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Veröffentlicht: 11.03.2016, 22:16 Uhr

Serie „Bosch“ bei Amazon Dieser Mann ist schon ein ganz besonderer Fall

Bei Amazon läuft eine Krimiserie über einen Ermittler in Los Angeles, die nur auf den ersten Blick altmodisch wirkt. Bei näherer Betrachtung überrascht sie durch ihre Eindringlichkeit: „Bosch“.

von Nina Rehfeld
© AMAZON STUDIOS/FABRIK ENTERTAINM, Amazon Studios Serientrailer: „Bosch – Staffel 2“

„Wusstest du, dass Haie blaue Augen haben?“, wird Harry Bosch (Titus Welliver) in einer Episode der Serie „Bosch“ von seiner Kollegin Julia Brasher (Annie Wersching) gefragt. „Wie Brad Pitt“, sagt sie, und Bosch entgegnet: „Ich hätte jetzt Paul Newman gesagt.“

Harry Bosch ist ein altmodischer Typ. So altmodisch, dass er wie ein Neuling wirkt in einer Fernsehlandschaft, die vor exaltierten Kriminalermittlern nur so strotzt, die zumeist irgendwelche Defekte haben, selbst Täter („Dexter“) oder Superhelden („Jessica Jones“) sind oder im Labor kampieren („CSI“). Bosch verfügt über keine Superkräfte, er ist nicht korrupt und kein Psychopath. Er sucht keine forensischen Labore auf, sondern den Rat eines Freundes, der sich mit archäologischen Ausgrabungen beschäftigt. Bosch ist ein Einzelgänger, schätzt Whisky, melancholischen Jazz und die Schattenseiten des sonnigen Los Angeles. Er ist eine Figur im Geiste eines Dashiell Hammett oder Raymond Chandler.

Benannt nach dem holländischen Maler

Dass man diesem Mann in eine Welt von Schuld und Sühne folgt, ist vor allem dem gemächlich-eindringlichen Rhythmus geschuldet, mit dem die Geschichten des Krimiautors Michael Connelly erzählt werden. Connelly war vierzehn Jahre lang Polizeireporter in Florida und Los Angeles, bevor er mit Hieronymus „Harry“ Bosch einen fiktionalen Ermittler schuf, benannt nach dem holländischen Maler aus dem 15. Jahrhundert.

„Bosch ist der typische Antiheld“, sagt Titus Welliver im Gespräch. Er könne sich mit dem Gefühl von Verlust, Einsamkeit und Entfremdung, das Bosch prägt, identifizieren, sagt der Schauspieler, der in seinem eigenen Leben den Tod von drei Geschwistern, seiner Stiefmutter und seiner Ehefrau verkraften musste. „Dieser Mann ist von dem Drang getrieben, seine eigenen Dämonen auszutreiben.“ Welliver, den man als den mysteriösen „Man in Black“ aus „Lost“ kennt, erinnert äußerlich eher an George Clooney als an Humphrey Bogart, in der Rolle als Bosch sind seine Züge von einer tiefen Melancholie geprägt. Wenn Bosch überhaupt mal lächelt, wird sein Gesicht zu einer sarkastisch-zerquälten Grimasse.

„Man macht halt seinen Job, fertig.“

In der ersten Staffel der Serie tritt Bosch nicht nur als Ermittler, sondern auch als Angeklagter in Erscheinung. Während er den Mörder eines kleinen Jungen jagt, steht Bosch selbst vor Gericht. Er hat einen mutmaßlichen Serienkiller erschossen, der angeblich unbewaffnet war. Das, meint die Staatsanwaltschaft, habe mit Boschs eigener Geschichte zu tun: Seine Mutter, eine Prostituierte, wurde ermordet, als er elf war, seither habe er nichts im Sinn außer Rache. Das ist nicht ganz von der Hand zu weisen, doch ist Bosch vor allem Profi: „Man macht halt seinen Job, fertig.“

39036956 © Amazon Vergrößern Tougher Typ der alten Schule: Auch in der zweiten Staffel von „Bosch“ regelt Harry die Dinge auf seine Art.

Vieles hier hat man tausendfach gehört und gesehen, von den Dialogen bis zum Charakter des Helden: Bosch macht keine Kompromisse, er schert sich nicht darum, ob andere ihn mögen, er hat einen unbeugsamen Gerechtigkeitssinn. Doch gerade durch ihre entspannte Attitüde weiß die Serie zu bestechen. Sie setzt auf sorgfältige Figurenzeichnung (bis in die Nebenrollen ist die Besetzung hervorragend) und eine stille, nachhaltige Entfaltung der Story. Die Serie versenkt sich über zehn Folgen hinweg in einen einzigen Fall, der für Bosch, seinen Chef Irvin Irving (Lance Reddick) und den ehrgeizigen Bezirksstaatsanwalt Rick O’Shea (Steven Culp) sehr unterschiedliche Bedeutung hat. Sie verhandelt zudem die komplizierte Beziehung zwischen Bosch und seiner Kollegin Brasher sowie das Katz-und-Maus-Spiel mit einem narzisstischen Killer (Jason Gedrick).

Mehr zum Thema

Achtzehn „Bosch“-Romane sind bisher erschienen, welche die Serie aber nicht chronologisch nacherzählt, sie arbeitet vielmehr mit Versatzstücken aus verschiedenen Bänden. „Man kann ja inzwischen Serien-Fernsehen machen, das von den Figuren vorangetrieben wird, Charakterfernsehen sozusagen“, sagt Michael Connelly im Gespräch. An der Serie wirkt er als Produzent mit, schaut auf die Drehbücher und schreibt manche selbst. „Ich habe meine Romane als Kapitel einer fortdauernden Geschichte geschrieben, und dasselbe haben wir mit dieser Serie im Sinn“, sagt Conelly. „Dies ist die einzige Welt, die wir haben, und sie ist voll von verlorenem Licht“, sagt Harry Bosch in der Serie. Damit drückt er auch die Ahnung aus, dass auch für ihn die Dinge noch dunkler werden. Dabei liegt am Ende der ersten Serienstaffel schon alles im Argen.

Die zweite Staffel von Bosch ist von heute an bei Amazon Prime verfügbar.

Quelle: F.A.Z.

 

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