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TV-Serie „Preacher“ : Beim Kampf Gut gegen Böse wird nicht lange gefackelt

  • -Aktualisiert am

Schlachtplan: Die Kumpels des Predigers beraten, was zu tun ist. Bild: Lewis Jacobs/AMC/Courtesy of Son

Lange hat es gedauert, bis aus dem Comic „Preacher“ eine Serie wurde. Jetzt ist sie da. Sie sieht aus, als wäre sie von Quentin Tarantino. Es gibt Action und Sinnsuche satt.

          Erst erwischt es einen Prediger in einer afrikanischen Dorfgemeinde: Ein Kugelblitz aus dem Weltall fährt in ihn, während der Predigt. Bevor die Gemeinde Amen sagen kann, ist es um den Geistlichen geschehen. Wenig später löst sich in Russland ein orthodoxer Priester auf. Tom Cruise ergeht es auf der Bühne einer Scientology-Veranstaltung nicht besser. So gewaltsam beginnt die Serienadaption des Comics „Preacher“. Die Schlacht zwischen Gut und Böse ist im Gange. In deren Mittelpunkt finden sich der verkrachte Prediger Jesse Custer (Dominic Cooper), seine Exfreundin Tulip O’Hare (Ruth Negga) und der irische Vampir Cassidy (Joseph Gilgun). Hinzu treten der Sohn des Sheriffs, dessen Gesicht durch eine selbst beigebrachte Schusswunde entstellt ist, ein „Schutzheiliger der Killer“ und zwei Engel, die das Schlimmste zu verhindern suchen.

          Seit der Comic-Roman von Garth Ennis und Steve Dillon im Jahr 1995 erschien, gab es verschiedene Anläufe, ihn fürs Fernsehen oder Kino aufzulegen, unter anderen versuchte sich der Oscarpreisträger Sam Mendes daran. Doch fand in Hollywood niemand den richtigen Dreh. Seth Rogen und Evan Goldberg haben ihn gefunden, Comic-Fans und Kritik sind gleichermaßen entzückt über den bösen, ironischen Grundton der Serie, aber auch über Action und Tempo, auf die hier so drastisch gesetzt wird, als habe Quentin Tarantino Pate gestanden.

          Es geht um die Suche nach Gott

          In „Preacher“ geht es um die Suche nach Gott, die Zukunft des Universums, den Sinn des Lebens und die Apokalypse. Es geht um die Gemeinschaft in einer texanischen Kleinstadt, Johnny Cash und Feminismus. Nicht anders, stellt man sich vor, wäre der legendäre Douglas Adams („Per Anhalter durch die Galaxis“) mit einer solchen Anordnung verfahren.

          Fernsehtrailer : „Preacher“

          Tatsächlich dachten sich die britischen Comic-Autoren Garth Ennis und Steve Dillon (sie koproduzieren das Ganze) die Geschichte um den Ex-Kriminellen Jesse Custer aus, der in dem Städtchen Annville als Prediger in der kleinen Kirche seines ermordeten Vaters Frieden zu finden hofft. Ihm versprach er einst, „zu den Guten zu gehören, weil es viel zu viele von den Bösen gibt“. Leider hat Jesse so gar nicht das Zeug zum Gottesmann. „Ich trinke, ich prügele mich, ich fluche. Ich kann mir nicht mal leisten, die Klimaanlage zu reparieren“, klagt er in einer Szene der Serie seinem Kumpel Cassidy, mit dem er sich in eine Kneipenschlägerei verwickeln ließ. „Klingt wie der Auftakt zum schlechtesten Countrysong aller Zeiten“, gibt Cassidy zurück.

          Stattdessen entwickelt sich ein Pop-Western mit geschliffenen Dialogen, hinreißend choreographierten Action-Szenen und einem fetzigen Soundtrack. Die Serie erlaubt sich viele Freiheiten im Umgang mit dem Original, aber sie trifft den Tonfall und den unbändigen, düsteren Esprit der Vorlage. In Szene gesetzt hat sie der Produzent Sam Catlin, der sein Handwerk bei „Breaking Bad“ lernte. Da ist zum Beispiel die minutenlange Action-Sequenz, in der Tulip in ihrem wild durch ein Kornfeld schlingernden Wagen zwei Mordbrenner außer Gefecht setzt. In einer Staubwolke kommt ihr Gefährt schließlich zum Stehen. Beobachtet wird Tulip von zwei Farmerskindern. „Wahnsinn!“, meint der kleine Junge. Seine Schwester gibt zu verstehen, dass sie hier der Biss ist. (Mama ist tot, und Papa ist arbeiten). „Das glaube ich sofort“, sagt Tulip und wird sich bewusst, was für ein fragwürdiges Vorbild sie abgibt, während sie gemeinsam mit den Kindern eine Panzerfaust zusammensetzt, mit der sie weitere Verfolger abschütteln wird. In einer anderen Szene bittet ein Junge den Prediger, seinen Vater zu verdreschen, weil der gemein zu seiner Mutter sei: „Die Leute sagen, du hast früher so etwas gemacht.“ Doch darauf geht Jesse nicht ein, sondern belehrt den Jungen über die Sünde. Das kommt bei seinem jungen Gemeindemitglied freilich nicht gut an. „Ja, bete für mich, Prediger“, sagt der Junge und stapft davon.“

          In dieser gefährlichen und korrupten Welt gilt es, seinen moralischen Standpunkt nicht nur zu formulieren, sondern mit allen Konsequenzen dafür einzustehen. Dass ist die Moral dieser Action-Moritat. Sie ist auf zunächst zehn Folgen angelegt.

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          Die Serie Preacher ist bei Amazon Prime verfügbar.

          Quelle: F.A.Z.

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