Home
http://www.faz.net/-gsb-75f4x
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
Bibliothek

Drei neue Folgen „Tatortreiniger“ Je größer der Fernseher, desto besser

So herrlich wurde man im Fernsehen schon lange nicht mehr unterhalten, wenn überhaupt je: Bjarne Mädel dreht im „Tatortreiniger“ wieder seine Runden, leider nur in drei neuen Folgen.

© NDR/Thorsten Jander Vergrößern Bloß weg: Bjarne Mädel in der „Tatortreiniger“-Folge „Über den Wolken“

Der Putzmann ist wieder da, und für die Freunde des Gemetzels wird es besonders toll. Erfährt man doch in jeder halbgaren Fernsehserie, dass jedem Verbrechen eine dramatische Geschichte vorausgeht, so kann man jetzt wieder miterleben, was passiert, wenn die Polizei erst mal weg und die Toten beerdigt sind. Das Leben geht ja doch weiter, aber bevor es das tut, kommt Heiko „Schotty“ Schotte (Bjarne Mädel) noch mal vorbei und räumt ein wenig auf.

Blut, das nicht zu Werbezwecken oder als Andenken - was sich Angehörige so wünschen - bleiben soll, muss aus Wohnzimmerteppichen, Tapeten und Polstersesseln geschrubbt werden. Mit langer Ausbildung und viel Chemie gelingt es Schotty ganz routiniert, der „passiven Blutflecken“ und „Fontänen“ Herr zu werden. Wenn nur die vielen Geistesgestörten, Bescheuerten, Neonazis und andere Hinterbliebene nicht wären, die sich auch am Tatort tummeln und ihn ziemlich nerven. Es könnte so friedlich sein, wird aber immer wieder zum absurden Abenteuer.

Selbst die Pointe gelingt

Weil es Autoren (Mizzi Meyer), Regisseure (Arne Feldhusen) und Schauspieler gibt, die sich, obwohl sie in der deutschen Fernsehunterhaltung tätig sind, Mühe geben, wird das für den Zuschauer zum großen, aber kurzen Spektakel. Die nicht einmal dreißig Minuten langen Episoden gehen leider zu schnell vorüber. Dafür kommen immer gleich zwei. Nach zwei Tagen ist also schon wieder Schluss. Drei Folgen und zum Schluss eine Reprise, mehr gibt es nicht.

Mehr zum Thema

Doch sie reichen, um zu zeigen, dass auch im Fernsehen möglich ist, was hierzulande auf Theaterbühnen allemal funktioniert, mit dem Vorteil, dass die Kamera ganz nah an das Schauspiel heranrücken kann, aber auch mit dem Nachteil, dass man leider nicht zu Hunderten wirklich mit dabei ist, sondern nur im eigenen Wohnzimmer sitzt, um dem Schauspiel aus der Konserve zu folgen. Es braucht ein wenig, sich an das Theaterspiel zu gewöhnen, es sieht im Fernsehen komisch aus. Aber man sollte daran gewöhnt sein, wenn am Donnerstag in „Schottys Kampf“ der Tatortreiniger mit Vereinsmeier Ulf Sanderberg (Holger Stockhaus) über älteste bis jüngste Geschichte streitet. So herrlich wurde man im Fernsehen schon lange nicht mehr unterhalten, wenn überhaupt je. Selbst die Pointe gelingt: Pink Leere. Je größer der Fernseher, desto besser.

Der Tatortreiniger läuft an diesem Mittwoch und Donnerstag, jeweils um 22 Uhr und 22.25 Uhr im NDR-Fernsehen.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Historisches E-Paper: 20.08.1914 Die erste Kriegsperiode der deutschen Wirtschaft

Millionen Männer an der Front, das Reich abgeschnitten vom globalen Seehandel. Die Frankfurter Zeitung bilanziert am 20. August 1914 die wirtschaftliche Lage Deutschlands nach Ausbruch des Weltkriegs. Mit einem Ausblick. Mehr

20.08.2014, 08:16 Uhr | Politik
TV-Kritik: „11 Freunde TV“ Die billigsten Kalauer zur neuen Bundesliga-Saison

Im RBB-Fernsehen läuft jetzt ein Fußball-Magazin, das alles anders machen will. Doch um das Versprechen zu halten, müssen die Macher ihre Leistung noch deutlich steigen. Mehr

21.08.2014, 04:49 Uhr | Feuilleton
Irak-Kenner Sherko Fatah Der Westen ist weich, der Osten fast ohne Hoffnung

Er beschrieb die Vorläufer des „Islamischen Staats“: Über den großen deutschen Erzähler Sherko Fatah, in dessen Kopf und in dessen Romanen es zum permanenten Crash der Kulturen kommt. Mehr

20.08.2014, 22:49 Uhr | Feuilleton
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 02.01.2013, 19:50 Uhr

Lies oder stirb!

Von Sandra Kegel

Bildung ist Trumpf: Wie ein Gangsta-Rapper seinen Intimfeind mit einer Leseschwäche zu demütigen versucht. Mehr 3