Home
http://www.faz.net/-gsb-u86p
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Ein offener Brief von Intendant Voß Auch für jemanden wie Jauch keine Extrawurst braten

15.01.2007 ·  Um eine Schlammschlacht zu verhindern, hatten die ARD-Intendanten vereinbart, dass zum Fall Jauch vorerst nur einer spricht: der ARD-Vorsitzende Fritz Raff. Doch jetzt geht ein anderer gegen Günter Jauch in die Offensive: SWR-Intendant Peter Voß.

Von Michael Hanfeld
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (2)

Das Embargo hat nicht lange gehalten. Eigentlich hatten sich die Intendanten der ARD in einer Schaltkonferenz am vergangenen Freitag darauf verständigt, dass zum Fall Jauch vorerst nur einer spricht: der ARD-Vorsitzende und Intendant des Saarländischen Rundfunks, Fritz Raff. Nachdem Jauch aber über das Wochenende seine Kritik an der ARD forciert und im „Spiegel“ unter anderem von den „Gremlins in den Gremien“ gesprochen hat, mochte sich der Intendant des Südwestrundfunks, Peter Voß, nicht länger zurückhalten. Die Schlammschlacht, die angeblich alle verhindern wollten, beginnt.

In einem offenen Brief an Jauch hält Voß nämlich fest, dass der zwischen dem Moderator und der ARD ausgehandelte Vertrag über die Nachfolge von Sabine Christiansen Ende November des vergangenen Jahres tatsächlich noch nicht unterschriftsreif gewesen sei. So sei etwa „nicht vertraglich sichergestellt“ gewesen, „dass Sie als politischer Moderator der ARD auf Werbung verzichten würden“. Auch wenn man sich auf Jauchs Zusicherung, nicht mehr zu werben, habe verlassen wollen, wäre dies, schreibt Voß, „ein unguter Präzedenzfall gewesen.“ Er halte nichts davon, „dass die ARD künftig zwischen Vertragspartnern erster und zweiter Klasse unterscheidet“. Und, fragt Voß, „was ist eigentlich ehrenrührig daran, dass man eine Zusage in einem Vertrag festhält?“

Seitenhieb auf den NDR-Intendanten

Jauch hatte seine Werbeverträge in vorauseilender Erwartung des ARD-Vertrages, wie er im Interview mit der F.A.Z. gesagt hatte, allesamt gekündigt. Er hatte zudem kritisiert, dass die ARD ihm nachträglich abgefordert habe, sich der Hoheit der Chefredakteure zu unterwerfen und ihn obendrein als Journalisten möglichst exklusiv zu verpflichten - was das Aus für „Stern TV“ bei RTL bedeutet hätte. Diese Forderung, meint Voß, sei keine „ausschließende Bedingung“, sondern „ein legitimer Wunsch“ gewesen. Die ARD habe kein Interesse daran haben können, wie es eine „Teilnehmerin“ der Debatten im Senderverbund formuliert habe, mit ihrer politischen Talkshow am Sonntagabend als „verlängerte Werkbank“ eines RTL-Moderators zu erscheinen.

Und auch die Tatsache, dass Jauchs Talkshow nicht mehr wie „Christiansen“ bei der ARD-Unterhaltung firmieren, sondern unter der Verantwortung der Politik-Koordination der ARD, mithin der Chefredakteure, stehen sollte, habe nichts Ehrenrühriges. Der entsprechende Beschluss sei von den Intendanten einstimmig gefasst worden, mit den Stimmen des NDR und des WDR. Mit dem NDR hatte Jauch über seinen Vertrag verhandelt. Indem Voß nun Jauch die Frage stellt, ob seine Gesprächspartner ihm diesen einstimmigen Beschluss nicht mitgeteilt hätten oder ob er dies in seinen Äußerungen absichtlich verschweige, löckt der SWR-Intendant kräftig den Stachel gegen seinen Kollegen Jobst Plog vom NDR, der nach Jauchs Absage unmissverständlich mitgeteilt hatte, dass der Vertrag mit Jauch durch Indiskretionen und Nachforderungen torpediert worden sei.

Voß hingegen verwahrt die Chefredakteure der ARD gegen den Verdacht, sie würden journalistische Freiheiten einschränken. Sie „geben Anregungen und üben Kritik, und sie tun dies auf nüchterne, manchmal auch leidenschaftliche, immer aber professionelle Weise und ohne jede Fernsteuerung“. Jemand, der wie Jauch für die ARD „profilbildend“ arbeiten wolle, schließt Voß seinen Brief, könne sich „keine Extrawürste braten lassen.“ Und es sei auch keine „Majestätsbeleidigung“, wenn man darauf hinweise, dass es in den Reihen der ARD profilierte und unabhängige Köpfe gebe, die Jauch in „ihrer journalistischen Potenz nicht nachstehen“, Frank Plasberg sei nur ein Beispiel dafür.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Jahrgang 1965, Redakteur im Feuilleton, zuständig für „Medien“.

Jüngste Beiträge

Ab in die eTonne

Von Ursula Scheer

Der „eTown-Index“ rechnet aus, in welcher Stadt Deutschlands es die meisten wirtschaftlichen Internetseiten gibt. Googles System dahinter ist ebenso durchschaubar wie verworren. Mehr