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Armdrücken mit Donald Trump : Was zeigt die Acosta-Affäre?

Ein Standbild aus dem Video, das Sarah Sanders auf Twitter veröffentlichte. Bild: Reuters

Donald Trump und Jim Acosta werden keine Freunde mehr. Die Frage ist nur, was der Schlagabtausch zwischen dem amerikanischen Präsidenten und dem CNN-Journalisten bedeutet. Und wovon er ablenkt.

          Den passenden Kommentar zur Acosta-Affäre im Weißen Haus findet man auf dem Twitter-Account „Have I Got News For You“. Da sehen wir in einem Clip aus dem Kinofilm „Matrix“ den von Keanu Reeves gespielten Hacker Neo gegen den Agenten Smith kämpfen. In wildem Kung-Fu teilt Neo nach allen Seiten aus, doch wo immer er hinschlägt, ist der digital vervielfältigte Smith da und schon wieder weg. Er kommt von links und rechts und vorn und hinten, er wird von so manchem Hieb getroffen, doch Wirkung erzielt kein einziger.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Das Weiße Haus, witzeln die „Have I Got News For You“-Macher, habe neues Material zu dem Jim-Acosta-Vorfall veröffentlicht. Der Treffer sitzt. Denn die Sache mit Acosta ist binnen zwei Tagen zu exakt jenem Sparring geworden, auf das sich Donald Trump versteht, auf die Beleidigung Mann gegen Mann.

          Rekapitulieren wir: Bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus stellt der CNN-Reporter Jim Acosta dem Präsidenten unangenehme Fragen zur vermeintlichen „Invasion“ von Flüchtlingen aus dem Süden und zur Russland-Connection. Trump antwortet nicht, sondern beschimpft den Journalisten („Sie sind eine unhöfliche, schreckliche Person“, „Sie sind der Feind des Volkes“). Eine Praktikantin versucht Acosta das Mikrofon abzunehmen. Er wehrt sie vor laufenden Kameras mit einer Armbewegung ab. Das Weiße Haus verbreitet einen Mitschnitt des Vorfalls, in dem Acostas Abwehrbewegung eine Sekunde länger und dadurch seine Berührung der jungen Frau ein wenig heftiger erscheint als im Original.

          Acosta entschuldigt sich. Trumps Sprecherin Sarah Huckabee Sanders versucht gleichwohl, daraus eine MeToo-Attacke zu machen. Der CNN-Reporter habe seine „Hände auf eine junge Frau gelegt, die versuchte, ihren Job als Praktikantin des Weißen Hauses zu machen“, twittert Sanders. Acosta weist das als „Lüge“ zurück. Das Weiße Haus entzieht ihm vorläufig die Akkreditierung. Es stellt sich heraus, dass die bearbeitete Version des Videos von der Rechtsaußen-Plattform „Infowars“ stammt. Im Fernsehen und vor allem im Netz wird die Bearbeitung des Videoausschnitts dekliniert. Kritiker fordern den Rücktritt von Sarah Sanders.

          An diesem Punkt der Debatte sind wir an dem Punkt angelangt, den die „Matrix“-Witzbolde aufspießen – beim Jahrmarktsboxen, beim fortwährenden Infight zwischen Donald Trump und den amerikanischen Medien. Der bezeugt, mit wie wenig Würde dieser Präsident sein Amt bekleidet und wie wenig er von der Pressefreiheit hält, er bezeugt aber auch, wie wichtig sich Journalisten nehmen und dass sie sich selbst mitunter für die Nachricht halten, womit sie Trump wiederum eine wunderbare Angriffsfläche bieten.

          Währenddessen verweigert Hongkong dem „Financial Times“-Korrespondenten Victor Mallet die Einreise, nachdem man ihm zunächst die Akkreditierung entzogen hatte. Die Bundesregierung weist endgültig die Kritik der Linkspartei an der Pressekonferenz von Kanzlerin Merkel und Präsident Erdogan im September in Berlin zurück. Der türkische Journalist Ertugrul Adil Yigit war abgeführt worden, weil er ein T-Shirt mit der Aufschrift „Pressefreiheit für Journalisten in der Türkei“ getragen hatte. Türkische Behörden, so das Bundespresseamt, hätten dabei keinen Einfluss gehabt. Zu diesen Vorfällen gibt es kein „Matrix“-Video.

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