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Dokudrama über Kundus-Affäre Die Entscheidung war falsch, nicht mörderisch

Arte und ARD zeigen ein Dokudrama über die Bombardierung zweier Tanklaster bei Kundus auf Befehl des Bundeswehroffiziers Georg Klein. Vieles ist stimmig, aber es bleibt ein großes Unbehagen.

© dpa Vergrößern Matthias Brandt (Mitte) spielt Oberst Klein durchaus angemessen: eher bedächtig als zackig, eher skrupulös als entschlossen, in jedem Fall kein Haudrauf

Am 14. September 2009 reiste der damalige Generalinspekteur der Bundeswehr, General Wolfgang Schneiderhan, mit kleiner Delegation nach Afghanistan. Zehn Tage zuvor hatte ein deutscher Offizier, Oberst Georg Klein, im Feldlager Kundus befohlen, zwei Tanklaster zu bombardieren, die von Taliban entführt und auf einer Sandbank im Kundusfluss steckengeblieben waren. Wie viele Menschen dadurch getötet wurden, war zu dem Zeitpunkt noch ungewiss, aber dass es nicht die 56 ausschließlich „terroristischen Taliban“ waren, auf denen der damalige Verteidigungsminister Franz Josef Jung noch tagelang beharrte, das war klar. Es hatte bereits eine öffentliche Ohrfeige durch den amerikanischen General Stanley McChrystal gegeben, der die internationale Afghanistantruppe führte, kritische Worte auch aus der EU und der Nato und in Deutschland eine politische Debatte samt Regierungserklärung der Bundeskanzlerin.

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Schneiderhan also reiste nach Kundus, um nach dem Rechten zu sehen. Mit ihm durften zwei Journalisten fliegen, nämlich der Korrespondent der „Süddeutschen“ und für diese Zeitung der Autor dieser Zeilen. Später, im Untersuchungsausschuss des Bundestages, sollte der General dies als Ausweis dafür anführen, dass man nichts zu verbergen gehabt habe. Der Autor war froh über die Gelegenheit und vielleicht auch ein bisschen geschmeichelt über die eigene Bedeutung. Gebraucht wurde er als Ausweis. So töricht kann man sein.

Zorn über die politisch verordnete Untätigkeit

In Kundus war die Stimmung merkwürdig, eine Mischung aus Trotz, Wut und Bedrückung. Soldaten einer Fallschirmjägerkompanie durften ungewöhnlich offen schildern, wie heftig die Kämpfe der vergangenen Wochen und Monate gewesen waren: Schüsse, Explosionen, Todesgefahr; auch Töten. Wie im Krieg. Und in dieser Situation werde also in der Heimat so getan, als habe man etwas Schlimmes verbrochen, wenn man ein paar von diesen Taliban erledigte, die vorhatten, das Camp mit zu Benzinbomben umgebauten Lastern anzugreifen - so die ungefilterte Stimmung der Truppe. Sei man nicht sogar von den Afghanen in Kundus dafür gefeiert worden, dass man endlich etwas unternommen habe? Habe der Gouverneur von Kundus, „Engineer“ Mohammed Omar, sie nicht überschwänglich gelobt? Oberst Klein dagegen sagte tapfer, die Diskussion in Deutschland finde er nachvollziehbar. Klein wirkte ziemlich niedergedrückt, sprach mit flacher und leiser Stimme; beim Abschied blickte der General ihn fast väterlich-aufmunternd an, als wollte er sagen: Wird schon, das stehen wir durch.

Und zu dieser Stimmung danach passt ziemlich nahtgenau die Stimmung im Camp Kundus, wie sie in dem Fernsehfilm „Eine mörderische Entscheidung“ gezeichnet wird. Die im Laufe des Jahres 2009 immer weiter zunehmende Spannung. Die Gefechte. Der Tod des jungen Hauptfeldwebels Sergej Motz durch einen Direkttreffer mit einer Panzerfaust (Motz war der erste Soldat in deutscher Uniform, der seit dem Zweiten Weltkrieg in einem Gefecht gefallen ist). Der Zorn über die politisch verordnete Untätigkeit. Die Erleichterung, nach einer Anpassung der Bestimmungen dann endlich auch sich wehren, den Gegner bekämpfen zu dürfen - bei noch unausgelotetem Ermessen, wie weit man dabei gehen könne. Der Druck durch Gouverneur Omar, doch endlich etwas zu tun. Die Warnungen durch den BND, dass die Lage sich weiter verschärfen werde und gezielte Anschläge drohten, auch auf das Camp. Die unübersichtliche Gemengelage: Wer von den Afghanen steht eigentlich wo?

Unbehagen der amerikanischen Kampfpiloten

Matthias Brandt in der Hauptrolle gibt einen Oberst Klein, der eher bedächtig als zackig ist, skrupulös und kein Haudrauf. So wirkte Klein tatsächlich. Axel Milberg spielt einen BND-Mann namens Diepholz, einen graubärtigen Zyniker, der leise spricht, aber ein Scharfmacher ist. Diese Person gab es in Kundus nicht, auch wenn es dort natürlich Leute des Bundesnachrichtendienstes gab. Im Film rauschen Patrouillen mit Füchsen und Dingos durch marokkanischen Sand, der als afghanische Kulisse durchgehen kann. Und auch die klaustrophobe Atmosphäre im Gefechtsstand der geheimen Task Force 47 wirkt überzeugend: kaltes Licht, erwartungsvolle Blicke, Mahnungen, dass die Zeit davonlaufe. Der Dialog der amerikanischen Kampfpiloten, die immer wieder nachfragen, ob wirklich keine Zivilisten am Boden seien, und die einander ihr Unbehagen bekennen, ist wörtlich (übersetzt) den Aufzeichnungen entnommen.

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