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Veröffentlicht: 16.12.2012, 17:00 Uhr

„Die kleine Lady“ im ZDF Die meinen das wirklich ernst

Süßer Brei: Das ZDF stellt dem ehrwürdigen Klassiker „Der kleine Lord“ nun „Die kleine Lady“ gegenüber und schickt einen Film ins Weihnachtsrennen, in dem alles auf furchtbar geradlinige Weise exakt so kommt, wie man es erwartet.

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© ZDF/Petro Domenigg Bitte recht mumienhaft: die Großmutter (Christiane Hörbiger) und die „kleine Lady“ (Philippa Schöne)

Es gibt Menschen, die gern Floskeln wie „gegen den Strich gebürstet“ verwenden, um einen kreativen Umgang mit Denkmustern oder Vorlagen zu bezeichnen.

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Höchstwahrscheinlich würden sie auch wohlwollend kommentieren, dass sich amerikanische Drehbuchautorinnen, ZDF und ORF sowie diverse Filmförderungsinstitutionen zusammengetan haben, um dem ehrwürdigen Weihnachtsfilmklassiker „Der kleine Lord“ nun „Die kleine Lady“ gegenüberzustellen. Die heißt Emily, wächst bei der Mutter in New York auf, kämpft gegen Obrigkeiten, für Frauenrechte, hat lange blonde Haare, auffällige Zähne und redet, wie ältliche Erwachsene sich Kinder so vorstellen: „Wie eine junge Dame“ soll sie sich verhalten? Das macht sie erst, „wenn die Jungen sich wie Gentlemen benehmen“.

Alles wie erwartet

So breit und platt diese Ebene den Anfang prägt, so plötzlich fällt all das hintüber, als Emily (Philippa Schöne) nach Österreich verfrachtet wird, wo sie im Schloss ihrer Großmutter väterlicherseits das Aristokratensein lernen soll, und wer sie durch die Schlossflure schlittern, den drolligen Hund herzen und mit dem kleinen proletarischen Apfeldieb von nebenan spielen sieht, weiß gleich, dass das nicht gutgehen kann.

Schließlich hieß es schon in New York, dass man „ein gutes Herz für Gold nicht kaufen kann“, sprich, dass der Wildfang eher die angestrengt mumienhafte Großmutter (Christiane Hörbiger) umkrempeln würde als umgekehrt, und so kommt es dann auch, wie überhaupt alles auf furchtbar geradlinige Weise exakt so kommt, wie man es erwartet. Dialogzeilen wie „Schon wieder weglaufen - und was ist mit Großmutter?“, oder, „Wir sollten auf das Schlimmste gefasst sein“ inklusive.

Kein gutes Zeichen

Der Rest ist Kulisse: ein dekorativ angeschmuddeltes New York, Niederösterreich aus der Luft, das Spielzeugschloss, die Streuobstwiese, und über all dem Musik, die in ihrer Gefälligkeit sehr schnell sehr stört. Das können die nicht ernst meinen, denkt man, irgendwann muss das kippen, aber es kippt nicht: Die meinen das ernst.

Irgendwo, so scheint man sich beim ZDF gedacht zu haben, irgendwo muss es auch für diesen zusammengerührten, klebrigen Brei Zuschauer geben. Dass man sie dann beim eigenen Stammpublikum ausgemacht hat, ist kein gutes Zeichen.

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