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Ehemaliger WDR-Chef Pleitgen : „Fünf Talkshows sind einfach zu viel des Guten“

  • Aktualisiert am

Leitete zwölf Jahre lang den WDR: Fritz Pleitgen Bild: dpa

Fritz Pleitgen, ehemaliger Intendant des WDR, kritisiert die ARD. In einem Interview mit der F.A.Z. empfiehlt er, auf die aktuelle Empörung über den Rundfunkbeitrag zu reagieren, indem das Erste sein öffentlich-rechtliches Profil schärft.

          Der frühere Intendant des Westdeutschen Rundfunks, Fritz Pleitgen, hat sich im Gespräch mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ zur Frage der Talkshows im Ersten und zum Profil des öffentlich-rechtlichen Programm geäußert. Er plädiert für eine Stärkung der Dokumentations-Programme.

          Bei Talkshows, sagte Pleitgen, habe er „zwiespältige Gefühle. Einerseits sind sie ein unterhaltsames Format, auch für politische Themen. Andererseits sind fünf Talkshows im Abendprogramm des Ersten einfach zu viel des Guten, zumal sie wertvolle Formate verdrängen wie Dokumentationen oder Reportagen. Wenn es um Aufklärung geht, schürft die Dokumentation viel tiefer als eine Talkshow.“

          „Profil nicht besonders gestärkt“

          An den Talkshows übt Pleitgen in der F.A.Z. ganz konkrete Kritik: „Mich hat gestört, dass sich vor einem Jahr alle Talkshows wochenlang auf Christian Wulff stürzten. Um den Nationalsozialistischen Untergrund kümmerten sie sich hingegen kaum. Schwer zu verstehen! Bei Wulff handelte es sich um das peinliche Verhalten eines Bundespräsidenten, die zehn Morde der Terrorzelle gingen dagegen an die Substanz unseres Gemeinwesens. Da hätte ich mehr Engagement erwartet.“

          Auf das Diktat der Quote angesprochen, nennt Pleitgen die Zuschauerakzeptanz „schon wichtig, wenn auch nicht allein selig machend“. Zwar sei gelungen, RTL wieder vom ersten Rang in der Gunst des Publikums zu verdrängen, den der Privatsender in den neunziger Jahren erobert hatte, allerdings sei dabei „das öffentlich-rechtliche Profil nicht besonders gestärkt worden“.

          Vorbild BBC

          Der ARD, meint Pleitgen, biete sich angesichts der derzeitigen Kritik am neuen Rundfunkbeitrag eine Gelegenheit: „Das ist eine gute Chance, das öffentlich-rechtliche Profil zu schärfen, um auf die Empörung über den Rundfunkbeitrag zu reagieren. Die ARD hat eine Menge zu bieten. Sie kann den deutlichen Unterschied zur kommerziellen Konkurrenz weiter ausbauen, indem sie ihre stärksten Bataillone noch mehr nutzt. Das sind neben der aktuellen Information und dem Fernsehfilm die Hintergrundberichterstattung und die Kultur. Das könnte konkret heißen: Stammplätze im Hauptabendprogramm für das Kulturmagazin „ttt“ und für Dokumentationen.“

          Pleitgen stellt sich auch vor, dass die ARD „Spitzensendungen“ produziert, die sich „wie die BBC-Dokumentationen international gegen gutes Geld verkaufen lassen“, mit ihrem großen Korrespondentennetz könne die ARD sogar „täglich 45 Minuten Weltnachrichten“ produzieren, etwa bei Phoenix. Für die Dokumentationen bedürfe es der Einrichtung „einer Gemeinschaftsredaktion mit einem Gemeinschaftsetat beim ARD-Chefredakteur“.

          Fritz Pleitgen war von 1995 bis 2007 Intendant des Westdeutschen Rundfunks. Zuvor wirkte er für den WDR und die ARD unter anderem als Auslandskorrespondent in Moskau, Ost-Berlin und Washington.

          Das vollständige Interview lesen Sie auf der Medienseite der F.A.Z. in der Ausgabe von Dienstag, 8. Januar.

          Quelle: F.A.Z.

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