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Die Dortmunder „Tatort“-Premiere Er wird doch nicht den Sittich machen

 ·  Zum ersten Mal spielt ein Ruhrpott-„Tatort“ nun in Dortmund. Die Premiere bietet einen leicht schizophrenen Kommissar, spielt mit Viererkette und lässt noch Luft nach oben.

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© WDR/Willi Weber Vergrößern Jörg Hartmann ist der Dortmunder Hauptkommissar Peter Faber. Ist er, was er isst?

Dortmund, mit 580.000 Einwohnern die achtgrößte Stadt in Deutschland, hat seit den sechziger Jahren drei klassische Standortfaktoren eingebüßt, in dieser Zeit aber auch einen Strukturwandel eingeleitet, der sich sehen lassen kann. Aus der einstigen Viereinigkeit von Bier, Kohle, Stahl und Fußball ist lediglich der Ballspielverein Borussia 09 e.V. Dortmund übrig geblieben.

Zwar stand der BVB noch unlängst selbst am finanziellen Abgrund, ist nach zwei Meistertiteln in Folge, dem deutschen Pokalsieg von 2012 und dank der Ausstrahlung von Mannschaft und Trainer aktuell aber der glanzvolle Imageträger der Stadt.

Zudem spiegelt der so dynamische wie aufwendige Jugendstil, auf den Jürgen Klopp sein Team verpflichtet, genau das wider, was Dortmund als Ruhrmetropole der Gegenwart mit der Ansiedlung von Logistikbetrieben, Finanzdienstleistern, Mikrosystemfirmen und IT-Innovatoren zum Teil schon erreicht hat, im Ganzen aber noch erstrebt: zum Synonym für energische Erneuerung zu werden und dabei auch noch sympathisch zu wirken.

In dieser Situation kommt die Entscheidung des Westdeutschen Rundfunks gerade recht, zusammen mit Köln und Münster künftig auch Dortmund zur aktuellen „Tatort“-Kulisse zu promovieren. Im vergangenen Frühjahr wurden die ersten beiden Folgen gedreht.

Mut zur Irritation

Um das „Dortmund-Fieber“ weiter steigen zu lassen, unterrichteten die lokalen Medien ihr Publikum fortwährend über das Geschehen am Set und das gleich vierköpfige Ermittlerteam mit Sitz im realfiktiven Dortmunder Polizeipräsidium. Vor einem Monat lud der WDR zur „Welturaufführung“ der ersten Folge ein, naturgemäß ins Stadion.

Diese erste Folge heißt „Alter Ego“. Der Titel beweist Mut zur Irritation. So geflügelt das Diktum inzwischen auch sein mag, für die überwiegende Mehrheit des nach Millionen zählenden „Tatort“-Publikums ist Latein gleich Bahnhof. Der Fall selbst bietet zudem keinerlei Erklärung für den Titel, kein einziger Dialog greift ihn auf.

Einer zweiten Irritation unterwirft sich dieser „Tatort“ durch seine Hauptfigur, den gerade aus Lübeck gekommenen, genauer: aus unklar bleibenden, aber gewiss nicht gloriosen Gründen ins Revier zurückgekehrten Hauptkommissar Peter Faber (Jörg Hartmann). „Das kann doch nicht sein“, sagt der Jung-Kriminalist Daniel Kossik (Stefan Konarske) gleich zu Beginn, „dass dieses Sarggesicht unser neuer Chef ist“.

Kalte Ravioli aus der Dose

Bei diesem Faber handelt es sich wieder einmal um einen Fernsehermittler, der mit sich selbst am wenigsten zurechtkommt, offenbar zutiefst beziehungsgestört ist, zwar kein Alkohol-Problem hat, dafür unter Depressionen leidet. Zum allerersten Mal begegnen wir ihm auf dem Dach einer Schule, mit wehem Blick schaut er in die Tiefe. „Sie wollen doch nicht den Sittich machen?“, fragt der Hausmeister bang, er kennt seine suizidalen Pappenheimer.

Etwas später kommt Faber ins noch leere Büro und kauert sich sogleich in die hinterste Ecke. Als alle anderen endlich nach Hause gehen, bleibt er im Kommissariat zurück und löffelt Dosen-Ravioli kalt.

Nicht leicht machen es sich der Drehbuchautor Jürgen Werner und der Regisseur Thomas Jauch bei der Dortmund-Remiere auch mit dem Thema und dem Fall: Es geht um Vorurteile gegenüber Homosexuellen, um die homophobe Flugblattkampagne einer fundamentalchristlichen Sekte und um einen Doppelmord in der Dortmunder Schwulenszene.

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Der „Tatort. Alter Ego“ läuft am Sonntag, 23. September, um 20.15 Uhr im Ersten

Quelle: F.A.Z.
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