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Trumps Medienschelte : Feindselig

In der Bekämpfung der Medien lässt er nicht nach: Der amerikanische Präsident Donald Trump Bild: AP

Wenn der amerikanische Präsident die Medien als „Feinde des Volkes“ bezeichnet und Journalisten verächtlich macht, tut er das mit dem üblichen Furor, aber auch mit Berechnung. Donald Trump betreibt Demokratieabbau.

          „Volksfeinde“ – wenn dieser Kampfbegriff fällt, kann einem als Demokrat nur schlecht werden. Die Nationalsozialisten markierten mit ihm politische Gegner, und so war es auch im Stalinismus. Schon der Beginn seiner Karriere während der Französischen Revolution und in deren Terrorphase war blutig. „Volksfeinde“, damit wurden Gruppen bezeichnet, die nicht bloß diskursiv stigmatisiert werden sollten, sondern physisch liquidiert. Das hindert Donald Trump – der sich als großer amerikanischer Volkstribun aufpumpt und doch der Präsident des Landes sein soll, das die Fackel der Freiheit und Demokratie leuchten lässt – nicht daran, die vernichtende Bezeichnung wie ein ceterum censeo im Munde zu führen.

          Ursula Scheer

          Redakteurin im Feuilleton.

          „Enemy of the people“, auch „enemy of the American people“ – das ist für ihn die kritische Presse, die er pauschal als Fake-News-Medien denunziert, allen voran die „New York Times“, die „Washington Post“ und den Fernsehsender CNN. Dass diese vorsätzliche Falsches über ihn in die Welt gesetzt hätten, konnte er nie nachweisen, aber ihre Faktenchecker, die ihn immer wieder überführen, fallen ihm lästig. Obwohl er selbstverständlich auch für dieses Problem einen Totschlagbegriff parat hat: „alternative Fakten“.

          Die Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen und der Herausgeber der „New York Times“, A. G. Sulzberger, den Trump kürzlich traf, melden angesichts dieser Brachialrhetorik Sorgen an, weil auf Worte Taten folgen können. Trumps Angriffe auf die Presse, die deren Glaubwürdigkeit unterminieren sollen, könnten für Journalisten das Risiko erhöhen, Ziel von Angriffen zu werden.

          Selbst Trumps Tochter und Beraterin Ivanka wurde es nun zu viel. Auf einer Veranstaltung gefragt, ob sie die Medien ebenfalls für „Volksfeinde“ halte, verneinte sie. Zwar sei sie bereits Opfer falscher Berichterstattung geworden, doch das Gefühl, dass „Feinde des Volkes“ am Werk seien, habe sie nicht.

          Danach wollte es auch der CNN-Korrespondent Jim Acosta wissen und fragte am Donnerstag Trumps Sprecherin Sarah Sanders auf der Pressekonferenz des Weißen Hauses, ob sie sagen könne, dass die Presse nicht der „Feind des Volkes“ sei. Konnte sie nicht. Sie antwortete mit einem ausführlichen Lamento darüber, dass die amerikanischen Medien Trump und auch sie persönlich angegriffen hätten, dass sie, soweit sie wisse, die erste Sprecherin des Weißen Hauses sei, die vom Geheimdienst geschützt werde, dass sie die Leidenschaft Acostas schätze, aber für den Präsidenten spreche und der habe sich in seinen Kommentaren klar geäußert.

          Klar? Ungefähr so klar wie in der Pressekonferenz mit Wladimir Putin, in der Trump sich versprochen haben will, was das Vorhandensein oder Nichtvorhandensein von Zweifeln bezüglich möglicher russischer Manipulationen im amerikanischen Wahlkampf betrifft? Als Trumps Sprachwirrwarr hinterfragt wurde, war das für ihn auch gleich wieder Fake News. Auf Twitter schrieb Trump zur Äußerung seiner Tochter: Sie habe ganz richtig geantwortet, dass die Medien nicht „Feinde des Volkes“ seien. Die „FAKE NEWS“ seien die „Volksfeinde“, und die machten einen großen Prozentsatz der Medien aus.

          Und so haben wir uns nun einmal im Kreis gedreht, denn Fake News sind für Trump, was Trump zu Fake News erklärt. Die immer neuen Runden, in denen er mit solch tautologischen Manövern das Publikum und die Medienschaffenden wie am Nasenring durch die Manege führt, dienen seinem Zweck: Sie ermüden, sie verwirren, sie lassen es am Ende so aussehen, als wüsste wirklich niemand, was Fakt und was Fake ist, oder als wäre das letztlich ohnehin egal, weil der große Volkstribun immer recht hat. Dafür gibt es auch eine Bezeichnung, eine ganz sachliche. Sie lautet: „demokratiefeindlich“.

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