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Porträts von Synchronsprechern : So sehen die also aus

„Friss meine Shorts“ – Das Gesicht, das man zu diesem Satz sofort im Kopf hat, gehört nicht zu seiner Sprecherin: Sandra Schwittau spricht auch Bart Simpson. Bild: Marco Justus Schöler

Wir sehen sie nicht, wir hören sie nur, und wenn sie doch einmal vor die Kamera treten, sind wir irritiert und fragen uns, wer uns gegenübersteht. Eine Ausstellung in Bahnhöfen zeigt Synchronsprecher.

          Wenn Sandra Schwittau die Stimme erhebt, denkt man sich: Die kenne ich irgendwoher. Aber gehört die Stimme auch zu einer Frau? Gehört sie, wenn im Kino Eva Mendes oder Hilary Swank auftreten und der Film auf Deutsch synchronisiert ist. Dann hat Sandra Schwittau hinter dem Mikrofon gestanden. Ihre Stimme leiht sie aber auch dem größten Flegel der Fernsehgeschichte, der niemals älter als zehn Jahre wird, immer etwas heiser klingt und mit dem Satz in die Annalen eingeht: „Friss meine Shorts.“ Es spricht: Bart Simpson.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Bei Martin Keßler ist der Fall gleich klar. „Es heißt, im Kryoschlaf schaltet sich ein Großteil des Gehirns ab. Alles, bis auf den primitiven Teil, den animalischen Teil. Kein Wunder, dass ich noch wach bin.“ Das ist ein Zitat aus einem James-Bond-Film, aber der da spricht, ist eindeutig Nicolas Cage. Oder Vin Diesel. Oder beide, denn beide Schauspieler haben für deutsches Publikum seit geraumer Zeit die Stimme von Martin Keßler. Und auch bei Dietmar Wunder weiß man gleich, wen man vor sich hat: Ein Aston Martin fährt vor, der Fahrer steigt aus, blond, blauäugig, stählerner Blick, und sagt: Mein Name ist Bond, James Bond. Im nächsten Augenblick jedoch, ein paar Töne höher, etwas gedehnter, haben wir Adam Sandler im Ohr.

          Gehört haben wir von ihnen schon einmal

          Katrin Fröhlich wirkt da schon eindeutiger. Auf ihrer Besprechungsliste stehen Gwyneth Paltrow, Cameron Diaz, Heather Graham, Mary-Louise Parker und etliche andere, deren Spiel sie im dunklen Studio so nachvollzieht, dass man denkt, die da spielt, spricht auch selbst. Also musste Katrin Fröhlich „Unmengen von Schoko-Donuts“ in sich hineinstopfen, als Heather Graham in „Die Wutprobe“ Unmengen von Donuts in sich hineinstopfte. Ihre liebsten Szenen seien diejenigen, in denen „Frauen ausrasten“. Dabei, sagt Dietmar Wunder, solle man doch gar nicht merken, dass die Sprecher da sind. Wir sehen sie nicht, wir hören sie nur, und wenn sie doch einmal vor die Kamera treten, sind wir irritiert und fragen uns, wer uns gegenübersteht.

          Diese Irritation löst die multimediale Ausstellung „Faces Behind The Voices“ des Fotografen Marco Justus Schöler auf, die in großen Bahnhöfen zu sehen ist, und bis zum 13. Juli am Frankfurter Hauptbahnhof Station macht. Dreißig Stimmen, dreißig Frauen und Männer stellt er uns vor, von denen wir alle schon einmal gehört, von denen wir die meisten aber noch nie gesehen haben und die dem Medium Kino oder Fernsehen zu seiner Wirkung verhelfen, weil sie selbst Medium sind: Sobald wir ihre Stimmen vernehmen, erscheinen vor unserem geistigen Auge Gesichter, Figuren und Szenen.

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