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Dschungelcamp Tag 13 : Du… du… du… Protagonist!

Nutzen wir diese Gelegenheit, um Helenas Frisur angemessen zu würdigen. Die von Thorsten könnte ihr genau so gut stehen. Bild: RTL

Die zwei größten Krawallgurken des Dschungels geraten endlich so richtig aneinander. Es hagelt Sätze für die Ewigkeit – doch dann schwebt ein Friedensengel vom Himmel herab.

          Es mag bislang noch niemandem aufgefallen sein, aber Helena Fürst hat einfach total raus, wie es im Showgeschäft läuft. Okay, wie genau ihre Verweigerung von Prüfungen, ihre quälend monotone Stimme und ihre mangelnde Souveränität im Umgang mit Mitmenschen dazu passen, ist mir auch nicht ganz klar – aber ich komme ja nicht aus der Branche. Genauso wenig wie Thorzan Legat, dem sie in einem denkwürdigen Krach an den Kopf warf: „Du kommst nicht aus dieser Branche. Du bist ein Protagonist!“

          Huch! Ein Protagonist! Jetzt werden aber die ganz schweren Geschütze aufgefahren. Das ist auch nötig, wenn zwei Menschen im Dschungelcamp einander überzeugend Falschheit vorwerfen wollen. Dabei geht es doch ohne Falschheit gar nicht. Wer in dieser Sozialhölle stets authentisch sein will, muss entweder seine Kollegen im Schlaf mit einem Kissen ersticken oder sich vor den Kameras die Zunge abbeißen.

          Helena jedenfalls versucht es zumindest: Sie lässt jetzt mal alles raus. „So ein Mensch wie du würde meine Wohnung beim ‚Promi-Dinner‘ nie betreten!“, schreit sie Thorzan an. Aber vielleicht dürfte er es für „Shopping Queen“? Und dann einen Nachmittag lang ihre Kleider anprobieren und dabei ihren Sekt picheln?

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          Bei Thorzan kann man unterdessen gut beobachten, wie sein Instinkt sich zwischen Angriff und Flucht nicht entscheiden kann. Viel mehr als ein „Nenn mich nicht Freundchen, Fräulein!“ hat er der wild gewordenen Tsetsefliege nicht entgegenzusetzen. Den besten Satz sagt er über Helenas vorgegebene Prominenz in die Kamera: „Erstens kenne ich sie nicht, zweitens kenne ich sie nicht, drittens hab ich noch nie ihre Sendung gesehen!“ Eingeweihte erkennen den schönen Diss wieder, den Karl Lagerfeld einst über Heidi Klum ausgoss: „Ich kenne sie nicht. Claudia [Schiffer] kennt die auch nicht. Die war nie in Paris, die kennen wir nicht.“

          Später weint Thorzan sich bei Jürgen aus, er müsste Helena eigentlich anzeigen, weil die ihn als Frauenfeind beschimpft hatte. „Die ist ja gemeingefährlich!“ Helena prahlt unterdessen, früher, ja, früher, da hätte sie schon auch mal jemandem „auf die Gosch“ gegeben. Was für eine phantastische Referenz. Dann erklärt sie noch mal allen, wie der Hase läuft, denn da kenne sie sich ja aus: „Ich als RTL-Gesicht…“ Wow, RTL-Gesicht! Ist das mehr als Zahnarztgattin?

          Noch mal schnell durch den Busch modeln und dann ab ins Hotel Versace: Nathalie hat das Camp würdevoll hinter sich gebracht.

          Nathalie scheint die Gefahr zu wittern, denn sie nimmt ihr Kopfkissen als potentielle Mordwaffe sicherheitshalber beim Auszug mit. Damit hätte sie schon mal einen Teil der Ausrüstung parat, die David sich für ihr Wiedersehen offensichtlich vorgestellt hat, aber jenes wird gar nicht gezeigt. Was ist da bei euch los, RTL? Wie konntet ihr euch dieses Fernsehgold entgehen lassen? Wir sehen Nathalie also einfach nur ihre Mutter küssen, die aussieht wie ihr Zwilling. Erstgeboren. Spannend.

          Im großen Streit rächt sich natürlich die eiserne Regel, dass jeder Camper nur zwei Luxusgegenstände mitnehmen darf. Schließlich könnte die Geschichte so viel spannender werden, wenn man Thorzan und die Dementorin Helena angemessen bewaffnen würde. Sein Potential hat Thorzan da schon bewiesen: 2007 zog er in Remscheid ein Samurai-Schwert, um pöbelnde Jugendliche zu vertreiben. Aber das Samurai-Schwert musste zu Hause bleiben – er hat sich leider für ein Fitnessarmband und Lippenpflege entschieden. Lippenpflege! Wahrscheinlich hat ihn Helena deshalb als schwächstes Tier der Herde identifiziert und angegriffen.

          Menderes, Überraschungskandidat 2016, in seiner dritten Dschungelprüfung

          Was man übrigens auf keinen Fall machen darf auf dem Weg zur Krone: Menderes anraunzen. Das tut Thorzan völlig unnötigerweise, und Menderes, dieses Lamm Gottes, rächt sich auf seine treuherzige Art ganz unabsichtlich: Als er seine Begleitung für den Weg zur Prüfung auswählen soll, entscheidet er sich ausgerechnet für Helena und Thorzan. Mama, Papa, habt euch doch bitte wieder lieb! Aber Mama und Papa wollen die paar Meter bis zur Brücke keinesfalls Seit an Seit zurücklegen. Also nimmt Menderes nur Mama und Brigitte mit. Thorzan wirkt mittelmäßig betroffen.

          Menderes‘ Prüfung ist diejenige, die von der Dementorin verweigert wurde: das Dschungellabor. Er greift tapfer in allerhand Getier, wühlt in Fleischabfällen und freundet sich mit einem nervösen Vogel Strauß an. Dafür gibt es alle Sterne – und von ihm tausend Dankesworte. Einen höflicheren Menschen hat das Dschungelcamp noch nicht gesehen. Bei der nächsten Prüfung bedankt er sich wahrscheinlich noch für die Kakerlaken, die sie über ihm ausschütten.

          Spinne? Welche Spinne? Menderes scheint die Tiere im Labor gar nicht zu bemerken.

          Am Ende muss Brigitte gehen, was sie offenbar mehr überrascht als alle Zuschauer zusammen. Schließlich hat man in dieser Staffel im Gegensatz zu ihrem Sieg 2011 nicht sonderlich viel von ihr gesehen. Was man sah, war dafür wenig spektakulär.

          Noch verblüffter zeigte sich allerdings Jürgen darüber, dass Brigitte raus ist und er bleiben darf. Das ist einerseits verständlich, denn Jürgen zeigt am wenigsten nervliche Zerfallserscheinungen von allen Campern. Die meiste Zeit liegt er auf seiner Liege und spricht sensationslüsterne Sätze aus, die den Zuschauern auf ihren Sofas durch den Kopf gehen. Andererseits ist genau das ziemlich unterhaltsam. Er beobachtet und kommentiert jeden Streit, jede Missstimmung mit vergnügter Gelassenheit. Jürgen ist das dauerkichernde Sprachrohr des Publikums. Unser Mann in Australien. Das könnte zum Dschungelprinzen reichen.

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