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Veröffentlicht: 19.12.2015, 10:21 Uhr

RTL-Serie „Deutschland 83“ Wieso sieht das keiner?

In zwanzig Länder hat RTL die Serie „Deutschland 83“ verkauft, die meisten Kritiker waren begeistert. Doch die Zuschauer hat die Geschichte des jungen Stasi-Spions nicht die Bohne interessiert. Wird sie trotzdem fortgesetzt?

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© RTL Ob die Serie fortgesetzt wird, ist noch nicht sicher, denn ein Zuschauererfolg war „Deutschland 83“ mit Jonas Nay in der Hauptrolle nicht. Doch nun gibt es einen Grimme-Preis.

Im Ausland und bei der Kritik hat RTL mit „Deutschland 83“ Punkte gesammelt, beim Publikum nicht. 1,72 Millionen Zuschauer sahen am Donnerstag die vorletzte Folge der ambitionierten Serie, bei der letzten Runde waren noch 1,63 Millionen dabei. Das ergab bei den jüngeren Zuschauern im Alter bis 49 Jahre einen Marktanteil von 8,1 Prozent und bei den Zusehern insgesamt einen Anteil von 5,3 Prozent. Was bedeutet: Die Serie ist ein kapitaler Flop, und daraus muss RTL nun Schlüsse ziehen.

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Lag es an der Machart, am Thema, am Timing, oder fehlte es an Werbung? Das sind die Fragen, mit denen sich der Fiction-Chef von RTL, Philipp Steffens, zurzeit beschäftigt. „,Deutschland 83‘ ist eine einzigartige Serie“, sagt er im Gespräch mit dieser Zeitung, „die erste von RTL, die auf der Berlinale lief; die erste, die wir vorab im Ausland – den Vereinigten Staaten – gezeigt und die wir vor der Ausstrahlung bei uns so erfolgreich verkauft haben. Dass sie bei unserem Publikum nicht so angekommen ist, müssen wir erst einmal verdauen.“ Der Markt, sagt Steffens, habe sich verändert. So sei „Deutschland 83“ trotz bescheidenen Zuspruchs die selbstproduzierte Serie im deutschen Fernsehen mit dem bei jüngeren Zusehern erfolgreichsten Neustart in diesem Jahr. Doch das ändere nichts daran: „Wir konnten nicht so viele Menschen fesseln, wie wir gehofft haben. Wir wussten von Anfang an, dass es mutig ist, ,Deutschland 83‘ zu programmieren.“ Auch sei der Marktanteil allein bei der „Prestigeserie“ nicht entscheidend. Doch müsse man erkennen, dass sich ein Teil der Zuseher nach den ersten Folgen ausblendete und man das „Hauptpublikum“ von RTL, das ein weibliches ist, nicht erreicht habe.

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Nichts für Zuschauerinnen?

Der Zeithintergrund der achtziger Jahre sei dafür weniger ausschlaggebend als das Thema – ein DDR-Spion im sich zuspitzenden Kalten Krieg, die Angst vor einem Atomschlag. Angesichts aktueller Kriege und Krisen – etwa dem Terror in Paris – suche das Publikum auch bei Serien offenbar eher nach leichter Unterhaltung. An zu wenig Werbung, zu wenig Aufmerksamkeit im Netz und in den sozialen Medien hat es nach Ansicht von Steffens nicht gelegen. Plakat, Trailer, Social-Media-Strategie – all dies habe man in enger Kooperation mit den Kreativen entwickelt: „Wir haben extrem viel gemacht.“

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Und ändert RTL, das unter dem Programmgeschäftsführer Frank Hoffmann auf Qualitätsproduktionen setzt, seinen Kurs? „Wir werden unsere Strategie nicht ändern, wir werden weiter der Partner für junge und aufstrebende Talente sein. Da wird noch einiges kommen“, sagt Philipp Steffens und verweist beispielgebend auf die Kreativen, die an dem Film „Starfighter – Sie wollten den Himmel erobern“ oder an „Deutschland 83“ beteiligt waren: Schauspieler wie Picco von Groote, Steve Windolf und Jonas Nay, die Drehbuchautorin Anna Winger oder den Regisseur Edward Berger.

Deutschland 83 © RTL / Conny Klein Vergrößern Sie zog im Hintergrund die Strippen: Maria Schrader als DDR-Agentin Leonora Rauch.

Doch geht die Serie „Deutschland 83“, für deren Fortsetzung die Ufa-Produzenten Nico Hofmann und Wolf Bauer schon fleißig geworben haben, nun in die zweite Runde? „Das kann ich abschließend noch nicht sagen“, gibt Steffens zu Protokoll. „Die letzten Quoten sind noch nicht vollständig ausgewertet. Wir haben großartige Auslandserlöse, aber weniger Erfolg bei unserem Publikum. Wir müssen schauen, was wir machen und wie wir es machen.“

Eine Zusicherung für eine zweite Staffel, wie sie die Produzenten gern hätten, klingt anders. Über die Feiertage wird RTL gewichten, wie schwer der Erfolg im Ausland und der Misserfolg im eigenen Programm wiegen. Wobei man beachten muss, dass es sich bei dem amerikanischen Sender „Sundance TV“, von dem die Euphorie in Amerika ausging, um einen kleinen Abosender und bei RTL um das Programm für ein großes Publikum schlechthin handelt. Vom Erfolg bei der Kritik kann sich der Sender auch nichts kaufen. Es wird den Verantwortlichen vielmehr zu denken geben, dass die ersten beiden Folgen von „Deutschland 83“ 3,22 Millionen Zuschauer hatten, es eine Woche später aber eine Million weniger waren. Schaut man auf die Serie selbst, kann man das – wie in der an dieser Stelle erschienenen Kritik analysiert  – verstehen: „Deutschland 83“ setzte mit Aplomb an, schwächelte inhaltlich aber schnell. Das ist RTL nicht entgangen. Unsere Prognose: Damit geht es 2016 nicht weiter.

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