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„Frau Temme sucht das Glück“ : Irre versichert

Das obskure Objekt der Versicherung: Carla Temme (Meike Droste) wird zwangsläufig zur Geflügelspezialistin. Bild: ARD/Jens van Zoest

Carla Temme arbeitet bei einer Versicherung, die jeden gegen alles versichert. Auch für herumfliegende Tiefkühlhähnchen gibt es eine Police: Die neue ARD-Serie „Frau Temme sucht das Glück“ entführt in einen Käfig voller Narren.

          „Die Wahrscheinlichkeit, im Leben glücklich zu werden, ist - winzig“, sagt Carla Temme (Meike Droste) zu sich selbst. Sie muss es wissen, sie hat es ausgerechnet, und sie hat als Risikoanalystin der Rheinischen Versicherung nichts anderes zu tun, als die Chancen zu bestimmen, ob einem Gutes oder Schlechtes widerfährt. Für sich selbst rechnet sie sich nicht allzu viel aus.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Ihren Klienten aber macht sie Mut, damit sie sich nicht mit Versicherungen eindecken, die sie gar nicht brauchen. Was für die Rheinische selbstverständlich eher geschäftsschädigend ist. Zumal Carlas Chef Hans-Peter Mühlens (Martin Brambach als herzensgute Niete) sich darauf einlässt, „No Limit“-Policen abzuschließen: Jeder wird gegen alles versichert. Also auch der Hähnchenfabrikant Färber: „Ich brauche eine Versicherung für den Fall, dass ich von einem gefrorenen Hähnchen erschlagen werde.“

          So nicht! Die wirklich wichtigen Dinge besprechen die Kollegen (Martin Brambach, Meike Droste, Sebastian Schwarz, von links) an einem vermeintlich stillen Örtchen.

          Versichern wir jetzt auch „Durchgeknallte?“, will Carla von ihrem Chef wissen. „Nein, doch“, sagt der und weist den Kollegen Horst Ballsen (Ronald Kukulies) an, neue Verträge aufzusetzen. Auf die dringt der schnöselige Frank Weber (Sebastian Schwarz), der die Abteilung im Auftrag des Vorstands aufmischen soll. „Ich habe da gleich mal Unterlagen für Sie vorbereitet,“ sagt Vertragsexperte Ballsen und - drückt Weber ein paar Aufnahmen in die Hand. Die hat er gerade von seinem Allerwertesten auf dem Kopierer gemacht.

          Mikael Svensson (Richard Ulfsäter) ist doch tatsächlich gegen nichts versichert. Carla Temme (Meike Droste) ist in ihrem Element.

          Das Betriebsklima stimmt also, die Stichelei-Dichte ist vielversprechend hoch. Kein Wunder, dass Mikael Svensson (Richard Ulfsäter), der gerade einen Reparatur-Laden (für Schallplattenspieler!) aufgemacht und sich in null Komma nix als Carlas love interest in Szene gesetzt hat, fragt: „Ist das hier wirklich eine deutsche Versicherung?“

          Ist es, und zwar eine, die sich Dietmar Jacobs und Benedikt Gollhardt ausgedacht haben. Die beiden sind vom Fach, der eine hat für „Stromberg“ geschrieben, der andere „Türkisch für Anfänger, „Edel & Starck“ und „Danni Lowinski“. Sie sollten für die ARD einen Nachfolger für die erfolgreiche Serie „Mord mit Aussicht“ kreieren: Unterhaltung, die von pointierten Dialogen und schrägen Typen lebt, aber auch eine größere, nicht nur komödiantische Handlung transportiert. Das gelingt ihnen mit „Frau Temme sucht das Glück“. Wäre schon unwahrscheinliches Pech, wenn die ARD davon nicht mehr als die zunächst gesetzten sechs Folgen produzierte.

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