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Sonntag, 12. Februar 2012
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Digitales Leben Google hat ein Ohr für alles

27.01.2010 ·  „Digital, Life, Design“ hieß der Kongress, zu dem Hubert Burda kurz vor dem Davoser Wirtschaftsgipfel geladen hatte. Dabei war es wie immer: Die digitale Elite feiert und stört sich nicht daran, dass nichts mehr verborgen bleibt.

Von Detlef Borchers
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Digitales Leben vorleben, das will die Konferenz „Digital, Life, Design“ (DLD), 2005 als „Digital Lifestyle Day“ gestartet. Kurz vor dem Davoser Weltwirtschaftsforum kam in München auch in diesem Jahr eine bunte Mischung aus Investoren, Künstlern und Internet-Unternehmern zusammen - und vernetzte sich.

„Map Your Future“ lautete das Motto der Konferenz, die von Hubert Burda veranstaltet wird. Doch anders als in früheren Jahren, als mehrfach nach dem nächsten großen Ding gefragt wurde, an dem sich die digitalen Seefahrer orientieren können, war die Richtung diesmal klar. Der Kurs auf dem Kontinent Google wird von Google bestimmt und ist in einer Google Map vorgezeichnet. Kein Wunder, dass der Internet-Konzern zum Schluss der Konferenz allen Teilnehmern ein Google-Nexus schenkte, ein schickes Mobiltelefon mit Sprachnavigation, die direkt von Google-Servern kommt. So kann Google fortlaufend überwachen, was das bunte Trüppchen treibt.

In aller Offenheit hatte Google schon im Jahre 2006 die Pläne für ein Google-Phone auf einem DLD-Panel unter dem Motto „The Next Big Thing“ vorgestellt. Die damalige Marketing-Chefin Marissa Mayer skizzierte damals ein multimediales Telefon für Analphabeten, das Spracheingaben in Google-Anwendungen umsetzen kann. Mit seiner Hilfe sollte Google Kontinente wie Afrika erobern können, wo der Mobilfunk weit vor dem Internet das zentrale Kommunikationssystem darstellt. Nun ist das Nexus da – und zunächst einmal ein teures Spielzeug für den digitalen Lebensstil. Das noch nicht in Europa erhältliche Telefon kostet in den Vereinigten Staaten 580 Dollar. Es setzt in allen Anwendungen auf die Spracheingabe – Google-Server analysieren die Sprache und schicken den Text zum Telefon zurück.

Wandernde Aufmerksamkeit

Dass Google mit Software und Hardware das digitale Leben dominieren will, ist nichts, was die Konferenzbesucher sonderlich stören könnte. Sie twittern, chatten und mailen und sind unglücklich, wenn ein digitaler „Follower“ im realen Leben auf der Konferenz auftaucht und seine Position nicht gleichzeitig auf der Landkarte im Mobiltelefon verzeichnet ist. Das „Social Web“ duldet solche Datenaussetzer nicht, wortreich wird die „Misskonfiguration“ noch bei der Essensausgabe auf dem DLD entschuldigt.

„Social Commerce“ nennt sich die nächste Stufe, die besonders von den Investoren bejubelt wird. Denn hier wird eine Perspektive sichtbar, wie die riesigen Nutzermengen von Facebook und Twitter monetarisiert werden können. Was mit Social Commerce gemeint ist, erklärte der Investor Jim Breyer: Er führte die (in Deutschland gescheiterte) Supermarktkette Wal-Mart an, die in ihren Läden im großen Stil Netbooks installieren will. Über die billigen Laptops sollen kaufwillige Kunden sich etwa auf Facebook in ihren „Communities“ Rat holen, wenn sie sich beim Einkaufen nicht entscheiden können. Während sie sich erkundigen oder eine virtuelle Puppe einkleiden, sammelt Wal-Mart Informationen über sie, nicht nur Facebook oder Google. Zuversichtlich verkündete Nikesh Arora, der derzeitige Marketing-Chef von Google: „Die Werber der Zukunft kaufen keine Anzeigenflächen in Zeitungen oder Sendezeit in Funk und Fernsehen mehr. Sie kaufen direkt die Aufmerksamkeit von Konsumentengruppen in sozialen Netzwerken.“

Telemedizin per Handy

Man könnte annehmen, dass solche Ideen in Ländern der Dritten Welt für abwegig gehalten werden, wo der Kampf gegen Hunger und Seuchen auf der Tagesordnung steht. Weit gefehlt: Begeistert erzählte Muhammad Yunus, der für seine Millionen von Existenzen sichernden Mikrokredite bekannt wurde, von einem weiteren Unternehmen, der Telefongesellschaft Grameen Phone. Sie ist mittlerweile die größte in Bangladesch und ermöglicht in vielen Orten den „Telephone Ladies“ eine auskömmliche Existenz. Über die Mobiltelefone läuft mittlerweile ein eigener Gesundheitsdienst names Bangladesh Telemedicine Service (BTS). In dem chronisch unterversorgten Land geben Ärzte in Telemedizin-Centern Versorgungsanweisungen zu Krankheiten, die Patienten mit dem Mobiltelefon fotografiert haben. In Zukunft soll jedes Dorf autarke Messstationen bekommen, die etwa Blut- und Urinproben nehmen und die Ergebnisse zum Mobiltelefon schicken.

„Die Macht der Technologie kann jede Hürde überwinden“, predigte Yunus dem DLD-Publikum, das seinen Worten andächtig lauschte. Seine Mahnung zum Schluss, dass Technologie im Dienste der Menschen stehen und nicht nur Profit erzeugen müsse, hörten wohl wenige: Unmittelbar nach der Rede des Nobelpreisträgers begann Google mit der Ausgabe der Nexus-Telefone, und ein großes, sehr undigitales Gedränge und Geschiebe setzte ein.

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Eingeführte

Von Gerhard Stadelmaier

Nachhilfe zuerst: Die „Einführung“ nämlich ist republikweit an allen Theatern das meistgespielte Stück. Es dauert ungefähr eine halbe Stunde. Mehr