http://www.faz.net/-gqz-79lyx

Die Fußball-Doku „Trainer!“ : Wir rennen um unser Leben

Auf geht’s; Männer: Frank Schmidt schwört die Spieler auf das Match ein Bild: WDR / Pausefilm

Der Autor Aljoscha Pause ist berühmt für seine Fußball-Dokus. Sein neuer Film widmet sich dem ebenso glamourösen wie gnadenlosen Job der Trainer. Von Klopp über Veh bis Schaaf: Alles stimmt.

          Der Dreifach-Erfolg des FC Bayern München kennt bei allem Jubel, beim Erstaunen über das Spiel dieser Mannschaft, bei der internationalen Anerkennung für diese außergewöhnliche Leistung ein Zentrum: Es ist der Trainer, Jupp Heynckes, der Achtundsechzigjährige, der vor geraumer Zeit schon als Auslaufmodell galt, dann als Nothelfer, nun aber als Superstar erscheint, der seinem Nachfolger Pep Guardiola ein schweres, nicht zu übertreffendes Erbe hinterlässt und der künftig vielleicht sogar einer Mannschaft wie Real Madrid auf die Erfolgsspur verhelfen könnte.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Doch was macht der Triumphator? Er erträgt die Bierduschen, genießt still, freut sich und spricht von der Leistung der Mannschaft, seiner KoTrainer, des „Funktionsteams“ und spricht von Akribie, harter Arbeit und Disziplin. Er spricht also von all dem, was hinter dem schönen Spiel steckt, aber kaum einer sieht, am wenigsten die Fernsehkommentatoren.

          Genau davon handelt der Film „Trainer!“ von Aljoscha Pause, der am 11. Juni Kinopremiere feiert, den das WDR-Fernsehen aber schon am heutigen Montag in einer auf anderthalb Stunden gekürzten Fassung zeigt. Drei Trainer hat Pause eine Saison lang begleitet: Frank Schmidt, der mit dem 1. FC Heidenheim um den Aufstieg in die zweite Liga kämpft; André Schubert, an dem St. Pauli nicht lange festhält; und Stephan Schmidt, der mit dem SC Paderborn in der zweiten Liga Euphorie und Verdruss in einem stetigen Wechsel erfährt.

          Lange ohne Verein, jetzt zum Retter des VfL Bochum geworden: Peter Neururer

          „Gewinnst du Spiele, wirst du gefeiert. Verlierst du Spiele, bis du der Depp“, sagt Thomas Meggle, der bei St. Pauli eben noch Kotrainer ist und von der Loyalität zum Chef spricht, sich dann aber selbst interimsweise auf dessen Schleudersessel wiederfindet. Jetzt ist er dran, und auch er kann noch so gut sein, noch so hart trainieren, die Spieler auf sich einschwören. Verlieren sie Spiele, ist er als Nächster dran.

          Druck, Druck, Druck

          Es ist ein gnadenloses Geschäft, in dem man nach bestem Wissen und Gewissen sich aufreiben kann und am Ende doch niemals weiß, ob man dafür entlohnt wird. Fußballspielen können sie alle, welche die Trainer da auf den Platz schicken, doch ob sie als Mannschaft „funktionieren“ und erst recht, ob sie, wie es in Interviews so oft heißt, „ihre Leistung abrufen“ und Erfolg haben, dafür kann der Trainer nicht wirklich sorgen. Und auch nicht dafür, dass seine Leistung fair beurteilt wird.

          Über sein Schicksal entscheidet das Spielergebnis. Und so ist der Held, dessen Mannschaft eben fünf Siege in Serie feierte, bei vier Niederlagen am Stück plötzlich der Paria. Dafür sorgen nicht allein knüppelharte Schlagzeilen in der Presse, dafür sorgen die Fans und die Verantwortlichen im Verein. Sobald diese sich „hinter“ den Trainer stellen, weiß er, dass seine Tage gezählt sind.

