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„Die Kennedys“ bei Arte Der Präsident war seines Vaters dritte Wahl

 ·  Gutes Handwerk, beste Schauspieler, unter ihnen Katie Holmes als Gattin des Präsidenten: Die Kurzserie „Die Kennedys“ wirkt wie eine Legende aus ferner Zeit. Auch deshalb sieht man sie gern.

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© Arte Szene aus der sechsten Folge: Jackie (Katie Holmes) und Jack Kennedy (Greg Kinnear) bei einer Gala im Weißen Haus

Handwerklich ist alles, was wir in der achtteiligen Kurzserie „Die Kennedys“ von heute an bei Arte zu sehen bekommen, mindestens solide, meist jedoch mehr als ordentlich und bisweilen sogar richtig gekonnt. Auf schrille oder im Übermaß sentimentale Effekte wird verzichtet, nicht zuletzt deshalb ist das Ganze sehr unterhaltsam. Und dazulernen kann man auch, zumal in den ersten beiden Folgen, die sich auf dramaturgisch ebenso kluge wie anspruchsvolle Weise dem Aufstieg des Familienclans und der Vorgeschichte von John F. Kennedys Präsidentschaft widmen.

Wer nicht gerade Spezialist für amerikanische Zeitgeschichte ist, wird hier etwa erfahren, dass die Begrenzung der präsidialen Amtszeit auf maximal zwei Vierjahreszyklen erst seit 1951 gilt: Franklin D. Roosevelt, der die Geschicke der Kennedys ganz erheblich beeinflusste, war bereits in seiner vierten Amtszeit, als er wenige Wochen vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs starb.

1940, kurz vor dem Ende der zweiten Wahlperiode, feuerte Roosevelt seinen wichtigsten Botschafter, weil der in London so unermüdlich wie öffentlich gegen den Kriegseintritt der Vereinigten Staaten gewettert und dabei durchaus Verständnis für Hitlers Anspruch auf „ein großdeutsches Reich“ gezeigt hatte. Der Botschafter hieß Joseph P. Kennedy.

Der Clanchef scheitert an Roosevelt

Sein enormes Vermögen hatte er an der Börse, im Filmgeschäft, vor allem jedoch mit illegalem Schnapshandel während und dem Verkauf gehorteter Lagerbestände nach dem Ende der Prohibition im Jahr 1933 gemacht. Sein ehrgeizigstes Ziel war es, Roosevelt als Präsident nachzufolgen. Es scheiterte mit dessen dritter Wiederwahl endgültig.

Die Serie setzt am 7. November 1960 ein. Es ist der Vorabend zur Wahl des fünfunddreißigsten Präsidenten der Vereinigten Staaten. John F. Kennedy, dreiundvierzig Jahre alt und Kandidat der Demokraten, schwört die Amerikaner noch einmal auf das „Leuchtfeuer der Freiheit“ ein, das er mit seiner Präsidentschaft entfachen wolle.

Nach der kurzen Exposition aber blendet die erste Folge sofort in die Jahre 1937 und 1938 zurück, als Joseph P. Kennedy zu seinem politischen Höhenflug ansetzt. Sehr konsequent springt die Handlung von nun am zwischen dem Wahltag im November 1960 und denjenigen Stationen hin und her, welche die Kandidatur von Josephs zweitältestem Sohn John F. Kennedy, genannt Jack, erst möglich machten.

Zwischen Jovialität und Skrupellosigkeit

Die Entscheidung des kanadischen und durch die Echtzeitserie „24“ bekannt gewordenen Regisseurs Jon Cassar, dieses Mal auf lineares Erzählen zu verzichten, zeitigt sehr rasch ein stupendes, machtstrategisch wie familienpsychologisch zudem höchst plausibles Resultat: Jack Kennedy, für die Weltöffentlichkeit alsbald der strahlende junge Präsidentenheld, war für dessen Vater lediglich die dritte Wahl.

Noch einleuchtender und eindringlicher wird die fatale Situation des Sohnes durch die Art, in welcher der Brite Tom Wilkinson den Clanchef der Kennedys spielt. Sein Joe Sr., oszillierend zwischen Güte und Eiseskälte, Jovialität und Skrupellosigkeit, ist fabelhaft - fast bedauert man, diese Figur erst kennenzulernen, als ihr gesellschaftlicher Rang und der längst legalisierte Reichtum selbstverständlich sind.

“Wie gut ist Katie Holmes als Jackie Kennedy?“ Den deutschen Boulevard bewegte in den Tagen vor der Ausstrahlung der Serie bei Arte und angesichts der Scheidung der Schauspielerin von Tom Cruise vor allem diese Frage. Katie Holmes ist passabel, zunächst noch etwas blass, dann zunehmend evident.

Höhen und Tiefen einer kurzen Amtszeit

Das gilt auch für die Hauptfigur selbst, den John F. Kennedy des Greg Kinnear. Herausragen darf zu Beginn Gabriel Hogan, der Jacks älteren Bruder Joe Jr. in aller blasierten Eleganz der amerikanischen Bürgeraristokratie spielt. Nachdem die eigenen Pläne gescheitert waren, hatte der alte Kennedy diesen Sohn zum Kampf um Amerikas höchstes Amt auserkoren: Er kam 1944 beim Luftkrieg über dem Ärmelkanal ums Leben. Herausragend in allen Folgen ist Barry Pepper, der Robert F. Kennedy, Jacks jüngeren Bruder Bobby, darstellt.

In Amerika waren „Die Kennedys“ sehr umstritten, gar vom „Charaktermord“ am bisher jüngsten Präsidenten des Landes war die Rede. Am Ende der zweiten Folge ist der Triumph über den republikanischen Konkurrenten Richard Nixon perfekt. Inhaltlich beschäftigt sich die Serie dann naturgemäß mit den Höhen und Tiefen der nur 1036 Tage währenden Amtszeit von John F. Kennedy - vom Desaster in der Schweinebucht bis zum Attentat am 22. November 1963 in Dallas.

Und ebenso naturgemäß zeigt sie auch die Obsessionen und Makel dieses Präsidenten. Denunziatorisch ist sie nie, also auch nicht, wenn es um die Affäre mit Marilyn Monroe (erstaunlich gut: Charlotte Sullivan) geht. Hierzulande hat all dies kaum noch ein Potential für moralische oder politische Debatten. Im Gegenteil: Man sieht diese Serie wie eine Legende aus ferner Zeit, also durchaus nicht ohne Nostalgie. Aber man sieht sie gern.

Die Kennedys: Die ersten drei Folgen laufen heute, die Folgen vier bis sechs am 2. August, die Folgen sieben und acht am 9. August. Jeweils von 20.15 Uhr an, jeweils bei Arte.

Quelle: F.A.Z.
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Jahrgang 1951, Redakteur im Feuilleton.

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