http://www.faz.net/-gqz-8gbpg

Nach Festnahme in der Türkei : Einbruch bei Erdogan-kritischer Journalistin in Amsterdam

  • Aktualisiert am

Ebru Umar mit ihrem Anwalt beim Verlassen des Polizeigebäudes von Kusadasi Bild: AFP

Nach ihrer vorübergehenden Festnahme darf die niederländische Journalistin Ebru Umar die Türkei nicht verlassen. In Amsterdam wurde unterdessen in ihre Wohnung eingebrochen und ein Computer gestohlen.

          Bei der niederländischen Journalistin, die in der Türkei wegen kritischer Äußerungen über Präsident Recep Tayyip Erdogan kurzzeitig festgenommen wurde, ist eingebrochen worden. Die Tür ihrer Wohnung in Amsterdam sei „mit viel Gewalt“ aufgebrochen worden, sagte Ebru Umar am Montag der niederländischen Nachrichtenagentur ANP. Ihr alter Computer sei gestohlen worden, sagte die türkischstämmige Journalistin in der Zeitung „Metro“. Dies sei ein „Einschüchterungsversuch“ und eine „Provokation“.

          Die Polizei in Amsterdam war zunächst nicht für eine Bestätigung zu erreichen. Ebru Umar hatte für die Zeitung „Metro“ kürzlich eine sehr kritische Kolumne über Erdogan verfasst und Auszüge daraus im Kurzbotschaftendienst Twitter verbreitet. In der Nacht zum Sonntag wurde sie nach eigenen Angaben von der Polizei aus ihrer Wohnung im westtürkischen Badeort Kusadasi geholt und zur Befragung durch einen Staatsanwalt gebracht. Am Sonntag wurde sie, nachdem sich auch die niederländische Regierung eingeschaltet hatte, wieder freigelassen.

          In Umars Kolumne ging es um ein Schreiben des türkischen Konsulats in Rotterdam, in dem Türken in den Niederlanden aufgerufen wurden, jede „Beleidigung“ Erdogans im Internet zu melden. Das Schreiben hatte für heftige Kritik gesorgt. Das Konsulat sprach anschließend von einem „Missverständnis“.

          „Größenwahnsinniger Diktator“

          Ebru Umar verglich in ihrem Text in „Metro“ die von dem türkischen Konsulat angeregte Praxis mit dem Denunziantentum der holländischen nationalsozialistischen Partei NSB, die während der Besetzung der Niederlande im Zweiten Weltkrieg mit den Deutschen kollaborierte. Erdogan bezeichnete sie als „den schlimmsten, größenwahnsinnigen Diktator, den die Türkei seit der Gründung der Republik im Jahr 1923 erlebt hat“. Potentielle Denunzianten bedachte sie mit einem Schimpfwort.

          Von dem Einbruch in ihr Haus in Amsterdam habe sie ihr Nachbar in Kenntnis gesetzt, sagte Ebru Umar im Gespräch mit ihrer eigenen Zeitung „Metro“: „Die Haustür wurde aufgebrochen und alles auf den Kopf gestellt. Mein alter Laptop wurde gestohlen.“ Glücklicherweise habe sie ihren neuen Laptop bei sich. Sie befinde sich „in einem Strudel“. In die Niederlande dürfe sie zurzeit nicht zurückkehren.

          Quelle: FAZ.NET mit AFP

          Weitere Themen

          Erdogan legt im Streit mit Amerika nach Video-Seite öffnen

          „Keine Demokratie“ : Erdogan legt im Streit mit Amerika nach

          Recep Tayyip Erdogan hat bei einer Rede in Istanbul gesagt, dass Amerika keine Demokratie sein könne. In den Vereinigten Staaten werden derweil Sicherheitskräfte Erdogans verklagt, weil sie bei einem Amerika-Besuch des türkischen Präsidenten gewalttätig gegenüber Demonstranten geworden sein sollen.

          Polizei findet Waffen Video-Seite öffnen

          Razzia gegen Hells Angels : Polizei findet Waffen

          Neun Motorräder, 15 Kutten, 13 Messer, ein Gewehr, ein Revolver, eine Armbrust und mehr als 60.000 Euro Bargeld sind bei der Großrazzia in Nordrhein-Westfalen beschlagnahmt worden. Festnahme gab es keine.

          Topmeldungen

          Cyber Valley : Warum Amazon ins Schwäbische zieht

          Bei Stuttgart entsteht eine große Forschungskooperation für schlaue Computer. Angesagte Unternehmen machen mit – nun auch der weltgrößte Internethändler. Und nicht nur mit einer jährlichen Millionen-Überweisung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.