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Digitales Weltkulturerbe Über Europa hinaus

22.04.2009 ·  Die Unesco startet ein ambitioniertes Projekt zur digitalen Konservierung des Weltkulturerbes. In der Digital World Libary sollen die Zeugnisse aller Weltkulturen ausgeglichen repräsentiert werden. Die deutsche Nationalbibliothek ist nicht an dem Projekt beteiligt. Ihr fehlen die Mittel.

Von Thomas Thiel
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Vor wenigen Monaten startete die Online-Bibliothek Europeana, die Zeugnisse der europäischen Kultur im Internet verfügbar macht. Am gestrigen Mittwoch zog die Unesco mit der Gründung der World Digital Libary (WDL) nach, der zweiten großen Bibliothek für die Konservierung von Kulturgütern im Netz. Die WDL ist unter der Adresse www.wdl.org zugänglich, sie zielt weit über Europa hinaus: Es geht dem Projekt ausdrücklich darum, das Übergewicht westlicher Kultur im Netz auszubalancieren - weshalb der Fokus auf kulturellen Zeugnissen aus den Schwellenländern liegt.

Noch kommen die meisten archivierten Gegenstände, Manuskripte, Filme, Fotografien, Karten, Klangdateien, Bücher und Zeitungen jedoch aus Europa. Man kann sie geographisch über eine Weltkarte, chronologisch entlang einer Zeitleiste oder thematisch klassifiziert erschließen. Dem frühen Stadium geschuldet, bleibt das Archiv derzeit auf etwas mehr als 1300 Werke beschränkt. Langfristig verfolgt die Unesco jedoch das Ziel, die Kulturschätze der Menschheit möglichst umfassend und frei von kommerziellen Interessen zu dokumentieren.

Die Idee zur Gründung der Bibliothek kam im Jahr 2005 von der Library of Congress in Washington. Heute sind es fast ausschließlich nicht-europäische Nationalbibliotheken, die ihr Archiv füllen. Die Deutsche Nationalbibliothek gehört nicht zu den Partnerinstitutionen. Was einerseits, so Pressesprecher Stephan Jockel, daran liege, dass man schon an der Europeana beteiligt sei. Vor allem aber daran, dass man kaum über digitale Bestände verfüge, die man dort einstellen könne. „Wir haben keinen gesetzlichen Auftrag, also auch keine Mittel, zu digitalisieren.“ Weshalb man der Neu-Akzentuierung der Weltkultur im Netz einigermaßen mittellos gegenüberstehe.

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Jahrgang 1975, Redakteur im Feuilleton.

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