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Veröffentlicht: 22.05.2017, 12:06 Uhr

Existenzkrise bei der VG Wort Weihnachten, mitten im Mai

Die Verwertungsgesellschaft Wort, die für Autoren und Verlage eintritt, hat ihre Existenzkrise bewältigt. Jetzt dürfen viele mit einem Geldsegen rechnen.

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© Picture-Alliance Rund 180.000 Wahrnehmungsberechtigte dürfen Ende Juni mit einem Geldsegen rechnen: Journalist im Bayerischen Landtag.

Es gibt noch gute Nachrichten. Die Verwertungsgesellschaft Wort wird nicht zerschlagen. Im Gegenteil. Sie steht auf einem neuen Fundament und kann ihr jahrzehntelanges Eintreten für die Urheberrechte von Autoren und Verlagen fortsetzen. Ihre Mitglieder haben einen Verteilungsplan beschlossen, dem zufolge die von der VG Wort erzielten Einnahmen entweder zu hundert Prozent an die Autoren gehen oder, so diese zustimmen, ihre Verlage zu einem bestimmten Prozentsatz beteiligt werden. Für die rund 180.000 Wahrnehmungsberechtigten, die an den Einnahmen partizipieren, bedeutet dies, dass sie Ende Juni mit einem Geldsegen rechnen dürfen. Denn die VG Wort hat allein im vergangenen Jahr knapp 185 Millionen Euro eingenommen und sitzt auf einem Vermögen von insgesamt mehr als einer halben Milliarde Euro, das sie endlich unter die Leute bringen will. Dass sie das könnte, ja dass sie als gemeinsame Interessenvertretung von Autoren und Verlagen überhaupt bestehen bliebe, danach sah es noch im vergangenen Herbst nicht aus. Doch die Dinge haben sich dramatisch gewendet – zum Positiven.

Michael Hanfeld Folgen:

Vor etwas mehr als einem Jahr schien es so, als sei das Modell der Urheberrechtslobby, wie es die VG Wort seit ihrer Gründung im Jahr 1958 vertritt, am Ende. Denn im April 2016 entschied der Bundesgerichtshof in einem Rechtsstreit zwischen der VG Wort und dem Autor Martin Vogel, dass die pauschale Verteilung der Einnahmen aus Urheberrechtsabgaben, wie sie die VG Wort zwischen Autoren und Verlagen bis dato vorgenommen hatte, nicht rechtens sei. Strittig blieb, ob damit nur eine pauschale Quotierung, wie sie bei der VG Wort zwischen Autoren und Verlagen galt, verworfen wurde oder die gemeinsame Interessenvertretung an sich.

Ein paar wenige Stimmen fehlten

Auf zwei außerordentlichen Mitgliederversammlungen formierte sich eine kleine Kritikergilde um den Autor Vogel und eine Journalistengruppe namens „Freischreiber“, deren scharfe Rhetorik darauf hinauslief, dass Verlage grundsätzlich nichts in der VG Wort verloren hätten. Wieder und wieder traten dieselben drei, vier, fünf Sprecher in quälend langen Versammlungen vor das Saal-Mikrofon und feuerten einen Angriff nach dem anderen auf den Vorstand der VG Wort ab.

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Mochte der Widerstand vieler anderer Mitglieder gegen dieses Vorgehen auch groß und ebenfalls deutlich formuliert sein, war es doch der kleinen Gruppe aufgrund der komplizierten Abstimmungsregeln der VG Wort möglich, die Vorschläge für eine Übergangsregelung zu blockieren. In jeder der sechs Berufsgruppen, die in der VG Wort vertreten sind, ist bei grundlegenden Fragen nämlich eine Zweidrittelmehrheit der anwesenden Mitgliederstimmen notwendig. Während Verleger, Autoren und Übersetzer in Wissenschaft und Belletristik und Presseverleger durch die Bank mit der nötigen Mehrheit Vorschlägen des VG-Wort-Vorstands für Lösungen nach dem BGH-Urteil zustimmten, fehlte es in der Berufsgruppe 2 der Journalisten (welcher der Verfasser zugehört und in der er auch mitstimmt) in einigen Fällen an ein paar wenigen Stimmen.

Sprunghafter Mitgliederzuwachs schafft neue Mehrheiten

Die Bundesregierung legte der VG Wort freilich zu Weihnachten ein Paket auf den Gabentisch, das sich als rettend erweisen sollte: Am 24. Dezember 2016 trat das Verwertungsgesellschaftengesetz (VGG) in Kraft, das ausdrücklich vorsieht, dass sich Autoren und Verlage in einer Gesellschaft zusammenschließen können, welche die Nutzung der Urheberrechte wahrnimmt. Allerdings darf dies, was die Verteilung der Einnahmen angeht, nicht mit den Pauschalquoten geschehen, wie sie bei der VG Wort galten. Das Modell, das eine Bewertungsgruppe der VG Wort nun ersonnen hat, lautet wie folgt: Die Einnahmen, die aus der Nutzung von Urheberrechten erzielt werden, können die Autoren zu hundert Prozent behalten, sie können aber auch einer Beteiligung der Verlage zustimmen. Diese Zustimmung erfolgt anonym und auf das Werk oder die Werke bezogen, um die es geht. In den verschiedenen Sparten – Presse, Belletristik, Wissenschaft – gibt es unterschiedliche Quoten, die jedoch stets die Mehrheit der Einnahmen den Autoren zuweisen. Die Anteile liegen zwischen sechzig und fünfundachtzig Prozent.

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