21.08.2007 · Der neue Moderator von ttt“, dem Kulturmagazin im ersten Programm, ist ein alter Bekannter: Dieter Moor. In Deutschland kennt man den gebürtigen Schweizer vor allem als Präsentator der Vox-Show „Canale Grande“.
Von Michael HanfeldEs ist keine Frau, und er ist auch nicht blond: Nach längerer Suche und dem branchenüblichen ausgefeilten Casting haben die Programmdirektoren der ARD einen neuen Moderator für „ttt“, das Kulturmagazin im ersten Programm, bestimmt: Es ist ein alter Bekannter – allerdings nicht an einer solchen Stelle –, ein ausgewiesener Kulturkenner, Schauspieler, im Nebenberuf Bio-Bauer mit eigenem Hof im brandenburgischen Hinterland von Berlin und – gebürtiger Schweizer: Dieter Moor.
Moor, den ein Kritiker einmal – anerkennend – als „Vierkantschädel“ bezeichnet hat, ist, wenn man so will, ein unorthodoxer Dreiländerschreck des Mediums: Studiert hat er an der Züricher Schauspielakademie. Im Nachbarland Österreich hat er beim ORF von Mitte der achtziger Jahre an bis 1990 die Kultursendung „Kunststücke“ präsentiert, bei dem damals jungen Kölner Privatsender Vox übernahm der heute Neunundvierzigjährige Mitte der neunziger Jahre das unorthodoxe Medienmagazin „Canale Grande“, dessen Publikum er stets als „liebe Zielgruppe“ ansprach.
Widerpart von Roger Schawinski
Beim Südwestrundfunk moderierte er die Reihe „Ex! Was die Nation erregte“. Im Programm des Abosenders Premiere war er mit der Sendung „Studio Moor“ vertreten, im ZDF präsentierte er die Reihe „Majic Las Vegas“. In seinem Heimatland wiederum machte sich Moor bis Ende der Neunziger mit seiner Late-Night-Show „Moor“ einen Namen als eidgenössischer Harald Schmidt und Widerpart des späteren Sat.1-Geschäftsführers Roger Schawinski, der damals auf seinem eigenen Sender Tele 24 als Talkmaster den späten Abend ebenfalls zum Tagesgespräch machte.
Zuletzt zu sehen war Moor auf dem Bildschirm bei dem inzwischen eingestellten Spartensender „Terranova“, dort präsentierte er eine Reihe namens „100 Jahre – 100 Bilder“, zur Fußball-Europameisterschaft 2004 trat er in der ARD mit der Fernsehglosse „Das Wunder von Moor“ auf, im Kulturkanal 3sat schließlich übte er sich als Moderator der „Kulturzeit“ und einiger Sondersendungen, etwa zur Berlinale oder zum G-8-Gipfel in Heiligendamm. Zwischendurch gab er immer wieder Kostproben seines schauspielerischen Könnens, angefangen bei einem Fernsehfilm wie „Opernball“, bis zu Gastauftritten in Serien wie „Bloch“, „Wolffs Revier“ oder „Alles außer Sex“.
Da er trotz aller Bildschirmpräsenz noch Zeit fand für seinen roten Hürlimann-Traktor, mit dessen Anschaffung er sich einen Kindertraum verwirklichte, für die Schafzucht und für diejenige von Wasserbüffeln und Galloway-Rindern für einen polnischen Nationalpark, hat er sich wohl eine gesunde innere Distanz zum Medienbetrieb bewahrt. Daran dürfte sich auch durch sein neues Engagement im Ersten nichts ändern. Vertreten wird Moor bei „Titel, Thesen, Temperamente“ von der „zweiten Moderatorin“ Evelyn Fischer vom MDR, die im Augenblick durch das Kulturmagazin führt. Antreten soll er im Ersten, wie es auf Anfrage bei der Programmdirektion der ARD in München hieß, „spätestens im November“. Am Format (halbe Stunde) und am Sendeplatz (sonntags um 22.45 Uhr) des Kulturmagazins im Ersten soll sich nichts ändern.