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Trump und die Medien : Wrestling bis zum Umfallen

Teilt aus, einstecken kann er nicht: Der amerikanische Präsident Donald Trump. Bild: Reuters

Donald Trump prügelt auf CNN ein. Zumindest auf einem Video, das er selbst verbreitet. Amerikanische Journalisten schreien auf. Sie kapieren nicht, wie sie Trump am besten Paroli bieten.

          Jetzt prügelt Donald Trump nicht nur verbal, sondern schon mit Fäusten auf Journalisten ein. So sieht es zumindest auf dem per Twitter von ihm selbst weiterverschickten Kurzvideo aus. Da schnappt er sich bei einem Wrestling-Match am Rande des Rings einen Herrn mit rosa Krawatte, ringt ihn nieder und verteilt Kinnhaken.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          So tat Trump es tatsächlich vor ein paar Jahren beim „Battle of Billionaires“. Zu der Wrestling-Show gehörte sein Spaß-Kampf mit dem mit ihm befreundeten Chef der Firma World Wrestling Entertainment, Vince McMahon. Jetzt aber, in einer von einem Trump-Fan bearbeiteten Version des Kurzvideos, sieht man an Stelle des Gesichts von McMahon das Logo von CNN.

          Donald Trump haut also einen anderen Lukas, er malträtiert CNN, er geht mit Gewalt gegen die Presse vor. Das ist die Lesart, auf welche sich amerikanische Journalisten sogleich verständigt haben. Als „Aufruf zur Gewalt“ verstand der Sender CNN das Video: Es sei ein trauriger Tag, „wenn der Präsident der Vereinigten Staaten zu Gewalt gegen Reporter ermutigt“. Der Geschäftsführer von Human Rights Watch, Kenneth Roth, meinte, es erscheine Trump angemessen, ein Video zu verbreiten, auf dem zu sehen sei, wie er als Staatschef einen CNN-Journalisten verprügelt. Das werde Autokraten in der ganzen Welt freuen.

          Das Komitee zum Schutz von Journalisten und die Chefin der Demokraten im Repräsentantenhaus, Nancy Pelosi, reihten sich ebenfalls mit Kritik ein. Die ursprünglich den Republikanern nahestehende Kommentatorin Ana Navarro meinte bei CNN gar, Trumps Einlage werde dazu führen, dass noch jemand in den Medien umgebracht werde. Der Kurznachrichtendienst Twitter sah sich prompt mit der Forderung konfrontiert, den Eintrag zu entfernen oder gar gleich den Account des Präsidenten zu sperren.

          Friert man das Bild dieses Sparrings zwischen Donald Trump und der Presse für eine Sekunde ein und betrachtet es ein wenig aus der Distanz, muss man sagen: Beide Kontrahenten werden ihrer Rolle seit etlichen Runden schon nicht mehr gerecht. Sie befinden sich ununterbrochen im In-Fight. Donald Trump weiß sich nicht zu benehmen; er weiß nicht, wie man das Amt des Präsidenten mit Würde ausfüllt. Er führt sich auf wie ein großes Kind, beleidigt Gott und die Welt, ist insbesondere Frauen gegenüber von erschütternder Primitivität und zeigt sich in keiner Hinsicht als satisfaktionsfähig.

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          Das Traurige ist, dass er seine Kritiker längst auf sein Niveau gebracht hat, was man an den Reaktionen auf seine jüngste Haudrauf-Nummer erkennen kann. Bei CNN oder MSNBC ist es nämlich ein einziges Jaulen und Schreien, vierundzwanzig Stunden am Tag. Wann immer man diese Sender in der Vereinigten Staaten einschaltet, wird man jemandes ansichtig, der sich über die neueste Entgleisung Trumps erregt. Es sind nur noch „Pundits“, also „Experten“, gefragt, die sich in der Exegese der unwürdigen Verlautbarungen dieses Präsidenten ergehen, mit dessen Wahl sich seine Kritiker offenbar nicht abfinden können. Die richtige Antwort auf dessen Tiefschläge wäre eine andere – nüchterne Einordnung oder satirische Überspitzung, wie sie zum Beispiel die Komödiantin Melissa McCarthy mit ihrer unwiderstehlichen Persiflage des Präsidentensprechers Sean Spicer leistet. „Wir werden weiter unseren Job machen“, teilte CNN mit und forderte Trump auf, endlich den seinen zu machen. Im Augenblick macht freilich niemand seinen Job besonders gut.

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