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Diskussion um Fotomontage : ARD verhüllt Merkel

  • -Aktualisiert am

Merkel im Tschador, Minarette über dem Reichstag: Screenshot aus dem „Bericht aus Berlin“ Bild: Screenshot/ARD

Zuspitzung, Satire oder Anti-Islam-Propaganda zur besten Sendezeit? Mit einer Hintergrundgrafik mobilisiert der „Bericht aus Berlin“ seine Zuschauer. Die Erklärung der Redaktion beruhigt die Gemüter kaum.

          Die Kanzlerin im schwarzen Tschador, hinter ihr der Reichstag mit Minaretten und Halbmond: Mit dieser Grafik stimmte am Sonntag der „Bericht aus Berlin" in der ARD die Zuschauer auf einen Beitrag zur Flüchtlingskrise ein (hier das Video).

          „Schaffen wir das wirklich, oder sind wir überfordert?" fragte Moderator Rainald Becker und schob gleich eine Reihe weiterer Fragen nach, auf die es auch noch keine Antworten gebe: „Wenn wir es schaffen, was geschieht mit unseren Werten? Wie verändert sich das Leben? Ja, wie reagieren wir, wenn Flüchtlinge Probleme haben - mit der Gleichstellung, mit Frauenrechten, mit Presse- und Meinungsfreiheit?" Diese Fragen schürten Ängste, so der stellvertretende Chefredakteur des ARD-Hauptstadtstudios.

          Ängste schüre eher die ARD mit solchen Fotomontagen, meinten zahlreiche Zuschauer, die im Netz erboste Kommentare hinterließen. „Bildrhetorik der NPD/AfD/Pegida - Das ist kein konstruktiver Journalismus. Pfui!" empört sich ein Nutzer im populärsten Kommentar auf der Facebook-Seite der Sendung. „Die Stimmung dreht wegen solcher Diffamierung und Propaganda. So kann ja keine Integration gelingen."

          Andere kontern mit Kommentaren wie: „Kann es sein dass hier einige die Konfrontation mit einer Zukunft nicht ertragen, an deren Realisierung sie gerade fleißig mitarbeiten? Ich bin positiv überrascht dass ein Sender plötzlich satirisch-kritisch Kante zeigt, der sich lange Zeit auf kitschige Rührstücke beschränkt hatte."

          Die Redaktion reagiert

          Dass auf ihrer mit weniger als 9000 Likes normalerweise eher ruhigen Facebookseite und anderen Kanälen munter debattiert wurde, entging der Redaktion nicht. „Wir freuen uns über die zahlreiche Kritik an unserer Grafik“, teilte sie am Montag mit, „und bedauern sehr, dass einige mit unserer Darstellung der Bundeskanzlerin nicht einverstanden waren oder sie gar missverstanden haben.“

          Ziel der zugespitzten Darstellungsform sei es gewesen, „Aufmerksamkeit zu schaffen und zu polarisieren“. Die Argumentation geriet allerdings ein wenig schräg: In der Merkel-Tschador-Grafik spiegelten sich Errungenschaften „unserer westlichen Gesellschaft“ wie Meinungsfreiheit, Pressefreiheit und Gleichstellung wider.

          „Dadaismus vom Feinsten“, kommentiert ein Nutzer in der wiederum aufflackernden Diskussion. Andere verteidigen die Freiheit der Satire.

          Abzuwarten bleibt, ob diese Geschichte den Sprung von den Facebook-Kommentarspalten in die große politische Debatte schafft, oder ob es beim Online-Empörungsstürmchen bleibt. Dass es in ARD-Führungskreisen und im Hauptstadtstudio angeregte Diskussionen gab, davon kann man wohl ausgehen.

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