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„Die Nazi-Braut“ bei ZDFinfo Eine Strategin des Terrors

Die ZDF-Dokumentation „Die Nazi-Braut“ zeichnet mit beeindruckender Deutlichkeit ein Bild von Beate Zschäpe als Täterin aus eigenem Antrieb. Bereits als Jugendliche trat sie gewalttätig auf.

© dpa Blick auf das zu Anfang November 2011 durch eine Explosion zerstörte Haus der rechtsextremen Terrorzelle in der Frühlingsstraße in Zwickau

Der Titel des Films benennt das Missverständnis, mit dem die beiden Autoren Rainer Fromm und Christian Deick aufräumen: „Die Nazi-Braut“. Genau das aber, eine Mitläuferin, ein Anhängsel, ein Groupie ist Beate Zschäpe nicht. Vor dem Oberlandesgericht München ist sie wegen Mordes in zehn Fällen, versuchten Mordes in 28 Fällen, Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, räuberischer Erpressung und besonders schwerer Brandstiftung angeklagt.

Nazi-Aufmärsche und eine Attacke auf die Gedenkstätte Buchenwald

Michael Hanfeld Folgen:

Im April soll der Prozess gegen die mutmaßliche Rechts-Terroristin des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) beginnen. Er halte die Anklage in vollem Umfang für gerechtfertigt, sagt ein Anwalt, der eines der Mordopfer vertritt, im Film.

Dass er damit richtig liegt, und alle, die vielleicht dachten, Beate Zschäpe habe bei dem Terror-Trio eine untergeordnete Rolle innegehabt, auf dem Holzweg sind, das macht der Film beeindruckend deutlich klar. Dafür müssen die Autoren nur die Biographie der Beate Zschäpe nachzeichnen, die schon in Jugendjahren als Täterin aus eigenem Antrieb aufgefallen ist, da sie andere krankenhausreif schlug.

„Sie war Täter“, sagt der IG-Metall-Mann Michael Ebenau, der sich gegen Neonazis engagiert. Von einer Biographie, die „eskaliert“, spricht der Politikwissenschaftler Hans-Gerd Jaschke. Weshalb das stimmt, zeigen die Stationen dieser Vita: Nazi-Aufmärsche, eine Provokationsattacke in der Gedenkstätte Buchenwald, schließlich, im Januar 1998, der Fund einer Bombenwerkstatt mit passfertigen Rohrbomben und 1,4 Kilogramm TNT.

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Doch bevor ein Haftbefehl erlassen wird, tauchen Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt unter. Wie man heute weiß, beginnen sie ihre Mordserie, der neun Einwanderer und eine Polizistin zum Opfer fallen und die erst im November 2011 endet, als ein Bankraub der Gruppe fehlschlägt und sich Mundlos und Böhnhardt - nach jetzigem Ermittlungsstand - selbst töten.

Wie war es möglich, dass die Gruppe unentdeckt blieb?

Beate Zschäpe fährt da erst noch zur gemeinsamem Wohnung, setzt diese in Brand, verbreitet das zynische Bekennervideo des NSU in zwölf Kopien und reist einmal quer durch die Republik. Dass das eine kopflose Flucht war, bezweifelt die Linken-Politikerin Katharina König, die im NSU-Untersuchungsausschuss des Thüringer Landtags sitzt. Es sieht vielmehr wie die letzte Aktion einer Frau aus, die ausgesprochen strategisch vorging und - soviel man weiß - in den Vernehmungen der Polizei bislang zu allen Vorwürfen mit großer Selbstgewissheit schweigt.

Das halbstündige Stück von Rainer Fromm und Christian Deick muss sich auf die Rolle der Beate Zschäpe konzentrieren, die Fragen, die sich zu den Ermittlungen ergeben, vor allem zur Rolle des Verfassungsschutzes, lässt es notgedrungen außen vor. Die stellt man sich als Zuschauer schon selbst: Wie war es möglich, dass eine solche Gruppe unentdeckt blieb und mehr als ein Jahrzehnt lang aus dem Untergrund zehn Morde, Bombenanschläge und Banküberfälle beging?

Ob die Untersuchungsausschüsse und das Gericht die Zusammenhänge werden aufklären können? Dem Film „Die Nazi-Braut“ fehlt nur eines: ein Sendeplatz im ZDF-Hauptprogramm. Er läuft auf dem Digitalkanal ZDFinfo.

„Die Nazi-Braut“ läuft am 13. Februar um 17.45 Uhr bei ZDFinfo.

Quelle: F.A.Z.

 
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