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TV-Film „Die Hannas“ : Noch etwas mehr Chili?

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Till Butterbach (Hans) und Anna König (Anna) sind so miteinander verschmolzen, dass ihre Freunde sie nur „die Hannas“ nennen. Bild: dpa

In „Die Hannas“ wird eine Langzeitbeziehung geprüft. Kamera, Musik und zwei umwerfende Hauptdarsteller machen diese Komödie der Irrungen zum wunderbaren Sommerabendfilm.

          „Ihr seid das einzige Paar, das es schafft, im Kompromiss glücklich zu sein“, meint Freundin Lisa (Anne Ratte-Polle) noch, und am Anfang fühlen sich die beiden „Hannas“ schwer gebauchpinselt durch die gewohnheitsmäßige Bewunderung der Bäumchen-wechsel-dich-Paare und Ach-so-vergnügten-Singles, die es nicht auf die Reihe kriegen mit der Langzeitliebe. Die Hannas, das sind Anna (Anna König) und Hans (Till Butterberg), in den Dreißigern. Exoten, angestaunt wie ein Schwanenpaar. Seit fünfzehn Jahren zusammen, mit unabsehbarem Ende. Der gemeinsame Sex ist, klar, selten geworden und einer wahnsinnigen Kochleidenschaft gewichen. Es brodelt immer etwas auf dem Herdfeuer dieser Häuslichkeit. Gulasch, Knödel und mengenweise Phantasiekreationen. Die Hingabe der zwei Heimchen stellt ihnen die erstaunlichsten Speisefolgen zusammen. Und warum sollte man eigentlich nach Mexiko fliegen, wenn man auch ohne Kofferchaos in der großen Stadt Berlin Authentisches kriegt?

          Man sieht die Folgen der behäbigen Gemütlichkeit vor allem als weiches Hüftgold und geschlechterübergreifend schwellende Busenwölbung. Macht nichts. Sie sind glücklich mit der leichten Formlosigkeit in Körper und Leben, so glücklich, wie man es dauerhaft sein kann. Also sehr, meinen sie. Ihr Einschlafritual mit Kinderstimmenwechselfiepen und Mangobäumchen-Bauchreden, Hampelmann-Nacktturnen und ausufernder Menüplanung zwischen den Laken, ein Quell absonderlicher Peinlichkeitenfolge für Zuschauende, ist wegen seiner Intimität trotzdem irgendwie rührend. So kann es weitergehen in diesem Verwechslungskomödien-Paartausch-Film mit Oscar-Wilde-Touch.

          Denn so kann es natürlich nicht bleiben. Als Anna, die Physiotherapeutin, Nico (Ines Marie Westernströer) als Patientin unter die Hände bekommt, wird das meiste anders. Irritierend. Flirrend. Aus der medizinischen Massage wird vorsichtiges Flirten, entstehen entschieden erotische Berührungen zwischen den Frauen. Hans trifft inzwischen Nicos Schwester Kim (Julia Becker) als online gebuchte Bootcamp-Fitnesstrainerin mit Demütigungsauftrag, die ihn und zwei andere „fette Schweine“ in Unterhose mit Baseballschläger durch den Wald jagt. Eine Flucht, ein Stolpern, einen ungewollten Waffentausch später findet Hans heraus, dass es Spielarten der Anziehung gibt, von deren Geheimnissen und Aufregungen er keine Ahnung hatte, die ihm aber sehr gefallen. Anna und Hans beginnen beide eine Affäre. Sollte die Zukunft mehr in petto haben als handgeformte Sommerrollen mit Maracuja-Chili-Dressing?

          Julia C. Kaisers (Buch und Regie) zweiter Langfilm ist ein leicht und mutwillig sprunghaft erzählendes Beziehungsstück mit offenherzigen Charmehäufungen. Durchweg überraschende und oft originelle Kamerasichtweisen (Dominik Berg), ein ungewöhnliches Sounddesign (Musik von Sorry Gilberto, Dominik Berg und Coleslaw Clubbing) und zwei umwerfende Hauptdarsteller machen diese Komödie der Irrungen zum wunderbaren Sommerabendfilm. So viel natürlich und uninszeniert wirkende, pornofreie Nacktheit sieht man selten (im Fernsehen) und auch bei Arte und der ARD nur in der zweiten Primetime. Die späte Stunde könnte Langzeitpaare zu schönsten Hoffnungen berechtigen. Auch wenn sich „Die Hannas“ als rührende Feier der Dauerbeziehung erst auf den zweiten Blick zu erkennen gibt.

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