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Deutsche Ausgabe von „Harper’s Bazaar“ : Von It-Bags und anderen Ungetümen

Eine Frau mit klaren Ansichten: Die Österreicherin Margit J. Mayer nach der Schau von Victoria Beckham. Bild: Helmut Fricke

Es ist Modewoche in New York. Jetzt wird es ernst für Margit J. Mayer: Sie ist Chefredakteurin der neuen deutschen Ausgabe von „Harper’s Bazaar“. Ein Treffen zwischen Laufsteg und Fast-Food-Tempel.

          Schößchen hat man schon gesehen in den vergangenen Saisons, Schwarzweißkontraste auch. Margit Mayer ist trotzdem angetan von Victoria Beckhams Modenschau am Sonntag in Manhattan. „Schößchen können einer Frau doch stehen. Es sieht gut aus, wenn es schön wippt.“ Auch ist es ihr egal, dass sich eine Prominente als Modemacherin ausgibt: „Hauptsache, man erkennt eine intelligente Auseinandersetzung mit der Mode.“ Und die hat sie hier gesehen. Also ist es auch so.

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Denn Margit J. Mayer hat einen untrüglichen Sinn für Stil, ein gutes Auge für Mode - und klare Ansichten. Auch deshalb ist sie nun Chefredakteurin der neuen deutschen Ausgabe von „Harper’s Bazaar“. In der bedeutungsoffenen Welt der schnellen Trends kommt es auf Deutungshoheit, Diskursmacht, Durchsetzungskraft an. Das erleichtert das tägliche Ringen mit Kollegen, Konkurrenten, Anzeigenkunden. „Wobei ich das Wort Kunde nicht mag“, sagt sie. „Mein Kunde ist der Leser.“ Schon wieder bestimmt sie die Debatte, bevor sie überhaupt aufgekommen wäre im deutschen Magazinjournalismus.

          Das neue Glamour-Flaggschiff des Burda-Verlags

          Darf man eine solche Frau fragen, ob man gemeinsam einen Kaffee bei „Pret A Manger“ trinkt? Ja. Sie hat zwar ein Jahrzehnt lang, von 2000 bis 2011, als Chefin des Condé-Nast-Magazins „AD“ Einrichtungsstil und Lebenshaltung geprägt und gepredigt. Aber sie ist inzwischen locker genug, in einem Schnellrestaurant schnell mal ein paar Lebensweisheiten loszuwerden - und ein paar Einsichten zu bieten in das neue Glamour-Flaggschiff des Burda-Verlags, das mit einer 280-Seiten-Vorab-Ausgabe vorvergangene Woche erschienen ist und von Februar an zehnmal im Jahr (mit Doppelnummern im Dezember/Januar und Juni/Juli) auf dem deutschsprachigen Markt herauskommt.

          Über das erste Heft muss man nicht viele Worte verlieren - denn weil sie noch beim Taschen Verlag beschäftigt war, legte sie lediglich zum Schluss Hand an. Nur so viel: Während sie im Editorial das schöne Wort „einkaufen“ gegen das hässliche Wort „shoppen“ setzt, machen sich auf den hinteren Seiten „It-Bags“ und andere Ungetüme breit. Sicher ist jedenfalls, dass die deutsche „Vogue“ nun erstmals seit dem ersten Versuch mit einer deutschen „Harper’s Bazaar“ (1985 bis 1992) Konkurrenz hat. Im Wettrennen um Anzeigen muss das aber bei der guten Konjunktur der Luxusbranche nichts heißen: Die „Vogue“ (Condé-Nast) ist in diesem September so dick wie seit 20 Jahren nicht, die „Elle“ (Burda) zum 25-Jahr-Jubiläum gar so umfangreich wie nie zuvor.

          So sieht die erste deutsche Ausgabe von „Harper’s Bazaar“ aus.

          Wichtigste Frage, um im eisgekühlten Fast-Food-Tempel Gesprächswärme entstehen zu lassen: Was macht Arthur? Dem geht es gut. Die noch wichtigere Frage also: Was macht Stephan Meyer? Denn der „Creative Director“ des neuen Magazins, Margit Mayers Vertrauter schon seit Mitte der achtziger Jahre, passt an diesem Wochenende in Berlin auf den Mops der Chefin auf, bis am Montag wieder die Hundesitterin das große Sozialbedürfnis des Tieres stillt, das übrigens nicht an den mopstypischen respiratorischen Problemen leidet: „Arthur kann atmen.“ Die Fragen, die über den Ozean kommen, zeigen, dass der Kreativdirektor in der Hundehaltung gerade alle Kreativität aufbieten muss. Derweil sinniert die Chefin im „Pret A Manger“ in Midtown, wo hier der Zucker für den Kaffee ist: „Braucht man eine App, um den zu finden?“

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