topmodel leider zu Ende.“ Zittern und Nicken. Pause. „Du bist eine junge Frau, die auf den Titel der ,Cosmopolitan‘ will.“ Quälend lange Pause. „Das hast du nicht geschafft.“ Zoom auf das zitternde, entgleisende Gesicht der Kandidatin. „Noch nicht. Aber du hast immer noch die Chance dazu.“ Es ist immer das Gleiche auf dem Planeten Klum: Der böse, strafende Gott hat sich noch mal gütig gezeigt; Eva darf vorerst im Paradies bleiben, aber in stetiger Angst vor Vertreibung.

          Auf das „richtige Leben“ vorbereitet

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