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E-Regieren Auf einen Chat mit Hillary Clinton

16.03.2010 ·  Scheindemokratischer Jux oder ernstzunehmender Schritt ins Web 2.0-Regieren? Die amerikanische Außenministerin Hillary Clinton will ihre Bürger in einem Internetforum ein kleines bisschen mitregieren lassen. Bisher fällt es vor allem durch sein avantgardistisches Design auf.

Von Jordan Mejias, New York
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Wie die amerikanische Regierung denkt und, noch viel wichtiger, was wir von ihr denken sollen, wird uns auf zahllosen regierungsamtlichen Websites mitgeteilt. Unaufhörlich ergießt sich der Nachrichtenstrom aus dem Weißen Haus und den Ministerien hinaus ins Land und in die Welt. Trotz all der Tricks, die unser interaktives Web 2.0 vorrätig hält, fließt aber kaum etwas zurück. Und das soll nicht länger so sein. Außenministerin Hillary Clinton persönlich war dabei, als ihr Ministerium nun ein Internetforum eröffnete, in dem die Verlautbarung von der Debatte abgelöst wird.

Im „Opinion Space“ sollen fortan Amerikaner wie Bewohner der restlichen Welt die Möglichkeit haben, nicht nur ihre Sorgen über aktuelle Probleme abzuladen, sondern der Regierung auch Lösungsvorschläge zu unterbreiten. Untereinander dürfen die neu vernetzten Politikberater natürlich ebenfalls ins Gespräch kommen, aber bitte bloß in den vom Außenministerium vorgezeichneten, überaus engen Bahnen. Fünf Fragenkomplexe, vom Klimawandel bis zur Frauenemanzipation, bilden den Anfang, und monatlich sollen mehr dazukommen.

Schematischer Meinungsaustausch

Der neue Meinungsraum ist nun aber nicht mit einem x-beliebigen chat room zu verwechseln, wofür das Center for New Media der Universität Berkeley mit einem ziemlich avantgardistischen Design sorgt. Hat der wissbegierige oder sorgenbeladene Nutzer erst einmal durch Hin- und Herschieben eines gelben Vierecks kundgetan, etwa mit der Behauptung, der Klimawandel stelle eine Bedrohung für die politische Stabilität der Welt dar, sehr oder überhaupt nicht einverstanden oder gar noch beim Überlegen zu sein, kann er sich auch direkt an Frau Clinton wenden. Sie hat schon versichert, alle Anregungen gewissenhaft zu prüfen oder durch ihren Stab prüfen zu lassen.

Der Clou der Sache aber ist, wie die Leute aus Berkeley die Ideensammlung graphisch umsetzen. Gleich einem Sternenhimmel leuchtet da ein Meinungspanorama auf, das keine geographischen oder politischen Akzente setzt, dafür aber aufs Echo der jeweiligen Beiträge achtet. Auf der „Opinion Map“ lässt sich die eigene Meinung und die all der anderen Meinungslieferanten anklicken, dort findet aber auch der schematisch allzu festgelegte und eingegrenzte Meinungsaustausch statt. Pulsierende Kreise und die Größe eines Meinungssterns zeigen den Umfang der Reaktionen an. Es ist ein nettes Spiel, wenn auch kein aufregendes Videogame. Die amerikanische Außenpolitik dürfte also noch eine gute Weile nicht per Internet festgelegt werden. Und wer im „Opinion Space“ nichts als einen scheindemokratischen Jux sehen will, kann das der Außenministerin zumindest gleich mitteilen.

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Jahrgang 1949, Feuilletonkorrespondent in New York.

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