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Veröffentlicht: 11.06.2016, 12:48 Uhr

WDR-Reporter überrumpelt Stell dir vor, das russische Staatsfernsehen kommt

Der Journalist Hajo Seppelt hat entscheidend dazu beigetragen, dass ans Licht kam, wie systematisch in Russland gedopt wird. Jetzt bekam er Besuch von Putins Rundfunk. Und erlebte sein blaues Wunder.

von , Moskau, , Frankfurt
© F.A.Z. Skepsis ist angebracht, noch mehr Skepsis wäre besser gewesen: Hajo Seppelt sitzt Olga Skabejewa gegenüber.

Hajo Seppelt hätte es ahnen können. Sollten am kommenden Freitag Russlands Athleten von den Olympischen Sommerspielen in Rio de Janeiro ausgeschlossen werden, läge das auch an Enthüllungen des WDR-Journalisten. Er befasst sich seit Jahren mit dem Thema Doping, in seinem jüngsten Beitrag wird Sportminister Witalij Mutko persönlich belastet. In Moskau werden solche Berichte als Teil einer Verschwörung des Westens dargestellt, mit dem Ziel, die große Nation zu schwächen, die sich gerade, Wladimir Putin sei Dank, „von den Knien“ erhebe. Wer das Bild stört und zeigt, wie es wirklich aussieht, wird selbst zum Ziel, gleichviel, ob es um sportliche Weltgeltung oder im Krieg gefallene und heimlich bestattete Soldaten geht. Nun hat es Hajo Seppelt getroffen.

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Aus russischer Sicht erscheint es folgerichtig, dass Olga Skabejewa zum Interview mit ihm nach Köln reiste. Sie ist eine der schärfsten Stimmen im Chor von Dmitrij Kisseljow, der sonntagabends in den „Nachrichten der Woche“ den vom Kreml gewünschten Blick auf die Welt vermittelt und die Staatsmedienagentur Rossija Sewodnja (Russland heute) leitet. Skabejewa hat eine steile Karriere gemacht. Sie hat Oppositionelle und Ukrainer verleumdet; sie ist mit einem weiteren Mitarbeiter des Staatsfernsehens verheiratet, Jewgenij Popow, der sich als „Sonderkorrespondent“ denselben Aufgaben widmet.

Staatsfeind Nummer eins?

Dass Skabejewa nun Hajo Seppelt anging, der unvorsichtig genug war, dem Interview zuzustimmen, adelt ihn zum russischen Staatsfeind und zeigt, wie ernst der Kreml den drohenden Ausschluss seiner Athleten von den Spielen nimmt: Die russische Öffentlichkeit soll darauf mit einer Mischung aus Diffamierung des Enthüllers, Seppelt, und den üblichen Verschwörungstheorien von finsteren westlichen Mächten vorbereitet werden, die Russland Böses wollten. Glück für Skabejewa und Glück für das Staatsfernsehen, dass Hajo Seppelt auf den Überfall so reagierte, wie man es für vermeintlich aussagekräftige Bilder brauchte. Ihm platzte der Kragen.

40570301 © F.A.Z. Vergrößern Die Sache wird persönlich, aber das war sie von Beginn an.

Einige „grundsätzliche, präzisierende Fragen“ habe Skabejewa Seppelt stellen wollen, sagte der Sprecher der Abendnachrichten am Donnerstag. Die Kamera folgte der mit einem roten Kleid angetanen, mit züchtigem Haarkranz versehenen jungen Frau in ein Kölner Hotel. Skabejewas Stimme sagt zu den Bildern, es sei nicht nur die „Sternstunde internationalen Ruhms“ für Seppelt, die ARD miete ihrem „Triumphator“ auch ein Hotelzimmer für Interviews. Russische Zuschauer verstehen den sarkastischen Tonfall: So gut geht es einem westlichen Journalisten, der uns schlechtmacht, soll das heißen. Bilder zeigen Seppelt, dann eine Espressomaschine und einen Wasserkocher. „Anrufe alle dreißig Sekunden“, sagt Skabejewa. Sie fragt zuerst, warum Seppelt Sportminister Witalij Mutko „Minister Putins“ nennt, worauf der WDR-Mann auf Verbindungen zum Präsidenten hinweist. Dann sagt die Sprecherin zu Bildern der beiden im Hotelzimmer, Seppelt werfe Russland allerlei vor, ohne Beweise vorzulegen. „Könnten Sie nicht einmal dieses Material zeigen?“ Er habe es gerade nicht dabei, sagt Seppelt. Dann heißt es – wieder aus dem Off – Seppelt glaube offenbar, „dass er die Welt vor dem russischen Sport rettet“. Frage der Besucherin: „Und Sie wurden nie bezahlt für Ihre Arbeit in Ihrer Karriere?“ Soll heißen: Haben Sie Geld von westlichen Diensten für ihre russlandfeindlichen Berichte erhalten? Seppelt schüttelt den Kopf. „Niemals.“ Er sei nicht Agent, sondern Journalist. Die Sprecherin sagt, Seppelt habe mit „Herrn Mutko eine persönliche Rechnung offen“, der Minister solle zurücktreten, als „Bestrafung“.

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