          All das weiß man oder kann man sich denken, doch so spannend aus der Perspektive der Trainer erzählt bekommt man es erst in dem Film von Aljoscha Pause. Da sprechen die jungen Trainer von ihrer Hingabe (“Es ist das Beste, was mir passieren konnte“), sehen sich auf dem Weg nach ganz oben (“Ich werde in der ersten Liga trainieren, das ist Fakt“) und feuern ihre Spieler an. „Schwarz oder weiß, Tal der Tränen oder Triumphzug, wir rennen um unser Leben, vergesst aber nicht die taktische Ausrichtung!“, brüllt der Trainer Frank Schmidt in der Kabine vor dem Spiel, das über den Aufstieg entscheidet. Nur ein Tor braucht seine Mannschaft. Und was ist, wenn es nicht fällt? Stille.

          Noch mehr Stille ist, wenn der Trainer seine Papiere bekommt. Meist ist es ein Anruf. Eben noch steht der Trainer im Herzen des Kommunikationsorkans. „Und dann ist man plötzlich nicht mehr gefragt“, sagt der Veteran Peter Neururer, den Aljoscha Pause ebenso vor die Kamera holt wie Jürgen Klopp, Armin Veh, Mirko Slomka, Hans Meyer, Michael Oenning, Thomas Schaaf und den DFB-Trainerausbilder Frank Wormuth. „Was wir machen ist Wahnsinn. Nur Druck, Druck, Druck“, sagt er an einer Stelle. „Wenn du in einen Verein kommst mit einem schlechten Präsidium, bist du verloren“, weiß Jürgen Klopp.

          In der DDR wurde er groß, im Westen berühmt: Hans Meyer

          Man solle sich im Erfolg nicht zu sehr bejubeln lassen, meint Hans Meyer, der es auf 39 Trainerjahre bringt, dann könne man „den Schlag von hinten besser wegstecken“. Hilft zwischendurch eine Wutrede, wie sie Bruno Labbadia, der Trainer des VfB Stuttgart, sie in dieser Saison hielt (die Trainer sind nicht die „Mülleimer“ für alle - „am Arsch geleckt“)? Das würden viele gerne mal machen, sagt Armin Veh: „Aber es macht wenig Sinn.“ Denn am nächsten Spieltag geht es weiter mit dem Theater.

          Vor Aljoscha Pauses Kamera reden Trainer, Manager und Spieler Tacheles - in guten wie in schlechten Tagen. Mehr als ein Dutzend Dokumentationen und Filme hat Aljoscha Pause schon über den Fußball gedreht, einer der wichtigsten dürfte „Das große Tabu - Homosexualität und Fußball“ gewesen sein. Mit „Trainer!“ gelingt Pause der nächste packend-aufklärende Film über den Sport, von dem in diesem Lande und weltweit so viele meinen, sie wüssten alles davon.

          Weitere Themen

          Käfer- und Katzen-Mumien Video-Seite öffnen

          Grabstelle in Ägypten : Käfer- und Katzen-Mumien

          Archäologen in Ägypten haben am Wochenende seltene Grabfunde vorgestellt. Sie fanden am Rand der Totenstadt von Sakkara mumifizierte Katzen und eine ganze Sammlung mumifizierter Skarabäen. Diese Käfer wurden als Symbol für den Sonnengott verehrt.

          Topmeldungen

          Migranten aus Mittelamerika klettern am 29. Oktober auf den Anhänger eines Lastwagens, während eine Karawane von Menschen ihren langsamen Marsch zur amerikanischen Grenze fortsetzt.

          Flüchtlingstreck nach Amerika : Endstation Mexiko?

          Tausende Menschen schieben sich aus Honduras durch Mexiko in einer langen Karawane Richtung Amerika. Doch Donald Trumps Drohung zeigt bei den ersten Flüchtlingen Wirkung.
          Quirinale: Sitz der italienischen Regierung.

          Euro-Tief : Italien schwächt den Euro

          Der Wechselkurs der Gemeinschaftswährung fällt auf den niedrigsten Stand seit Juni 2017. Am Markt herrscht Einigkeit: Schuld daran ist Italien. Und das Verhalten der populistischen Regierung in Rom verheißt auch für die Zukunft nichts Gutes.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.