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Die neue „Anstalt“ des ZDF : Sie wollen deutlich weniger Merkel wagen

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Insassen der „Anstalt“: Max Uthoff (links) und Claus von Wagner Bild: Foto ZDF

Generation Satire: Max Uthoff und Claus von Wagner sind die Neuen in der selbstbezüglichen ZDF-Reihe „Anstalt“. Den möglichen Erfolg des Formats beurteilen sie nüchtern, Pointen aus der Wundertüte schließt das nicht aus.

          Folgsame Hofnarren werden sie gewiss nicht sein. Wenn das ZDF von heute an versucht, den Erfolg seiner Kabarett-Sendung „Neues aus der Anstalt“ mit veränderter Besetzung fortzusetzen, ist mit Überraschungen durchaus zu rechnen. Denn Max Uthoff und Claus von Wagner haben einen kritischen Blick nicht nur auf die große Politik, sondern auch auf die Kollegen, die neben ihnen im ZDF auftauchen.

          Dem Talk-Reigen eines Markus Lanz können sie dabei ebenso wenig abgewinnen wie der Merkelmania ihres Anstalts-Vorgängers Urban Priol. „Wir werden sicher nicht so merkelaffin sein wie Urban und versuchen, Themenschwerpunkte zu setzen, von denen wir glauben, dass sie so wichtig sind, dass wir da eine Minute länger drüber reden“, sagt Max Uthoff im Gespräch.

          Uthoff und von Wagner träten „kein leichtes Erbe“ an, meint der ZDF-Unterhaltungschef Oliver Fuchs. Urban Priol und Frank-Markus Barwasser hatten sich bekanntlich entschieden, „Neues aus der Anstalt“ zu beenden. Nun sollten die Neuen die „erfolgreiche Kabarett- und Comedystrategie fortführen und ergänzen“. Max Uthoff sieht seine Chance darin, gegen Erwartungshaltungen anzugehen. Auch der Gedanke an die Quote müsse aus dem Kopf. Nach zwei bis drei Sendungen werde man sehen, wohin die Reise gehe.

          „Gesellschaftliche Veränderung bei völligem Reichtum“

          Anfangs, verrät er, hätten sie zu dritt mit Christine Prayon arbeiten wollen, doch habe sich das ZDF „quergelegt“, und dann habe die aus der „heute show“ bekannte Prix-Pantheon-Preisträgerin keine Lust mehr gehabt. Dann ließ das ZDF zwei Piloten anfertigen: „Einen mit uns und einen mit Kollegen. Jetzt muss das ZDF schauen, wie sie damit umgehen. Sie haben sich das selbst ausgesucht.“ Claus von Wagner, der Geschichte und Medienrecht studiert, nennt Werner Fink als Vorbild und gibt als persönliches Ziel „gesellschaftliche Veränderung bei völligem Reichtum“ an. Das sei schon das Thema seiner Magisterarbeit: „Zwischen Gesellschaftskritik und Eigenwerbung: das sind die Pole, die man beackert.“

          Wie und ob politische Satire heute noch die Gesellschaft verändern kann, darüber geben sich die beiden keinen Illusionen hin. Fernsehen sei „Mittel zum Zweck, um erhöhte Aufmerksamkeit zu nutzen“. Claus von Wagner, der als Kolumnist auf Bayern 3 mit dem „Tagebuch des täglichen Wahnsinns“ zu hören ist, hat gestaunt, als sein Anstalts-Vorgänger Frank-Markus Barwasser zum Thema Wasser-Privatisierung Menschen dazu gebracht habe, sich einer Initiative anzuschließen. Sein Antrieb laute eher: „Gucken wir mal, wie weit wir gehen können.“ Claus von Wagner seziert, was Macht aus Politikern macht.

          Eine bestens portionierte Wundertüte

          Er macht sich lustig über den Index des Ifo-Instituts („den füllen Praktikanten aus“). Oder die beiden sprechen über die ADAC-Krise: „Hören Sie mal, waren Engel früher nicht weiß?“, fragt Uthoff. „Ja“, antwortet von Wagner, „das war, bevor der ADAC sie besudelt hat.“ Ob die Szene es in die Premiere schafft, ist noch offen, sie bedient aber Max Uthoffs Hang „zum zynischen Oneliner“, der in diesem Fall von Claus von Wagner stammt. Der braucht, wie er sagt, in der Regel etwas Anlauf. Uthoff wiederum ist froh, vom unsichtbaren Dritten im Bunde, dem Journalisten Dietrich Krauß, der auch für die „heute show“ schreibt, manchmal gebremst zu werden. Krauß achte darauf, „dass unsere Thesen mit Fakten untermauert werden“.

          So erwartet die Zuschauer zum Start der „Anstalt“ eine bestens portionierte Wundertüte. Die Solos sollen kürzer werden, die jeweils drei geladenen Gäste kommen zu ihrem Recht und nahezu grenzenloser Freiheit. „Wir dürfen nur nicht justitiabel werden und die Grenze zur Schmähkritik überschreiten“, sagt Max Uthoff. Darüber wache der Redakteur, der auch die „heute show“ betreut. Bleibt die Abgrenzung zur „heute show“, deren festes Mitglied Claus von Wagner seit 2012 war. Max Uthoff verspricht mehr Tiefgang: „Wenn wir sehen, die setzten auf ein Thema, hat das bei uns keinen Sinn. Aber ohne ihnen nahetreten zu wollen, gibt es Punkte, an denen ich gern weitermachen würde. Da wird es schmerzhaft.“

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