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„Die Spione von Warschau“ bei Arte Ein historisches Possenspiel

 ·  Ab und zu knallt es auch: „Die Spione von Warschau“, die uns Arte bietet, liefern eine Art Rosamunde Pilcher aus den dreißiger Jahren und dem Zweiten Weltkrieg, National-Klischees inklusive.

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© Arte Vergrößern Scheiden tut weh. Aber so viel kann man verraten: Anna (Janet Montgomery) und Mercier (David Tennant) werden sich wiedersehen.

Wenn der Film von Coky Giedroyc nach einem Buch von Alan Furst einen Vorzug hat, dann den, dass man die Nationen so bequem erkennen kann.

Der Deutsche ist entweder bieder-tumb und spießig-schüchtern und lässt sich von einer falschen Gräfin um den Finger wickeln, die zu ihm „Eduard, mein böser Junge“ sagt. Dafür bringt er ihr Panzerpläne der Wehrmacht mit. Oder der Deutsche ist der Nazi: dünne Lippen, böse Blicke! Oder er ist ein noch halbwüchsiger Wehrmachtssoldat, der einen französischen Spion im Schwarzwald stellt und dem dabei angst und bange wird. Oder er ist ein nervöser Antifaschist, der sich in die Tschechoslowakei geflüchtet hat. Oder eine SS-Glatze im Bordell. Oder er spielt Humpta in einer kleinen Blaskapelle - in Paris spielt man aber Jazz!

Kein Deutscher kann in dieser britischen, von Arte übernommenen Produktion in puncto Attraktivität auch nur von ferne mit dem Franzosen Jean-François Mercier (David Tennant) mithalten, dem keine Frau widersteht. Aus dem Ersten Weltkrieg hat er zwei Narben mitgebracht, denen sein erster Bettschatz besondere Reize abgewinnt. „Ist er auch ein Kavalier?“, fragt die Mutter von Anna Skarbek (diese wird gespielt von Janet Montgomery), nachdem es zwischen der Tochter und dem Franzosen schon kräftig gefunkt hat. Am Ende, als er der Mama einen Handkuss gegeben hat, zweifelt auch sie nicht mehr: „Er ist ein Kavalier!“ Zumal es Mercier sozusagen in den Genen hat, seine Vorfahren waren Chevaliers der französischen Könige. Und er ist - so gut trifft sich hier alles - mit de Gaulle befreundet.

Flucht vor den Moskauer Schauprozessen

Anna ist aber noch mit dem Exilrussen Max Mostov (Piotr Baumann) liiert, den man sich, auch ohne den Film zu sehen, leicht imaginieren kann, wenn man sich alle Klischees von Dostojewski-Russen zusammendenkt. Anna soll schon mal den Wodka kaltstellen. Nun also ist die Situation da. „Du musst mir Zeit geben, bitte“, fleht Anna den Franzosen an. Um in den Nationen-Stereotypen fortzufahren, spricht das sowjetische Paar aus der Botschaft, Viktor und Malka Rozen, einen Dialekt, der wohl Jiddisch sein soll. Den beiden sind die heimischen Schauprozesse nicht verborgen geblieben, als sie nach Moskau zurückbeordert werden sollen, ziehen sie es vor, mit Mercier nach Frankreich zu fliegen.

Zurück zu Anna. Sie macht irgendwas beim Völkerbund, genauer hat es sich dem Berichterstatter nicht erschlossen, nur dass sie humanitär viel unterwegs ist, mal in Spanien, wo der Bürgerkrieg tobt, mal in New York. Und Jean-François muss die deutschen Kriegspläne ermitteln, dafür geht er in den Schwarzwald und später mit falschem Pass nach Berlin.

Gelegentlich werden sie alle bedroht, er, Anna, das russische Paar, mal von deutschen, mal von sowjetischen Diensten, ab und zu knallt es, Leute werden zusammengeschlagen oder sind tot. Die Panzerwaffe wird, wie es in den historischen Fernsehfilmen oft der Brauch ist, beim Tanz und auf Empfängen diskutiert, Klarnamen von Agenten in der Wehrmacht erwähnt man beiläufig im Restaurant. Achtung, gleich kommt der Kellner.

Historisch ist das Ganze undiskutierbar. Tschechen und Polen seien in Gefahr, verkündet General Beauvilliers. Man sei auf ihrer Seite. In Wahrheit waren die Polen alles andere als erfreut, als Frankreich 1935 mit Russland einen Beistandspakt schloss, und nach dem Münchner Abkommen im Herbst 1938 bediente sich auch Polen, ohne mit der Wimper zu zucken, territorial bei der Tschechoslowakei. Warum muss die Geschichte nur immer so kompliziert sein!

Für den Unterhaltungswert dieser drei Stunden, kriminalistische Spannung und erotisches Knistern, kann man nur eine mäßige Note geben; der Film ist so etwas wie Rosamunde Pilcher mit Knarre und Lederjacke.

Die Spione von Warschau: Am Freitag, 17. Mai, von 20.15 Uhr an in zwei Teilen bei Arte.

Quelle: F.A.Z.
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17.05.2013, 17:02 Uhr

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