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Donnerstag, 20. Juni 2013
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Deutscher Fernsehpreis Auf dem Leim

 ·  Der Fernsehpreis an Matthias Opdenhövel und Mehmet Scholl geht in Ordnung. Für den Wundbrand-Vergleich dürfen die beiden ihn aber nicht beanspruchen.

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Launig war’s, vergangenen Samstag beim Deutschen Fernsehpreis. An den Entscheidungen der Jury mag man Zweifel haben, aber die Moderation von Oliver Welke und Olaf Schubert war bestens. Nicht unwitzig fiel auch die Rede von Rudi Cerne aus, der die für die beste Sportsendung Nominierten vorstellte: „Millionen Menschen“ seien im Ersten „Matthias Opdenhövel und Mehmet Scholl auf den Leim gegangen“. Mit Humor und kompetenter Analyse habe das Duo die Zuschauer gefesselt: „Laut Zeugenaussagen soll es sogar vorgekommen sein, dass deutsche Stürmer kritisiert wurden, obwohl sie zuvor den Siegtreffer gerade erzielt hatten.

Also, mein lieber Mann, ihr traut euch was. Sie erinnern sich: die Gomez-Affäre.“ Genau, da war doch was, die Gomez-Affäre. Erinnern Sie sich an den Satz des Anstoßes? „Ich hatte zwischendrin Angst, dass er sich wundgelegen hat, dass man ihn wenden muss“, sagte - Mehmet Scholl, nach dem Spiel, das die Nationalmannschaft gegen Portugal durch ein Gomez-Tor mit eins zu null gewonnen hatte. Das sagte also Mehmet Scholl im Gespräch mit - Reinhold Beckmann. Nicht mit Matthias Opdenhövel. Der dann aber mit Scholl den Fernsehpreis bekam. Was ganz in Ordnung ist. Nicht ganz in Ordnung aber war der Einspielfilm beim Deutschen Fernsehpreis, der den Eindruck vermittelte, Scholls Wundbrand-Satz sei im Gespräch mit Opdenhövel gefallen. Der in seiner Dankesrede das Sprachbild auch noch aufnahm: „Jetzt stehe ich hier alleine, und Sie fragen mich zu Recht: Wo ist Mehmet? Ich muss Ihnen leider mitteilen, dass er sich wundgelegen hat, er kann heute Abend nicht hier sein. Nee, ist Quatsch: Er ist essen mit Mario Gomez.“

Essen mit Mario Gomez, Wundliegen mit Beckmann, Preisekriegen mit Opdenhövel. Wie sagte Rudi Cerne noch? „Mein lieber Mann, ihr traut euch was.“ Meine lieben Fernsehpreismacher, dürfen wir ergänzen, ihr traut euch auch was. Bei Youtube kann man es sich ansehen. Und wie war das noch bei der Fußball-Europameisterschaft? Hatten sich ARD und ZDF nicht vehement über die von der Uefa manipulierten Bilder beschwert, die auffielen, als ein scheinbar entspannter Bundestrainer Joachim Löw einem Balljungen das Leder stibitzte - mitten im Spiel gegen die Niederlande? Was aber nicht während des Spiels, sondern davor aufgenommen war? „Das entspricht nicht unseren journalistischen Standards“, hatte ZDF-Chefredakteur Peter Frey gesagt. Bleibt die Frage, wessen Standard die Einspielfilme beim Deutschen Fernsehpreis entsprechen. Es sei darum gegangen, die „prägnantesten Sätze“ von Scholl und Opdenhövel zu zeigen, man habe nichts verfälscht oder umgeschnitten und die Zuschauer auch nicht auf eine falsche Fährte gelockt. Das kann man so sehen, muss man aber nicht. „Millionen Menschen“, sagte Cerne, seien Opdenhövel und Scholl „auf den Leim gegangen“ - im Ersten. Auf Leimruten aber verstehen sie sich auch beim ZDF.

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Jahrgang 1965, Redakteur im Feuilleton, zuständig für „Medien“.

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