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Aktualisiert: 22.11.2016, 16:41 Uhr

Trump staucht Medien zusammen „Es war wie ein verdammtes Erschießungskommando“

Ein beispielloser Vorgang: Der künftige amerikanische Präsident hat führende Medienvertreter bei einem Treffen beschimpft und der „Lüge“ bezichtigt. Die Journalisten reagierten geschockt.

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© AP Lügner und Betrüger: Donald Trump findet für die großen amerikanischen Sender nur die abfälligsten Worte.

Wer immer dachte, als Präsident werde Donald Trump vielleicht doch gemäßigter sein als im Wahlkampf befürchtet, der wurde diese Woche endgültig eines Besseren belehrt. Eigentlich hatte der Republikaner am Montag Vertreter der führenden amerikanischen Fernsehsender zu einem Treffen in den 25. Stock des Trump Towers nach Manhattan beordert, darunter bekannte Moderatoren wie Wolf Blitzer, Gayle King, David Muir und viele andere – die versammelte Medien-Elite des Landes. Es sollte ein gesittetes Treffen im neuen Zentrum der Macht werden, ein Meinungsaustausch von 30 bis 40 Medienvertretern mit dem künftigen Präsidenten. Doch was dann folgte, war kein gepflegtes Gespräch, sondern kam nach übereinstimmenden Aussagen von Beteiligten eher einer verbalen Ohrfeige gleich.

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Nacheinander nahm sich der designierte Präsident die Medien-Bosse vor und stauchte sie in einer Art und Weise zusammen, wie es womöglich einmalig in der amerikanischen Geschichte ist. Als erstes attackierte Trump nach Angaben der „New York Post“ CNN-Chef Jeff Zucker: „Ich hasse Deinen Sender, jeder bei CNN ist ein Lügner und Du solltest Dich schämen“, beschimpfte er ihn. „Das Treffen war ein totales Desaster“, zitiert die Zeitung einen Beteiligten. „Es war wie ein verdammtes Erschießungskommando“, sagte demnach ein anderer.

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„Wir sind in einem Raum voll mit Lügnern, mit betrügerischen, unehrlichen Medien, die alles falsch dargestellt haben“, sagte Trump nach der Aussage eines weiteren Beteiligten. Die Sender seien dabei gescheitert, ihn oder seine Bedeutung für Millionen Amerikaner zu verstehen. Während seiner Tirade beschimpfte Trump eine weibliche Reporterin des Senders NBC, mutmaßlich die Reporterin Katy Tur, demnach dafür, dass in einem Bericht über ihn keine „schöneren“ Bilder verwendet worden seien. Auch einen nicht näher genannten „furchtbaren Korrespondenten“ beschimpfte der Republikaner, weil der nach der Niederlage Hillary Clintons geweint habe. 

Trumps Generalabrechnung, in der sich der Republikaner über die „unehrliche“ und „empörende“ Berichterstattung in Rage redete, dauerte mehr als zwanzig Minuten, berichtet der „New Yorker“. Als er zu den gefälschten Nachrichten gefragt wurde, die sich nach der Wahl in den sozialen Netzwerken immer stärker verbreiten, antwortete Trump, dafür seien die Medien verantwortlich, weil sie selbst gefälschte Nachrichten verbreiteten. „Die Schlimmsten“, sagte Trump demnach, seien die Sender CNN und NBC.

„So etwas gab es noch nie. Das ist empörend“

Wie ein Reporter des „New Yorker“ am Dienstag ernüchtert berichtete, gebe es nach dem Treffen keinerlei Anzeichen dafür, dass der künftige Präsident nach seiner Wahl in das höchste Amt des Landes nun geläutert oder gemäßigter sei. Im Gegenteil, sagte einer der Beteiligten: „Er ist derselbe prahlerische Wichtigtuer, der er schon im Wahlkampf war.“

© AP, F.A.Z., Donald Trump Ausschnitte aus der Videobotschaft von Donald Trump

Trumps Verhalten bei dem Treffen sei „völlig unangemessen“ und „verdammt empörend“ gewesen, zitierte das Magazin einen anderen Teilnehmer. „Ich muss sagen, ich bin emotional verdammt angepisst“, sagte ein anderer Teilnehmer. „Ich bin total ehrlich: Gegen Ende des Wahlkampfs gab es diesen Punkt, an dem ich dachte, dass wir Medien wirklich immer nur über Trumps Probleme und Defizite berichten, auch wenn das legitim ist. Aber ich dachte, O.K., lasst uns ihm eine Chance geben. Aber nach diesem Treffen heute denke ich [...]: Fuck him. Ich fühle mich wirklich persönlich angegriffen. So etwas gab es noch nie. Das ist empörend!“

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