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Drehbuchstreik : Was Komiker wert sind, zeigt sich jetzt

  • -Aktualisiert am

Solidarisch mit den Streikenden: Ben Stiller Bild: AFP

Im Hollywood-Streik wollen Autoren und Produzenten wieder verhandeln. Dem Fernsehen ist schon die Luft ausgegangen. Der Druck wächst: Weihnachten ohne aktuelle Shows - das wäre für alle eine Katastrophe.

          Die Show geht also weiter - möglicherweise. Der amerikanische Produzentenverband AMPTP und die streikende Autorenvereinigung WGA haben für den kommenden Montag angekündigt, die Verhandlungen wiederaufzunehmen. Die Initiative ging offenbar von den Produzenten aus, die ihre Vorbedingung, der Streik müsse ausgesetzt werden, fallenließen.

          Amerikas Fernsehzuschauer dürfen nun hoffen, über die Weihnachtsfeiertage nicht mit Wiederholungen und improvisierten Witzen zu Tode gelangweilt zu werden. Die Streikenden verlangen, an der Nutzung ihrer Werke über neue, digitale Plattformen beteiligt zu werden, die Unterhaltungskonzerne lehnen dies mit Hinweis auf einen noch unkartierten Markt ab. Beobachter hatten angesichts der festgefahrenen Lage einen Streik bis zum Sommer befürchtet. Der rasch wachsende Druck auf beiden Seiten hat aber offenbar das Bedürfnis nach einem Kompromiss verstärkt.

          Erstaunlich geschlossene Front

          Die Autoren streiken seit dem 5. November in erstaunlich geschlossener Front. Zahlreiche Fernsehsendungen mussten die Produktion unterbrechen. Amerikas Late-Night-Talker wie Jay Leno, David Letterman oder Jon Stewart sind seit zwei Wochen nur noch in Wiederholungen zu sehen, nach und nach haben auch die beliebtesten Fernsehserien die Dreharbeiten eingestellt. Publikumsrenner wie „Desperate Housewives“, „Grey's Anatomy“ oder „Ugly Betty“ haben nur noch drei oder vier Episoden auf Lager, bevor auch sie in die Wiederholungsschleife rutschen.

          Mittlerweile melden auch erste Kinoproduktionen Streikschäden: Sony hat angekündigt, dass die Produktion der „Da Vinci Code“- Fortsetzung „Angels and Demons“ mit Tom Hanks verschoben wird, der Spionagethriller „Edwin A. Salt“ mit Tom Cruise liegt auf Eis, nachdem der Regisseur Michael Mann eine Überarbeitung des Drehbuchs verlangt hat, und Oliver Stone hat den Drehbeginn seiner Verfilmung des My-Lai-Massakers Anfang Dezember in Thailand abgesagt.

          Ein weiterer Schlag

          Kinoproduktionen waren bisher von dem Autorenstreik am wenigsten betroffen. In der Unterhaltungsindustrie hatte man den jetzigen Ausstand, den ersten der Drehbuchautoren seit zwanzig Jahren, kommen sehen. Viele Filmstudios haben daher schon früh ihre Produktionspläne gestrafft. Das Fernsehen aber ist weniger flexibel - Talkshow-Monologe werden tagesaktuell geschrieben, Seriendrehbücher reichen stets nur einige Wochen.

          Für die Fernseh-Networks, die in vergangenen Frühjahr einen massiven Zuschauerschwund verzeichneten, ist der Streik ein weiterer Schlag - mit der Ironie freilich, dass gerade die zunehmende und allgegenwärtige Verfügbarkeit digitaler Plattformen die Bindung ans Programmfernsehen entscheidend geschwächt hat. Und wo sich die Zuschauer schon mit hochklassigen Produktionen immer schwerer vor die Mattscheibe locken lassen, was die Werbepreise empfindlich drückt, sind zwei Wochen nach Streikbeginn nur noch Wiederholungen und schwächelnde, beim Publikum bereits durchgefallene Serien im Angebot - ein unerwartetes Comeback für die Flops der Saison.

          Nukleare Lösung des Konflikts

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