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ZDF ohne Champions League? : Der Preis ist zu heiß

Dass sie auch künftig die Champions League im ZDF präsentieren können, ist fraglich: Oliver Welke und Oliver Kahn. Bild: ZDF und Nadine Rupp

Es kann sein, dass die Champions League bald nicht mehr im ZDF läuft. Das ist kein Wunder, die Senderechte kosten Unsummen. Die sollte ein öffentlich-rechtlicher Sender nicht bezahlen. Ein Kommentar.

          Für das ZDF ist die Lage misslich. Seit Wochen wartet der Sender darauf, dass der europäische Fußballverband Uefa die Senderechte an der Champions League vergibt. Je länger die Funkstille dauert, desto größer die Befürchtung, man werde leer ausgehen. 54 Millionen Euro hat das ZDF angeblich bislang pro Saison für den Spitzenfußball ausgegeben und ist, wie der Sportchef Thomas Fuhrmann sagte, mit dem neuen Angebot bis an die „Schmerzgrenze“ gegangen. Was bedeuten dürfte, dass sechzig bis siebzig Millionen Euro pro Jahr aufgerufen wurden.

          Den Zuschlag aber könnten nun der Abosender Sky und der Streamingdienst Dazn bekommen, die offenbar bereit sind, für die drei Spielzeiten von 2018 bis 2021 die geforderte Summe von sechshundert Millionen Euro auf den Tisch zu blättern. Dafür nimmt die Uefa einen Verlust an Reichweite in Kauf. An die acht, neun Millionen Zuschauer, die das ZDF vor den Bildschirm holt, reicht der Publikumszuspruch der Bezahlangebote nicht heran.

          Dazn stürmt den Markt mit Kampfpreisen

          Das muss er in den Augen der Uefa auch nicht. Für den Fußballverband geht es einzig darum, den höchsten Preis zu erzielen. Die Champions League ist Big Business, genauso wie die Bundesliga, ein Sender wie Sky braucht beides, um Abos zu verkaufen. Die könnten, liefe der Fußball nicht mehr im Zweiten, teurer werden, gäbe es nicht die Streaming-Konkurrenz von Dazn, die das „Netflix des Sports“ werden will und mit Kampfpreisen auf den Markt stürmt.

          Vordergründig geht es um Fußball, hinter den Kulissen geht es um das große Geld.

          Hinter Dazn steckt die britische „Perform Group“. Die wiederum gehört mehrheitlich dem Beteiligungsunternehmen Access Industries des russischstämmigen Amerikaners Leonard Blavatnik, der, da seine Firma in London residiert, mit einem geschätzten Vermögen von siebzehn Milliarden Pfund als der reichste Mann Großbritanniens gilt. Hinter Sky stehen das Medienimperium 21st Century Fox von Rupert Murdoch.

          Um die Champions League konkurrieren also Unternehmen aus der ersten globalen Finanzliga. Dass das ZDF da überhaupt auflief, ist europaweit ein Unikum, das dem hohen Rundfunkbeitragsaufkommen in Deutschland geschuldet ist. Ringsherum ist die Champions League eine Sache von Bezahlsendern – in Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien. Nur einzelne Spiele – Halbfinals oder Finals – müssen unverschlüsselt gezeigt werden, wenn es Mannschaften aus dem jeweiligen Land bis in die Endrunde geschafft haben. So würde es, sollte sich das Szenario bewahrheiten, künftig auch in Deutschland sein.

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          Für das ZDF wäre das ein Schlag ins Kontor, weil der Fußball ein großes, auch jüngeres Publikum anspricht. Für die Rundfunkbeitragszahler wäre es insofern eine Entlastung, als die fünfzig bis siebzig Millionen Euro pro Jahr für andere Dinge zur Verfügung stünden, die dem öffentlich-rechtlichen Rundfunkauftrag entsprechen. Dieser umfasst nicht, für den Kommerz-Sport die tollsten Summen zu zahlen – auch wenn es ARD und ZDF schmerzt, die künftig zudem ohne die Senderechte an den Olympischen Spielen dastehen. Die hat der amerikanische Discovery-Konzern für 1,3 Milliarden Euro für die Jahre 2018 bis 2024 gekauft. Der Sport im Fernsehen ist ein exklusives Vergnügen.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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