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Schröder-Doku im Ersten : Männerfreunde kann niemand trennen

Putin ist ein gern gesehener Gast bei Schröders runden Geburtstagen Bild: dpa

In Reinhold Beckmanns Dokumentarfilm über Gerhard Schröder stellt sich am Ende die interessanteste Frage: Wie steht der Altkanzler nun zu seinem Freund Wladimir Putin? Die Antwort ist überaus feinsinnig.

          Eine Stunde dauert der Porträtfilm, nach 45 Minuten wird es interessant. Dann nämlich haben Falko Korth und Reinhold Beckmann sich lange genug mit Gerhard Schröder als ehemaligem Bundeskanzler und Privatperson beschäftigt. Haben seine Herkunft geschildert. Sind mit ihm zu seinem Elternhaus gefahren. Haben mit seiner Ehefrau Doris Schröder-Köpf gesprochen. Mit Freunden, politischen Weggefährten und Journalisten. Sind mit ihm auf den Fußballplatz des TuS Talle gegangen, wo Gerhard Schröder unter dem berühmten Kampfnamen „Acker“ spielte, und haben ein bisschen gekickt. Haben mit ehemaligen SPD-Ministerinnen Kaffee getrunken und gefragt, wie das mit dem „Macho“ Schröder in den Kabinettssitzungen war. Das Geheimnis des „Hexenfrühstücks“ haben sie gelüftet (die Ministerinnen stärkten sich in einer Frauenrunde, bevor sie zu den Herren in den Ring stiegen).

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Die beiden Filmautoren haben also alles an Urteilen und Vorurteilen dekliniert, was zu Gerhard Schröder im Umlauf ist: „Alphatier, Macho, Basta-Politiker“. Sie sind Schröder dabei sehr nahe gekommen und haben ihn sehr sympathisch erscheinen lassen. Bevor es dann endlich ums Eigentliche geht: um Männerfreundschaften. Von denen erzählen der Rocksänger Klaus Meine und der Maler Markus Lüpertz. Er steuert die kernigsten Sätze zu diesem Film bei: „Gerhard Schröder ist kein Macho. Er ist ein Mann. Das ist ein Unterschied.“

          Ein außerordentlich verlässlicher Mensch

          Aber wie ist es mit dem Männerfreund Wladimir Putin? Zu dem will Doris Schröder-Köpf nichts sagen. Aber auch wirklich gar nichts. Ihren Mann hingegen ficht die Frage in der ihm eigenen souveränen Art nicht an. Putin sei ein außerordentlich verlässlicher Mensch, es sei eine menschliche Verbindung entstanden, „die man Freundschaft nennen kann“ und von Vertrauen geprägt sei. Aber über die aktuelle Politik reden die beiden Freunde nicht miteinander - will uns Gerhard Schröder weismachen. Um sich im nächsten Satz selbst zu dementieren: Wenn er jetzt, vor der Kamera, etwas zur Krise in der Ukraine sage, dann nehme er sich doch die Möglichkeit, das seinem Freund persönlich zu sagen. Ist das nicht feinsinnig?

          Schröder schweigt, um der womöglich segensreichen Geheimdiplomatie willen. Stimmt nur leider nicht. Ruprecht Polenz (CDU, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde) verweist darauf, dass sich der Altkanzler sehr wohl zu Russland und der Ukraine geäußert habe. Voller Verständnis für seinen Freund Putin, versteht sich. Und noch am Tag vor der Ausstrahlung dieses „Macht. Mensch. Schröder“ betitelten Films verwendete sich Schröder in seiner Eigenschaft als Aufsichtsratsvorsitzender der Pipelinegesellschaft Nord Stream, die mehrheitlich der russischen Gasprom gehört, für eine deutsch-russische Verständigung. Sein Männerfreund Putin ist derweil weiter auf dem Kriegspfad. Ob diese Freundschaft auch mal irgendwo aufhört?

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